Gleich aus mehrerlei Gründen haben Ayrton und ich uns auf die Reise nach Hockenheim gefreut. Da wäre zum Beispiel die Tatsache, dass wir keine „echten“ Fuelbrothers-Aktivitäten im doch bereits fortgeschrittenen Jahr verbuchen konnten – letztlich haben Rennstrecken und Benzingeruch etwas magisches an sich. Da können Oldtimer-Ausstellungen noch so schön sein, die Atmosphäre einer echten „Veranstaltung“ ist doch etwas eigenes.

Dann – natürlich – haben wir uns sehr auf Felix gefreut, den wir dort getroffen haben. Verabredet auf einer Autobahnraststätte mit gemeinsamer Kolonnenfahrt zum Hockenheimring fing der Tag bei schönstem Wetter sehr entspannt an. Ayrtons Polierexzesse haben auf dem Aston Spuren hinterlassen, nämlich vor allem einen Glanz, der meinen Esprit aussehen lässt wie ein Bobbycar neben einem Konzertflügel. Gott sei dank kam Felix mit seinem kampferprobten Alfa und ließ uns aussehen wie Putznerds. Danke dafür!

Und natürlich – nicht zuletzt – die erste richtige Gelegenheit mal die Maschinen laufen zu lassen. Leider hat Ayrton vor der Abreise außer ein paar gönnerhaften Sprüchen in meine Richtung keine Anstalten versucht ein wenig pubertär zu werden, ich hätte zu gerne mal ein wenig mehr auf den Pin getreten. Resultat seiner sparsamen Fahrweise: Trotzdem vorzeitige Tankstops, der kompressorgeladene Reihensechser säuft so oder so mehr als meine Turbo-Kröte. 😀 Sei’s drum – man muss immer wieder sagen, es ist ein wirklich schönes Auto und insbesondere auch von Außen sehr hübsch anzuschauen.

Die üblichen Schikanen am Eingang zur Strecke mit „Durchfahrtsschein“ etc. (nur in Deutschland gibt es für jeden Scheiß einen Passierschein in doppelter Ausfertigung) konnten wir dank der „Teamkarten“ von Felix gut ertragen, denn so sparten wir uns den Eintritt! Nicht zuletzt auch durch die Hilfe eins EXTREM freundlichen Ordners, der uns unkompliziert an der Schlange vorbei die nötigen Formulare besorgte! Anonymerweise: DANKE! Wer sich jetzt fragt, warum Felix Fahrer-/Teamkarten hatte, den bitte ich um etwas Geduld…  😉

DAS ist ein Auto.

Drinnen, auf den Markenparkplätzen, gleich die erste Erkenntnis: Mehr spannende Autos als auf der Retro Classics. Zumindest für uns. Sogar ein DeLorean war da, wenn auch nicht in bestem Zustand. Bedingt durch den albernen Weltrekordversuch (mehr als 436? Lotus gleichzeitig auf der Strecke) der Lotus-Evangelisten waren natürlich extrem viele Jünger in ihren quietschbunten Plastikwannen dabei. Passenderweise quittierte mein Karren die Anwesenheit so vieler anderer Alpharüden mit der konsequenten Weigerung die Klappscheinwerfer einzufahren – so dass mein Auto das einzige von gefühlt 5000 war, welches mit treudoof wachem Blick auf die Rückkehr seines Herrchens wartete (bevor die Frage kommt: Ja, die Scheinwerfer gingen auch so aus, ich musste keine Sicherung ziehen).

Mistbock, elender. :mrgreen:

Bis zum Horizont und weiter…

Mir fiel bei dieser Gelegenheit auf, wie unwohl ich mich bei dieser Art von Kollektivismus fühle. Markenveranstaltungen haben doch etwas sehr para-religiöses. Es wird einer Firma (!) gehuldigt wie einem Totem, mit zugehöriger Robe (das unvermeidliche „Lotus-Sport“ T-shirt), einem Gottesdienst (Schleichfahrt um den Ring) und Menschenopfern (ja ich weiß, ich bin makaber und taktlos): Am WE ist ein Fahrer in seinem Elan bei der Veranstaltung tödlich verunglückt. Tragischerweise scheinbar ausgerechnet durch technisches Versagen an der Radaufhängung…

R.I.P.

Unverständnis der besonderen Art empfängt einen bei Nichteinhaltung der Liturgie:

X : „Wir sehen uns ja nachher beim Weltrekordversuch!“

D.C.: „Nö, keine Lust!“

X: „…“ (befremdeter Blick)

X: „Aber dann später im Hotel!“

D.C.: „Ähh, nee.“ ( …WTF?!? War das die Einladung zum Gangbang?)

X: „…“ (strafender Blick)

X: „Und du?“ (an Ayrton)

Ay.: „Ich bin nicht mit dem richtigen Fabrikat da.“

J.B.: „Wieso?“

D.C.: „Ayrton hat sich einen Aston gekauft.“

X: „…“ (verlässt die Gruppe wortlos)

Das muss bei anderen Fabrikaten aber ähnlich sein, ist also bestimmt nicht Lotus-Exklusiv. Ich kann mir das nur über die klassische Fußball-Falle erklären: Zusammengehörigkeits-gefühle, Trancezustände durch Fangesänge, Farbenfolklore, das volle Programm. Genug gelästert – schließlich haben Ayrton und ich uns seinerzeit genau auf diesen Wegen gefunden und DAS ist doch ein schönes Ergebnis. Mit unseren Fuelbrothers-Shirts und der vermeintlich intellektuellen Deutungshoheit über automobile Krankheitszustände sind wir in vielerlei Hinsicht ja auch nicht besser, oder? 😉

Kleiner Ansporn für Designfighter…

Entgleiste Gesichtszüge gab es dann bei Ayrton, als er plötzlich Erwachsenen-Adoptionsphantasien entwickelte: Felix führte uns an die Box seines Vaters. Dort erwartete uns ein Meisterstückchen der besonderen Art. Zum einen stand dort ein Vorkriegsmaserati mit neu gegossenem Motor, zum anderen ein Ex-CanAm Lola-Rennwagen. Welch ein Fuhrpark! Wir haben ein paar Bilder gemacht, leider ist vor lauter Aufregung meine Knipse ohnmächtig geworden, so dass das Handy einspringen musste.

Ein Blick, der alles sagt…

Nach ein paar ohrenbetäubenden Drehzahlorgien (Maschinengewehrsalven gepaart mit Presslufthammerklang und Kompressorheulen) gaben wir uns den Rest des Tages der Veranstaltung hin.

high-tech meets classic

Bei vielen netten Gesprächen bin ich dann unter anderem mal über die Motorenqualitäten der 996/997-Baureihen von Porsche aufgeklärt worden und habe danach offiziell Abstand von Kaufphantasien genommen – bis auf weiteres. Scheinbar kann man aus diesen Serien nur die Turbo/GT-Modelle uneingeschränkt empfehlen, aber hier kann Felix besser referieren, auf Wunsch.

Abgerundet haben wir den Tag in Wiesloch beim gemeinsamen Essen mit Felix, so dass wir müde und beseelt unsere ereignislose Heimfahrt  antreten konnten. Bei der Ayrton wieder tanken musste.