Ja, ja, ich habe es in letzter Zeit etwas Schleifen lassen. Alles Mögliche führte zu einer erheblichen Verzögerung des schon längst fälligen Berichtes der laienhaften Instandsetzung meines fahrenden Korrosionsschutzdepots.

Zur kurzen Erinnerung: Letztes Jahr im Dezember gekauft – VW T2b als Campingmobil mit Berlin-Ausstattung.

An dem Bus musste, wie im ersten Bericht beschrieben, noch etwas getan werden. Ich habe mich also bis zum Frühjahr in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen in die 5 km entfernte Tiefgarage begeben, um ein wenig  zu „Basteln” – ich habe Bier getrunken, entrostet, gespachtelt, gefroren, Tee getrunken, lackiert und wieder Bier getrunken, weil es besser schmeckt als kalter Tee. Aber der Reihe nach.

Da die Mechanik in (noch) gutem Zustand war, beschränkten sich die Arbeiten  auf mehr oder weniger optische Korrekturen.  Tja, und da waren sie wieder meine 3 Probleme. Viel Rost, keine Zeit und keine Ahnung wie es überhaupt geht…. aber einfach anfangen. Ich bin also mit dem Schraubendreher los und habe mal so rumgestochert. Oh ha, das förderte doch teils größere Löcher zu Tage, die der Profi eigentlich schweißen müsste. Naja, das Ziel lautete Zustand erhalten und nicht rumheulen. Es ergaben sich 6 Stellen, die primär eine Behandlung verlangten. Die anderen 40 habe ich einfach ignoriert… so schlimm war es nun auch nicht.

Die vordere Stoßstange musste ich abbauen, um an die untere rechte Ecke zu kommen. Das Teil war natürlich vollkommen festgerostet. Aber irgendwie gings ab.

Die Roststellen wurden dann wie folgt behandelt :

  • Grundreinigen
  • Entrosten,  mit Drahtbürste und Bohrmaschine
  • Entfetten,  mit Silikonentferner oder Bremsenreiniger (günstiges Mittelchen von Matthies Autoteile in HH)
  • Rostumwandler drauf (Fertan, bekommt man überall. Vorteil: Der Rostschutz hält ohne jegliche Nachbehandlung ca. 6 Monate. Ich habe damit auch alle weiteren Stellen behandelt, die ich nicht lackiert habe und  es funktioniert scheinbar wirklich. Viele  Alternativen gibt es beim  Korrosionsschutzdepot – hier werden alle Produkte sehr gut beschrieben )
  • 24h warten
  • Rostumwandler abwaschen (klingt komisch, muss man aber wirklich machen, sonst haftet da nichts)
  • 3 Tage trocknen lassen
  • wieder entfetten

… und dann sahen die Stellen so aus:

Dann mussten die riesigen Löcher wieder zu. Also gings mit Maske, Brille und Mützchen ans…

  • grob Spachteln, Schleifen, grob Spachteln, Schleifen, grob Spachteln, Schleifen,
  • fein Spachteln, Schleifen, fein Spachteln, Schleifen, fein Spachteln, Schleifen.

Ich habe einen 2K – Glasfaserspachtel (Polyesterharze / Härter  wird dazu gegeben) und einen 2K-Universal-Feinspachtel benutzt. Das sollte nach Meinung von einigen (selbsternannten) Experten die Beste Kombination auf Stahluntergünden sein. Diese sind hart genug, aber noch im gewissem Maße flexibel. Den  Spachtel habe ich bei Matthies Autoteile gekauft. Grundsätzlich müsste aber überall das Gleiche drin sein. Die Kunst besteht darin, das richtige Mischungsverhältnis zu finden.

Man muss wirklich Spachteln können, sonst schleift man sich ( wie ich)  zu tode!

Beim Schleifpapier habe ich unterschiedliche Körnungen verwendet, von 80er  fürs Grobe bis 1200er fürs Finnish. Ich habe allerdings auf´s Nassschleifen verzichtet, da der Spachtel u.U. Wasser saugen kann.

Ergebnis (die ersten beiden Fotos ohne feinen Spachtel) :

Tja und dann stand ich da, scheiße jetzt wird´s ernst. Lackieren, aber wie? Und dann noch Beilackieren. Ja klar, Spraydose in Taigagrün besorgen, abkleben und  rüberjauchen. Denkste, bei minus fünf Grad in der TG nicht so einfach! Aber Übung macht den Meister oder wenigstens den Azubi. Die Farbe mit dem richtigen Code habe ich im Internet bestellt, das war noch das Einfachste. Ok, aber irgendwie wollte ich nicht länger warten, muss doch gehen. Ich habe also alles abgeklebt und die anderen Autos in der TG mit Malerfolie abgedeckt, Baustrahler aufgestellt und die Spraydose drauf gelegt, damit die Farbe warm wird. Mit dem Föhn konnte ich in der gleichen Zeit die Bleche vorwärmen und anschließend schön langsam sprühen. Die ersten Versuche gingen voll in die Hose, logsich. Frust. Zu schlecht abgeklebt, d.h. zu dicht und zu scharf. Es gab Läufer und andere komische Sachen. Also musste mit Silikonentfernen die Farbe wieder runter. Nach 3 Versuchen ging es dann – beim Beilackieren die Sprühdose einfach weiter weg halten,  auslaufen lassen  und sehr feinfühlig sprühen. Das ist schwierig zu erklären, funktioniert aber irgendwie. Das Ganze habe ich dann eine Woche lang trocknen lassen. Anschließend bin ich dann mit einer speziellen Politur (1x grob, 1 x fein) drüber gegangen, um den Sprühnebel wegzukriegen und die Übergänge zum alten Lack auszugleichen.

Die Spraydose und die Politur habe ich bei  www.lackspray24.de geordert. Hier gibt es eine Menge an Farbcodes. Die  Farbe passte erstaunlich gut. Bei der Politur habe ich auf 3M-Perfect it III Hochglanz Maschinenpolitur und 3M-Perfect it III Feinschleifpaste zurückgegriffen. Das Zeug ist der Hammer, aber teuer. Wichtig beim Lackieren war, dass man die eigentliche Grundierung oder den Füller weglässt und nur mehrere Schichten mit der Farbe aufträgt.  Sonst kann man sehr schlecht den Übergang zum alten Lack realisieren.

Und so sah es dann aus:

Im Zuge der Lackierungen habe ich dann noch die GFK-Teile repariert. Mit Glasfasergewebe, Harz und Härter, Grundierung und Endlack wurde die gebrochene Abdeckung wieder aufgehübscht (zweites Foto mit Grundierung bzw. Füller)

Materialien hier: GFK Matten, Harz und Härter, GFK Spachtel + Feinspachtel (s.o.), Kunststoffprimer, Füller (weiß) und Endlack  – alles bei Autoteile Matthies gekauft.

… und zu Hause die Radkappen poliert (für den Flugrost mit Pickeln: weiche Messingdrahtbürste, dann normale  Chrompolierpaste).

Im Innenraum habe ich eigentlich nicht viel gemacht. Jede Menge komische Kabel abgeschnitten, eine kleine Staubox nach „historischem” Vorbild gebaut, eine neue Wasserpumpe reingefrickelt und das Dach entschimmelt.

Hier noch ein Bild der Box (Holz und Kleinkram vom Baumark, Furnierfolie vom Bauhaus, Originalstoff  von Bus-OK, Schaumstoff vom Händler um die Ecke):



Alles in Allem hat das viel Spaß gemacht, aber auch enorm viel Zeit verbraten. Immer nur Abends oder Nachts rumzumukeln ist auf Dauer anstrengend. Das wäre etwas anders, wenn man die Garage direkt neben dem Wohnzimmer hat, ne Ayrton und VachtBitu? Die Kiste ist weit entfernt von einem guten Zustand, aber es funktioniert erst mal alles und das nächste Mal muss der Rost vom Profi verarztet werden. Kosten? Für den ganzen Tüdelüt wie z.B. Farbe, Schleifpapier, Nebenlampen, Stoßstangengummis und anderes Zeug wurden ca. 350 Euro verbraten.

Die Ausfahrten der letzten Monate und Wochen entschädigen aber ungemein und waren einfach ein Traum. Und eines hätte ich nicht gedacht: man wird ständig angequatscht, die Chicks winken einem schon auf der BAB hinterher und Kinder wollen immer alles anfassen.