Alfa 4C

Tja – mit Alfa ist es so ähnlich wie mit schönen Frauen: Jeder will eine, aber die wenigsten können sich eine „leisten“. Zack – und schon wieder mitten in den Sexismus-Fettnapf, den Herr Brüderle dank unserer „Journallie“ mit breiten Fußstapfen vorbereitet hat.

Zurück zum Thema: Im Falle von Alfa bedeutet diese Allegorie leider, dass die Leidenschaft gerne mit „Leid“ erkauft wird, sei es durch Qualitätsmängel, Verarbeitungsfehler oder schlichtweg einen exorbitanten Wertverlust bei fast allen Modellen. Es gibt ein Bonmot, nachdem jeder mit Benzin im Blut mal einen Alfa gehabt haben muss – leider macht es Alfa einem heutzutage echt schwer seine Produkte zu mögen. Es fängt für mich schon mal damit an, dass die derzeitige Produktpalette ausschließlich aus Fronttrieblern oder daraus abgeleiteten Allradfahrzeugen besteht. Für eine „echte“ Sportmarke ist das natürlich ein fatales Zeichen, die Glaubwürdigkeit liegt so bei den derzeitigen Außentemperaturen – unter Null.

Leider fangen auch BMW und Mercedes diese Unsitte an, wo sie doch die letzten Bastionen klassischer Fahrerautos mit Heckantrieb darstellen. Bislang zum Glück nur bei ihren Einstiegsmodellen, aber solche Entwicklungen haben metastasierenden Charakter und sollten mit aller Vehemenz durch die Kunden bekämpft werden.

Alfa-Romeo ist letztlich derzeit auf halbem Wege ein ähnliches Schicksal wie zuvor Saab und Lancia zu erleiden. Von einer Marke mit Geschichte und Eigenheiten hin zum seelenlosen Großserienprodukt mit aufgehübschter Karosserie, die nur noch Laien beeindruckt. Immer wieder werden Chancen verpasst, Ziele nicht erreicht oder gute Ansätze vergeigt. Ein fulminantes Eigentor par excellence mit dem Brera, der als hinreißende Studie begann und als plump schwergewichtiges (ja was eigentlich) „Etwas“ endete. Sollte es ein Gran Tourismo werden? Zu unsportlich. Ein Kompakter? Zu schwer. „Sportwagen“? Hehe.

Zum Thema Alfa-Romeo empfehlen wir folgendes:

Wo Saab und Lancia geendet sind, wissen wir alle. Da die Fuelbrothers (ich spreche mal für Euch alle mit) allesamt Afficionados und keine Nihilisten sind, wünschen wir Alfa-Romeo natürlich nur das Beste, und das heißt: Verkackt es nicht! Der neue 4C ist die letzte Chance, womöglich die allerletzte. Schafft man es mit diesem Fahrzeug nicht, die eigenen Ansprüche an die Marke und den damit verbundenen Nimbus wiederzubeleben, kann man Alfa abschreiben und nur noch als Zombie ähnlich Lancia betrachten.

Ich höre in meinem inneren Ohr bereits Ayrton klagen: „ist doch jetzt schon so“. Aber ich sehe da noch einen Restfunken. Immerhin wussten die Mailänder immer wieder mit schickem Blechkleid zu überzeugen, und das ist beim heutigen Designsozialismus a lá VAG  ja schon etwas sehr subversives.

Immerhin: Die Verantwortlichen bei Alfa scheinen es ähnlich zu sehen, denn der Wagen markiert mit seiner Einführung die Wiederaufnahme des Nordamerika-Geschäfts. Große Gesten. Es fallen einem natürlich sofort Dustin Hoffman und die wundervolle Anne Bancroft ein, inklusive Simon & Garfunkel… Ob ein zeitgenössischer „middle-sized“ American allerdings in dieses Bobby-Car reinpasst bleibt abzuwarten. Ich freue mich schon auf die ersten Vergleiche mit der Corvette und dazugehöriges Gelächter auf Youtube.

Alfa 4C back

Zum corpus delicti: Der 4C ist ein kleiner, heckgetriebener(!) Mittelmotor(!)-Sportwagen, der im Maserati-Werk(!) auf einem Carbon(!)-Chassis aufgebaut wird. Gleich 4 Wünsche auf einmal! Bauartbedingt wird das Endgewicht angeblich bei unter 1000kg liegen, daher scheint die Motorisierung mittels eines kleinen 1.8L-Turbomotors (gut 200 PS) nicht unterdimensioniert.

Spannend werden hier viele Dinge sein:

  • Preisgestaltung
  • Verarbeitung (!)
  • Fahrdynamik

Ich würde mich wirklich freuen, wenn neben Lotus ein weiterer Hersteller sein Glück im Leichtbau versucht, wobei Lotus jeder abspenstige Kunde natürlich doppelt schmerzt. Ich bin mal gespannt, wie sich das Auto gegen die aktuelle Elise/Exige schlägt.

Also: Sollte man gespannt sein?