Ich muss zugeben, es fällt sehr schwer bei diesem Wetter einen Artikel aufzusetzen. Dass ich die letzten Wochen eigentlich ausnahmslos beruflich eingespannt war, hat man sicher an der Frequenz und Qualität meiner Artikel gemerkt – und wenn dann mal ein wenig Zeit übrig war, hat man diese hinter dem Volant oder bei anderen Aktivitäten verbracht als tippend vor der Kiste :D.

Als Zusammenfassung grandioser Wochenenden bekommt ihr hier vor allem visuell ein paar Eindrücke der vergangenen Aktivitäten. Und zwar der Reihe nach, den die Aufbereitung kostet Zeit! Letzte Woche waren u.a. Ayrton, Mitsch und ich beim ‚Jim Clark‘ Revival in Hockenheim. Dies ist eine historische Motorsportveranstaltung, in Memoriam an Jim Clark, der ersten hinter einem Lotus-Lenkrad verstorbenen Legende der F1. Gemäß des Hintergrundes ist für solch ein Event natürlich auch ein extra-Markenareal vorgesehen und die Menge an Boliden aus Maranello war dementsprechend angemessen gering.

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Dafür geradezu inflationär die Menge an Loti (ähem, Lotussen), sogar Esprit gab es im Dutzend. Bei der Gelegenheit traf ich mein ‚Schwesterfahrzeug‘, ein bis auf wenige Details zu meinem identisches Fahrzeug, welches zur gleichen Zeit wie meines zum Verkauf stand.

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Das ist um so erstaunlicher, als das die Farbe und Modellserie S4 nun wirklich nicht häufig vertreten sind, auch nicht weltweit. Es sollen nur wenige Hundert insgesamt sein. Ich wollte unbedingt einen 2.2L, das Schwestermodell hat 2.0L Hubraum.

Rechts daneben übrigens noch 2 grüne Esprit (metallic), allerdings V8.

Vor dem Zugang zum Markenareal sprang mich ein Fotomotiv an, das mich schon lange im Geiste verfolgt hat: Der direkte Vergleich eines Ferrari 348 zum Lotus Esprit S4. Augenhöhe, Schlagdistanz, direkte Konkurrenz.

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Sehr deutlich fallen die Ähnlichkeiten in den Proportionen auf, wie zwei Variationen eines Gerichts, von verschiedenen Meisterköchen kredenzt, hier der rote Teller, dort der Grüne. Herr Horrmann, entscheiden Sie!  Entschuldigt bitte die Bandenwerbung, darauf hatte ich nun wirklich keinen Einfluss… :mrgreen:

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Sicher, es gibt auch dramatische Unterschiede, zum Beispiel in der Motorisierung und Verarbeitung (hüstel).

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Beide wissen durch formal-ästhetische Leckerbissen zu verzaubern, hier ein wenig mehr Eleganz, dort ein quent Sportlichkeit. Beide tragen an bestimmten Stellen ‚dicker‘ auf, um an anderen Stellen wieder Zurückhaltung zu üben. LEIDER konnte ich keinen wirklichen ‚Vergleichstest‘ anstellen, denn der Besitzer wartete, so wie ich, nur auf sein Ticket und hatte sicher besseres zu tun, als sich mit einem „englischen Garagistenfahrer“ zu ‚messen‘. Schön wäre es trotzdem. Vielleicht liest ja ein Ferrari 348-Fahrer diesen Blog und hat mal Lust auf einen schönen Artikel mit Bildern und einem historischen ‚Vergleichstest‘.

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Nicht um ein ‚besser‘ oder ’schneller‘ herauszufinden, sondern in der jeweiligen Kunst des Produkts und seiner Feinheiten zwei Philosophien zu erleben, die beide zum Erfolg führten. Zumindest Ideell, denn ich meine der „Fezza“ war wirtschaftlich gesehen ein wesentlich größerer Erfolg. 8 Zylinder stechen 4 eben aus, Fahrleistungen des Lotus und Senna-Formel-1 Pedigree hin- oder her. Und: Man muss einfach sagen – ein Ferrari strahlt doch eine ganz eigene Aura aus, der man sich als (halbwegs) benzinbegeisterter Mensch kaum entziehen kann. Dies gilt insbesondere für die letzten Modelle der ‚eleganten‘ Ära der 8-Zylinder von Ferrari, also bis zum F355.

Hierzu empfehlen wir folgendes:

Ich ‚verstehe‘ den Mythos und die Faszination Ferrari, auch wenn es kein Auto für mich wäre. Zu auffällig, zu direkt ‚in your face‘ steht er da. Unmißverständlich, rot, „porno“ :mrgreen: . Der Lotus hingegen wird immer auch ein wenig Brite bleiben und bei aller Sportlichkeit eine gewisse Lässigkeit und Understatement mitbringen.

Dass das bei manchen Besitzern von englischen Fahrzeugen trotzdem zu seltsamen Stilblüten führen kann sieht man besonders gut an diesem Beispiel. Ein Pärchen, sie scheinbar Kosmetikerin (?), er offensichtlich gern im Fitnessstudio unterwegs – war mal „auf Sylt“ (na klar, Sansibar) und möchten das auch entsprechend dokumentieren. Eigentlich handelt es sich bei dem Fahrzeug ja auch um die „Sansibar-Edition“, unschwer zu erkennen am Branding noch vor dem Logo. Die Leopardenfell-Folie war da quasi nur das geschmackliche Krönchen zu den grünen Wimpern der Fahrerin, als Kontrast zu Klebenägeln und der MCM-(Kopie?) auf der Motorhaube. Schwamm drüber.

Danke, Philipp (ein netter Kerl, den wir kennenlernten), übrigens für das schnelle Knipsen aus der Deckung. Ich hatte ehrlich gesagt Angst, von Vin Diesel auf die 12 zu bekommen, wenn ich mich demonstrativ vor beide gestellt und leicht wahnsinnig lachend den Auslöser zu bedienen versucht hätte.

Ja, ich weiß, wir sind gemein. Aber es ging nicht anders…

Weiterhin amüsant waren die parallel zur Veranstaltung stattfindenden Fahrsicherheitstrainings, die so manch unfreiwillige Komik entwickeln. Aber hierbei sollte ich mich lieber bedeckt halten, denn meine eigenen Fahrkünste sind auch nicht die besten. Trotzdem einige Lacher dabei. Leider habe ich die Dreher nicht fotografiert.

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Ansonsten das „Übliche“, viele schöne alte Autos, ein paar alte Rennserien, Dreher, Lärm, Benzingeruch. Viele reiche, alte Männer mit Freizeit, die sie auf Rennstrecken verbringen. Seht selbst, Bilder anbei in der Galerie.

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