Mercedes-Benz S204 C350

© Rudolf Stricker | Wikimedia Commons

…muss ich gewesen sein, als ich dachte, das wäre „mein Auto“. Auch wenn Hellmchen jetzt zurecht nickt und sagt „hab ich doch gleich gesagt, das passt nicht zu dir!“ – manchmal muss man eigene Fehler machen!

Grundsätzlich habe ich den letzten Jahren eine wachsende Affinität zu den jüngeren Modellreihen des Daimler-Konzerns entwickelt. Die (noch) aktuelle C-Klasse gefällt mir optisch ganz gut, nicht überwältigend, aber immerhin so, dass ich mich zufrieden hätte darin herumfahren sehen. Da ich mich immer noch im Gebrauchtwagen-Krampf befinde und langsam aber sicher Nägel mit Köpfen machen will, habe ich mir ein Herz gefasst und bin am Wochenende zu einem potentiellen Ziel meiner Begierden gefahren.

Mercedes-Benz S204 C350

© Rudolf Stricker | Wikimedia Commons

Passenderweise ließ sich das mit einem Besuch im Hohenloheschen kombinieren, so dass ich eisenharte Unterstützung eines schwäbischen Urgesteins (mein „Teamchef-Schwiegervater“) bei der Besichtigung hatte. In Aalen bin ich also beim MB-Junge Sterne Bereich aufgeschlagen um mir einen C350 anzusehen. Bei dem Wagen handelt es sich um eine C-Klasse mit dem 3.5L V6 Motor, M272, der viel gutes in der Presse und auf einschlägigen Videoportalen von sich gibt. Ausgestattet mit gut über 270PS sollte eine C-Klasse diesseits von wahnwitzigen AMG-Eskapaden ein optimaler, souveräner Reisebegleiter sein. Optisch ein absoluter Schläfer, auch die Avantgarde-Ausstattung erlaubt sich keinerlei Rückschlüsse auf die Leistung. Kein AMG-Styling. Nur 2 Endrohre zeigen an, dass hier mehr als ein 1.8L Motörchen vor sich hin werkelt.

Entsprechend emotionsfrei begrüßte mich also mein iridiumsilberner Wunsch-Kandidat. Etwas irritierend die, trotz Händlerverkauf, lieblose Präsentation des Wagens (ungewaschen, mit schmutzigem Innenraum und nichts, aber auch gar nichts an Anstalten mir den Wagen schmackhaft zu machen). Entsprechend lustlos ging es dann auch direkt los: Ein nervtötendes Piepsen einer defekten Parktronic-Seite führte zum sofortigen Abschalten meinerseits des ganzen Systems. So etwas wird aber behoben, denn man kann von einem MB-Fahrzeug als „Junger Stern“ Mängelfreiheit erwarten.

Mit wenig beeindruckender Klangnote setzt sich das Auto mittels 7-Gang-Automatik in Bewegung. Zäher und unmotivierter als erhofft. Gut – man weiß nicht, wie lange er schon stand. Angeblich nicht lange, denn er ist gerade „frisch eingetroffen“. Der Grünspan in der Dachreling lässt jedoch nicht gerade auf überschäumende Pflege inklusive Wellness-Garage schließen. Tja, nach ein paar Kilometern Warmfahr-Phase dann die Probe aufs Exempel: Der Grund für den Kauf sollte getestet werden. Was kann der M272?

Maßlose Enttäuschung macht sich breit. Ein völlig unaufgeregter Antritt bei sicherlich souveräner Beschleunigung lässt jegliche Begeisterung im Keim ersticken. Man hat eher das Gefühl in einem ICE bei 270 zu sitzen, als in einem PKW mit über 270 Pferden. Hätte ich es wissen müssen? Können? Was habe ich mir den erwartet? Ich bin vielleicht in die „Markenfalle“ getappt. Ausgehend vom etwas frischeren Image der neueren Modelle bin ich von „etwas mehr“ ausgegangen. Aber hier muss man klar sagen: Das bedient beim MB-Konzern ganz klar Affalterbach. Also entweder „richtig“ oder „sanft“. Dazwischen gibt es wenig.

Aber gut zu wissen! Vielleicht kratze ich das „AMG-Jucken“ in meinem Leben ja auch mal ;-). Am morgigen Dienstag werde ich mir übrigens einen 325i-Reihensechser anschauen, auch vom Händler, mit der Absicht herauszufinden, ob die „Lust“ vielleicht dort eher aufkommt. Am Samstag dann gibt es das Konterprogramm, den 9-3 Hirsch um die Ecke.

Eines steht fest: Zumindest weiß ich dann, was ich NICHT will. Erschreckenderweise gefällt mir der Alfa GTA im Nachgang weit besser als der Daimler…