Vergangenes Wochenende hätte man sehr viel sinnvolleres mit seiner Zeit anstellen können, als wie ein Irrer vor dem Rechner zu sitzen und Projekte zu schrubben. Nach Spa fahren, zum Beispiel. Dort fand nämlich die ‚SpaItalia‘ statt, unter anderem mit dem angestrebten, weltgrößten DeTomaso-Treffen aller Zeiten (inklusive Weltrekordeintrag). Da es schlauere Zeitgenossen als mich gibt, war zum Glück wenigstens Ayrton da und wird uns sicherlich ein paar leckere Fotos hiervon per Link zukommen lassen (Wink! Zaunpfahl!). Ich durfte mal reinschauen und war ziemlich geflasht, muss ich sagen.

Immerhin konnte ich mich (da es seit längerem auch geplant war und man solche Planungen auch im Projektalltag einbauen kann) zu einer schwierigen und wichtigen Aufgabe „loseisen“.

In den Tiefen meines automobilen schlechten Gewissens befindet sich ja noch was…

Der aufmerksame Leser weiß, dass ich unter anderem auch ein Faible für SAAB habe, insbesondere (aber nicht nur) für die Modelle der Zeit vor GM. Saabs (ja, ich schreibe den Firmennamen mit Großbuchstaben, und wenn ich das Auto meine, nicht) dieser Zeit genießen zu Recht den Ruf etwas besonderes zu sein. Sie halten (im Gegensatz zu vielen anderen, eher exotischen Produkten), das, was sie versprechen: Zuverlässigkeit, Solidität, Sportlichkeit, Verarbeitung, Sicherheit, Schrulligkeit und eben ‚das Besondere‘ sind zu finden.

Saab 900 turbo 16 Fuelbrothers

Und genau so ein Teil stand die letzten Jahre ziemlich trostlos, stillgelegt und vernachlässigt in einer Tiefgarage nahe Stuttgart (ich habe ihn dort vor Jahren abgestellt…). Monatlich wurde die Miete abgebucht ohne, dass irgendetwas nennenswertes passierte. Um die Sache schlimmer zu machen, es ist nicht „irgendein Saab“, sondern das gesuchte 900 Turbo 16 Modell (natürlich in schwarz), mit Aero-Planken, Zusatzinstrumenten und rotem Steuergerät. Der Kenner leckt sich schonmal die Finger ab. Nur leider versteckt sich dieses fantastische Stück schwedischer Ingenieurskunst unter einer dicken Schicht Betonstaub, teilweise Rost (Radläufe) und allerlei technischen Problemchen, die in erster Linie aus Vernachlässigung herrühren.

Trotzdem, die Substanz stimmt, es lohnt sich etwas Geld in die Hand zu nehmen und das Auto wieder auf die Straße zu bringen. Als erster Schritt hierzu: Erstmal den Karren holen fahren. Nach bizarren Einblicken in die Praxis der deutschen Avis-Filialen (ML-Mercedes ist ein Luxusfahrzeug, daher nicht Zusatz-versicherbar…WTF!? UND: Man braucht 2 Kreditkarten, um „würdig“ zu sein, einen auszuleihen) und irrwitzigen Sozialstudien eines lokalen Anhängerverleihs (Mutti, Raucherin, Ende 40, sieht aus wie Ende 50: „Isch brauch watt zu essen, sonst bring isch hier wen um, hust, hust, röchel…“) sind wir (Ayrton & ich) dann Freitags los, um mit gemütlichen 80km/h (*räusper*) den Schatz zu ‚heben‘.

Mercedes ML mit Hänger

Auch ein Mercedes kann „Freude am Fahren“ „bringen“

Fuelbrothers Garage

Nachdem ich tatsächlich auch den richtigen Schlüssel dabei hatte (uff!) der Blick in die Garage – viele alte BMW, darunter auch ein Alpina 6er und ein M635Csi…

BMW 635i, M635Csi und Alpina

BMW 635i, M635Csi und Alpina

Dazwischen: Der alte Schwede.

Garagenfund Saab 900 turbo 16

Besitzerstolz ist der Schönste!

Beeindruckend, wie die Tür dieses „Veteranen“ nach über 23 Jahren immer noch satt ins Schloss fällt. Fest, solide, nichts klappert (sorry, geliebter Lotus, aber du bist eine Tupperdose). Alleine die Türgriffe, welch Offenbarung, auch nach 250tkm immer noch ein festes Gefühl und deutlich wahrnehmbarer Druckpunkt – wie am ersten Tag. Kein Hauch von GM-Schlendrian. Mir fällt gerade mit Entsetzen auf, dass sowohl SAAB als auch Lotus etwa zur gleichen Zeit von GM geschluckt wurden! 😯

Genug der Worte: Mit viel Muskelschmalz musste ich das aufgebockte Gefährt erstmal auf die eigenen Füße stellen. Danach aus der Garage schieben und mit dem ML über ein Abschleppseil (Gott sei dank war eins zufällig da) die Rampe hochziehen. Oben dann, mit Kurbel den Wagen auf den Hänger drehen (wir haben 2 Anläufe gebraucht, erst wollte uns ein ‚Handwerker‘ zeigen wie man es ‚richtig‘ macht, dann haben wir es ‚richtig‘ gemacht 👿 ).

Im Ergebnis dann: Ölflecken überall, D.C. mal wieder den Rücken ausgerenkt und ein paar neue  Kratzer an der Schürze vom Saab.

Saab 900 turbo 16 auf Hänger

Moment mal, das Bild kenn ich doch….

… ah! So ein ähnliches Motiv ist ein paar Jahre früher schonmal entstanden, damals ging mir der Anlasser fest und das Auto ließ sich nicht mehr bewegen. Fotos hat Wu gemacht: Man beachte die Zugmaschine!

Saab 900 turbo auf Hänger (2)

…wusste ich’s doch!

Tja, und die Aktion hat dann auch entsprechend 3 Mal so lange gebraucht wie geplant, daher haben wir es nicht mehr geschafft ins Meilenwerk Böblingen zu gehen – Mist. Auch aus beruflicher Sicht Mist, denn mit sowas bekomme ich es aller Voraussicht nach demnächst auch auf dieser Ebene zu tun (Jippee!).

Die Reaktionen auf der Autobahn: Freudiges Winken von Saabfahrern, man sammelt sofort Symphatiepunkte. Zumindest bis die Leute die Zugmaschine erkennen :mrgreen:

So richtig ‚richtig‘ wäre dies natürlich nur, wenn vorne ein T5 Kombi zieht… aber das ist eine andere Geschichte.

Glücklich in K. angekommen musste der Wagen ja noch in den Hangar, den ich in Gemeinschaft mit dem Besitzer der ortsansässigen Mietwerkstatt teile.

Saab 900 turbo 16 in Hangar

Links neben einem 911er (verdeckt durch Plane) und diverse E30 und eine S-Klasse wartet Dornröschen nun auf die Erweckung.

Fuelbrothers

Ayrton will nicht kuscheln

Am darauf folgenden Tag bin ich dann mit meinem Leib & Magen-Mechaniker Dirk zum Wagen, um Ihn mal mit der Materie vertraut zu machen. Überraschenderweise war dieser davon regelrecht angetan und machte mir viel Mut – es sei alles nicht so schlimm und die Substanz wäre auf den ersten Check super. Na dann kann es ja bald losgehen!

Hierzu empfehlen wir folgende Literatur: