Renault Alpine A110 2018

Nein, ich werde ich nicht mit „sacre bleu“, blauem, blühendem Enzian oder ebensolchen Wundern anfangen. Wir bleiben sachlich, zumindest versuchen wir es. Passend zum Event.

Renault Alpine A110 2018

Die Veranstaltung war „low key“, wie man so schön neu-Deutsch sagt, unprätentiös und aufs Wesentliche beschränkt. Gut so! Man hat deutlich am Publikum gespürt, dass sich Renault mit der wiederbelebten Marke „Alpine“ eine neue Klientel in die Kundenkarteien holt, deutlich up-market und weg vom klassischen Familiengeschäft mit 0%-Finanzierungsmodell.

Renault Alpine A110 2018

Zu Essen gab es – passend zum Thema (wie schon Hamster frotzelte) – „leichte Kost“ in Form von hervorragenden Flammkuchen, Salaten und einem unfassbar leckeren Mousse au Chocolat zum Abschluss. Überhaupt war die Atmosphäre sehr angenehm. Nicht zu viel Deko, kein Tamtam, beschränkt aufs Wesentliche.

Renault Alpine A110 2018 Ayrton

Womit wir auch schon beim Thema sind. Die neue Alpine sieht – ich sage es direkt – fantastisch aus. Man kann jetzt vom Retro-Design-Zitieren halten was man will (und es auch verdammen), aber hier wurde es richtig gemacht. Die Proportionen stimmen, die Farbwahl für das Launch-Fahrzeug war exzellent, die Details sind größtenteils sehr liebevoll ausgeführt und voller kleiner Zitate an den Großvater. Bin mal gespannt, was ein gewisser, namhafter Designprofessor aus Köln dazu schreiben wird (der auch da herumschlich…;-)). Und warum soll man bei einem Sportwagen dieser Tradition und Geschichte nicht das tun, was Porsche seit jeher praktiziert?

Renault Alpine A110 2018

Gut auch, dass die „originale“ Alpine A110 aus den Sechzigern direkt gegenüber stand: So konnte man sich ein eigenes Bild von der Größe und den Proportionen machen. Klar ist die neue größer – aber nicht so viel, wie befürchtet! Und vor allem nicht so, dass es (wie bei Minis der aktuellen Generation) seltsam bis unmöglich wirkt (Stichwort: Countryman, Clubman & 5-Türer). Sie wirkt erwachsener, stabiler, und im Gegensatz zum Ur-Modell deutlich weniger furchteinflößend (bezogen auf die Sicherheitsaspekte, meine ich…) – und bleibt trotzdem ein kleines Auto! Die neue Alpine strahlt sehr viel Zugänglichkeit aus, man möchte einfach einsteigen und losfahren. Renault hat zumindest optisch nicht zu viel versprochen, leider fehlt eine Probefahrt, um den Fahreindruck mit dem – meiner Meinung nach – sehr gelungenen Design zu verbinden. Ein emotional sehr ansprechendes Auto. 100 Punkte dafür.

Renault Alpine A110 2018

Was ziemlich gut ist: Die Fahrzeugbreite ist überschaubar. Das ist etwas, das mich bei den meisten modernen Fahrzeugen stört, insbesondere dann, wenn man das formulierte Erlebnis-Ziel „Landstraße“ vor Augen hat. Die meisten dieser Landstraßen stammen konzeptionell aus den 50er-/60er Jahren und sind auf entsprechende Fahrzeugbreiten ausgelegt. Hier wird die Alpine definitiv punkten!

Renault Alpine A110 interieur 2018

Der Innenraum ist – abgesehen von einigen unschönen (*ähemdaciaähem*-)Hartplastik-Verkleidungen in den Türen und einem zumindest visuell zweifelhaften Teppichstoff – sehr schön anzuschauen und -fassen. Das Design ist sehr modern, trägt aber durch ansprechende Druck-/Wippschalter und Echt-Metall-Applikationen genügend bodenständige und klassische Elemente in sich. Ich persönlich habe mich sofort sehr wohl hinter dem Volant gefühlt, die Sitze empfand ich als fantastisch (und das will was heißen, bei nur 13kg pro Sitz!) -selbst im Vergleich zu den wirklich hervorragenden Evora-S2-Sitzen. Die Griffposition zum Lenkrad hin hat mich direkt vereinnahmt und an einen, *hust* Lotus erinnert. Ich bin mir irgendwie ziemlich sicher, dass die französischen Jungs mal einen ganz genauen Blick auf ähnliche Produkte aus Hethel geworfen haben. Und andersherum, sollte sich Hethel mal den Innenraum für eine Exige-Neuauflage anschauen. Die Alpine ist nämlich vergleichbar leicht (1100kg) und schafft es, einen deutlich hochwertigeren Innenraum anzubieten. Klar ist der Motor leichter und „nur“ ein Vierzylinder, aber dennoch.

Renault Alpine A110 2018

Auch wenn, entgegen des Redners und „hohen Tiers“ (da fällt mir immer wie bei „Werner“ die Giraffe ein), die Alpine nicht aus den Alpen stammt, sondern aus Dieppe in der Normandie, so ist hier nomen – omen. Das Autochen schreit nach Alpenpässen, soviel steht fest.

Renault Alpine A110 Scheinwerfer headlights 2018

Würde es nicht ein für mich derzeit völlig redundantes Auto zur Evora sein, hätte ich mich mindestens für eine Probefahrt mit ernsthafter Kaufabsicht eintragen lassen. Aber was nicht ist…

Und eine Sache ist auch klar. Wettbewerb ist gut für den Kunden. Auch wenn ich es wirklich schade finde, dass möglicherweise einige Kunden von Lotus zu Alpine gehen könnten, es ist IMMER gut, eine Alternative zum allgegenwärtigen Cayman zu haben.

Bon chance!