Magnus Walker

Magnus Walker! You here and not in Hollywood?

Ich erinnere mich sehr gut an eine Zeit, die nur wenige Jahre zurück liegt. Es muss so um 2004/5 herum gewesen sein. Die Oldtimer-Messen waren für die meisten Menschen eine völlig unbekannte und unter dem Radar fliegende Veranstaltung. Von wenigen, weißbärtigen Veteranen und einem technisch, historisch und design-interessierten Publikum besucht, hat man zu diesem Zeitpunkt aber die Tendenzen für die kommenden Jahre ablesen können. Eigentlich war es klar und die klugen Strategen der Szene haben damals schon gewusst, in welche Richtung sich die Sache entwickelt. Angestoßen durch den „Katalysator“ Lehman Brothers, suchen seit 2008/9 immer mehr Menschen nach einer „sicheren“ Kapitalzuflucht (ich sage bewusst nicht „Anlage) – andere Aspekte mal hintenan gestellt. So kam es da auch verständlicherweise zu dem Phänomen, dass man heute beim Besuch einer Klassiker-Messe erlebt. Ich fasse mal kurz zusammen:

  • Extrem umfangreiche Markenauftritte der Autohersteller
  • Die Autos stehen teilweise gestapelt übereinander (!)
  • Unangemessene Präsentation von wirklich seltenen  und schönen Fahrzeugen (eng, deplaziert, da Händler)
  • Riesige Menschenmassen jeder Couleur, mit allen üblichen Schnöseln, Blendern und Spinnern
  • Mondpreise für mittelmäßige Autos, mit teilweise schlechter Lackierung
  • Seltene, aber nicht „hochpreisige“ Klassiker fallen durchs Raster und fehlen nun völlig

Das alles hört sich erstmal sehr negativ an, aber ich will kurz erklären und begründen, warum man sich den Besuch einer solchen Veranstaltung heutzutage überlegen sollte und/oder lieber Alternativen in Betracht zieht.

DAS waren noch Autos! TWR XJS

Ich habe zum Beispiel sehr wenig Verständnis dafür, dass ein Hersteller wie VW aktuelle Fahrzeuge aus der Modellpalette auf so einer Messe ausstellt. Was zur Hölle interessiert mich ein aktueller VW-Bus, wenn ich wegen dem Samba hier bin? Was sucht ein verbeulter Skoda Rapid in schönstem 80/90er Jahre Sozialismus-Trim auf einem hochglanzpolierten Boden, mit Podest und 4m Randabstand, während sich an anderer Stelle ein XJ220 mit dem Rücken zur Wand bei 20cm Abstand zu einem Maserati 12c drängelt?

Davon abgesehen, dass VW ohnehin wenige, wirklich spannende Fahrzeuge in seiner Historie bietet, so ist doch das Verhältnis für den interessierten Besucher an dieser Stelle völlig verschoben. Boxerkult hin- oder her.

Ein echter Grund für den Besuch: Maserati Khamsin.

Das andere wirklich schwierige Thema ist das mit den Preisen und der daraus resultierenden Fahrzeugauswahl. Durch den „Geschmack“ der Massen und eine hieraus resultierende Selektion der Autos entstehen folgende „Zustände“: Porsche 911 an wirklich JEDER Ecke, in jeder möglichen und unmöglichen Kombination aus Interieur und Karosserievariante. Gähn. An diesen Autos dann lustige Zahlen. So zum Beispiel 5- und 6-stellige Kombinationen, die, sich untereinander abwechselnd, mal KM, mal Euro anzeigen. Unfassbar. Was ist nur los mit den Leuten? Ist der 911 wirklich der heilige Gral des Automobils? Oder: „Ferrari“ Dino – 300.000€. Kein Problem. Keine Fragen.

Der drölfte Elfer und… „Wat is hier Phase?“

Andererseits sind seltene, interessante (Underdog-)Exoten wie ein Matra Murena zwar immerhin auf einem Stand sichtbar, aber derart unscheinbar und unterbewertet, dass man sich wundert… Wir haben dort übrigens ein nettes Gespräch mit einem Herrn dort geführt, der uns die Autos vorgestellt hat.

Mittelmotor, GFK, 3 Sitze vorne, Klappscheinwerfer. 10k€.

Hellmchen hat so ein Ding mal gespottet, Du erinnerst Dich? Kein einziger Lotus Esprit auf der ganze Messe (und wenn, dann hat er sich gut versteckt!), kein DeLorean, nur eine Renault Alpine V6 (gestapelt auf einer Art Hochgarage?!), kein einziger Maserati Merak, Shamal, BiTurbo, nur ein Testarossa, kein Countach, dafür vieles andere – irgendwie seltsam.

Ayrton gefällt der F-Type doch arg…

Es war aber nicht alles „schlecht“. Natürlich gab es viele schöne – leider eben mit der starken Tendenz zur Unbezahlbarkeit – Klassiker zu sehen. Paparazzi kommen auf ihre Kosten, wir sind z.B teilweise in die Arme von mehreren Prominenten gerannt. Was auch das Titelbild erklärt… Unweigerlich von dem vielen Geldadel angezogen rennen leckere Damen herum, aber das muss man natürlich immer mit einer Prise Salz genießen. Im Endeffekt sind wir mit dem Gefühl nachhause gefahren alles Richtig gemacht zu haben. Mit unseren Karren sind wir „total exklusiv“, haben Fahrspaß und jede Menge schöner Momente drumherum erlebt. Was will man mehr?

Jeder macht Selfies. Wir auch.

Sind wir in unserem „Stolz verletzt“, weil unser Geschmack nicht von den Massen geteilt wird, und uns somit eine Art „finanzielle Fehlentscheidung“ demonstriert wird? Es wäre nur menschlich, und sich davon „frei“ zu machen fällt sicher nicht leicht. Aber letztlich muss jeder selbst wissen, wofür er sich zum Zeitpunkt X einen Klassiker gekauft hat. Wenn dann dazu noch eine „Belohnung“ kommt – um so besser, wenn nicht: Dividende = Fahrspaß und Besitzerstolz!