Da durch meine geringfügige Indeskretion in Felix Rentnergeschichte der vielfache Wunsch nach einem Artikel zu o.g. Fahrzeug ausgelöst wurde, möchte ich dem nun hiermit nachkommen, um meinen drohenden Ausschluss aus dieser Gemeinde abzuwenden.

1. Ein paar Dinge vorweg, quasi der Gruß aus der Küche

Meine kleine Geheimniskrämerei hatte mehrere Gründe:

a. Ich habe das Auto letztes Jahr gekauft. In dem besagten Jahr habe ich meinen Sohn bekommen, angefangen ein Haus zu bauen (also privat jetzt) und habe gesundheitlich, sagen wir mal, gehörig eins zwischen die Hörner bekommen. Sprich: Das letzte, an was ich gedacht habe war irgendwelche Bilder hochzuladen und Storys im Netz über diese Karre zum Besten zu geben.

b. Wegen des oben erwähnten Hauses und dem kleinen Hellmchen war meine BH gelinde gesagt nicht gerade amused, auf einmal einen Kaufvertrag und einen Fahrzeugbrief in meinem Nachttisch zu entdecken, von dem ich vorher nichts erzählt hatte. Dadurch wurde nun ein Punkt zu den unter a. ergänzt: Meine erste Ehekrise (im Ernst, das war gar nicht witzig).

c. Ich hatte auch erstmal keinen Bock auf Ayrtons Kommentare mit südeuropäischen Sackrasieren, Spagettifressern und den ganzen Quatsch 🙂

d. Weil ich zwar natürlich zu meinen Taten stehe, aber auf jeden Fall auf Kommentare aus meinem direkten Umfeld hier verzichten kann, zumindest bis dieses Verflixte Haus fertig ist, möchte ich vorerst nicht, dass irgendwelche Links oder Bilder herumfliegen. Wohlmöglich noch auf Facebook & Co.

Daher und deshalb das Ganze. D.C. bitte setze auch deshalb diesen Artikel privat und verlinke ihn bis auf weiteres nicht. Wir reden hier zwar tatsächlich nur über ein beknacktes Auto. Aber es ist doch so: Wenn ich mir einen VW oder BMW für das gleiche oder mehr Geld gekauft hätte, würde es niemanden kratzen. Aber hier denkt die Allgemeinheit auf einmal sonstwas.

2. Die Vorgeschichte

Ihr wisst, dass ich mit dem 300ZX eigentlich wirklich glücklich bin, seitdem ich die Technik im Griff habe. Das Auto ist schnell genug, hat Charakter, viel Platz, der perfekte GT für mich. Aber Ihr wisst ja wie das ist, sobald man das eine hat, denkt man an das nächste. Folgende Dinge fehlten mir immer ein bisschen:
– Drama: Das Hauptargument für ein weiteres Auto war ehrlich und tatsächlich der Sound. Ihr kennt die Videos. Der Z klingt ordentlich, aber wenn man Leidenschaft will, darf man nicht nach Japan gucken.
– Diva: Ich habe (ok nicht ganz) japanische Großserientechnik. Ausgefeilt und verlässlich aber nicht gerade filigran. Ich wollte mehr Schrulligkeit, Einzigartiges, Verrücktheit.
-Sportlichkeit: Ein GT ist toll, aber ich wollte einen kleinen Sportwagen, bei dem ich gerade nicht das Gepäck für einen 3 Wochen-Skiurlaub mitschleppen kann. Einen, der mit passt wie ein Turnschuh. Und vorallem einen mit Mittelmotor.
– Exklusivität: Natürlich ist da auch der Prestigefaktor. Ich würde lügen, wenn ich es leugnen würde.
Kurz und knapp: Ich würde den Z nie verkaufen, aber wollte mich auch woanders umgucken.

3. Die Fahrzeugwahl

Nachdem ich also Monatelang mit den oben genannten Eckdaten schwanger gegangen war, schaute ich mir den Markt an. Ein deutscher Hersteller kam nicht in Frage (Diva und Drama). USA auch nicht (Sportlichkeit). Und es gibt Leute, die passen in einen Lotus wie der sprichwörtliche Hintern auf den Eimer, aber irgendwie hat meine Rückseite eine andere Form. Also Italien. Lambo fällt aus Liquiditätsgründen flach (siehe Haus und kleiner Hellmchen) also ist der nächste Schritt schnell klar.
Da wir das Thema zu genüge hier hatten, fasse ich mich kurz: In Frage kommen aus Stilgründen Ferraris bis maximal in die 90er Jahre, (fast) alles danach ist m.E. Russendesign, Dubaistyle oder sonstwas. Das bedeutet: 308, 328, 348, 355 und natürlich der Testarossa.
Kurzum, nach einiger Lektüre konnte ich die ersten drei ausschliessen, der Style passt zwar, aber ich wollte auch etwas, was fahrleistungsmäßig auch nach heutigen Maßstäben noch als sportlich gelten darf.
Der Testa ist, wie die meisten hier wissen, mein alltime favourit-Fezza. Es ist einfach die geilste Form überhaupt und der Motor ist einfach…Ihr wisst schon. Leider war er im Herbst letzten Jahres auch bereits im Limitbereich meines Budgets. Kein Grund, sich nicht einmal einen anzuschauen. Allein diese Story würde schon 2 Artikel füllen. Daher nur soviel: Der erste war günstig aber zu schlecht, den zweiten kaufte mir ein anderer vor der Nase weg. Man stelle sich vor: Noch vor 8 Monaten wurden Testarossas für unter 40.000 € angeboten. Schaut mal heute auf mobile! Hinzu kommt, dass der Testa bei aller Geilheit ein vergleichsweise behäbiger GT ist und man beim Fahren deutlich das Alter dieser Autos spürt.
Nach vielem hin und her also die Entscheidung, der F355 erfüllt meinen Katalog. Ich wollte ein Fahrzeug, das vorallem technisch in Ordnung ist, ein paar optische Mängel und vielleicht einen Service nötig hat. So kann die Möglichkeiten mit der Werkstatt im Rücken voll nutzen. Und rot sollte er auch nicht unbedingt sein und auf jeden Fall ein berlinetta. Nachdem auch hier wieder ein zwei Autos quasi nach Tagen vor meiner Nase weggekauft wurden, fand ich einen. Haken: In Pforzheim!

4. Der Kauf

Da Pforzheim nicht gerade vor Hellmchens Tür ist und man sowas sowieso nicht alleine machen sollte, nahm ich mir unseren geschätzten D.C als Komplizen und zog mit Nissan Pathfinder und Trailer gen Süden (Dabei immer schön der BH nichts von den eigentlichen Absichten erzählt).

Auftritt Verkäufer: Doppelgarage, Cayenne, 911er, Golf, ein oranges Bonanzarad und der silberne F355 berlinetta. Der Typ so mittleren Alters, sehr freundlich, etwas durcheinander, Jeans, Jacket, Einstecktuch.

Leider hatten wir schlechtes Autokaufwetter, es regnete zunächst und wir schauten uns das Ding in der Garage an. „Ich habe das Auto quasi als Alltagsauto bewegt, nicht besonders gepflegt, aber normal gewartet.“ Aha. Aber glaubwürdig. Das Auto schien nicht vernachlässigt, aber sauber war es innen und außen nicht. Ein paar Lackkratzer, Krümel auf den Teppichen.

Dann der erste Lacher: D.C. hatte mir fast die gesamte Hinfahrt sein Leid mit der Bremsanlage des Lotus Esprit geklagt. Hellmchen macht die erste Klappe unter dem Kofferaumdeckel auf und was glänzt uns an? Exakt der gleiche Druckspeicher wie im Esprit! Schallendes Gelächter bei den Käufern, Fragezeichen beim Verkäufer. Ansonsten alles da: Lederköfferchen mit Werkzeug, 8 Zylinder, die ältere Version der Einspritzanlage (Boschtronic 2,7, hat Leistungstechnisch den besseren Ruf), den tyischen Klebeschmand im Innenraum (alle Ferraris lösen sich innen nach ein paar Jahren auf, weil die Pizzabäcker irgendsoeine schlechte Kunsstoffbeschichtung verwenden). Letzte Wartung war schon 4 Jahre her.

So weit, so gut. Probefahrt. Leider nur sehr eingeschränkt möglich, keine Zulassung, keine rote Nummer. Erster Eindruck: Motor läuft, Getriebe schaltet sich sauber. Kein Vergleich zum Testa. Ein modernes Auto. Leicht zu fahren. Wir überprüften noch sämtliche Elektrischen Funktionen, aber da war nichts zu holen. Gut.

Nach kurzer interner Beratung beschloss ich trotz einiger Todsünden des Verkäufers (KM Stand nicht wie in der Anzeige, fehlendes Checkheft…) noch etwas runterzuhandeln und es trotz allem zu tun.

Nachdem ich also mit feuchten Händen meine Ersparnisse auf den Marmortisch gelegt und wir uns nach einiger Plauderei verabschiedet hatten, luden wir Hornhochsen das Teil erstmal verkehrt herum auf den Anhänger. Natürlich nicht ohne das obligatorische Trophäenfoto zu schiessen. Der schwere Motor war hinten und er Anhänger war vorne viel zu leicht.

So zuckelten wir Richtung Heimat.

Später schoben wir an einer Tanke das Auto noch etwas weiter nach vorn auf dem Anhänger. Die Straßenlage war einfach beschissen.

5. Die große Wartung

Nachdem ich mich von diesem Abenteuer erholt hatte (an dieser Stelle nochmals tausend Dank an D.C.), machte ich mir eine Liste der zu erledigenden Dinge, bzw. der zu erwerbenden Ersatzteile:

-Zahnriemenwechsel
-Alle Flüssigkeiten und Riemen
-Wasserpumpe
-Kerzen
-Sonstige Verschleißteile

Naja, und nach ein paar Monaten in der Reifenhalle hinterm Autohaus konnte es dann endlich losgehen.

Von wegen.
Nein, der Wagen war nicht zu breit oder zu flach. Die Wagenheberaufnahmen sind einfach zu eng bei einander, so dass keine von unseren Bühnen ihn sicher tragen konnte, obwohl wir 4 verschiedene, insgesamt 6 haben. Der gesamte Unterboden ist voll verkleidet, so dass man sich auch schlecht einen anderen Punkt suchen kann. Die Grube kam auch nicht in Betracht, da der Motor samt Fahrwerk hinten rausmuss. Meine ersten Versuche, selbst etwas zu basteln, um es passend zu machen, erstickte der Meister (zum Glück ) dann im Keim. Zu gefährlich. Also blieb mir nur, ein paar spezielle Hebebühnenarme aus dem Schwabenland zu ordern. Kostenpunkt: 500€. Lieferzeit: 6 Wochen. Fantastisch. Geht ja gut los.

In der Zwischenzeit konnte ich mich aber schon einmal um das Cockpit kümmern. Ich demontierte sämtliche klebrigen Plastikteile, die wirklich von unfassbar schlechter Qualität sind, machte die Schmacke mit Bremsen- und Motorreiniger ab und lackierte neu mit Ralleymattschwarz. Die filigranen und nicht selber zu machenden Sachen schickte ich nach USA zu StickynoMore. Ein super Laden, nicht billig aber tolle Arbeit. Die Mittelkonsole war danach wie neu.

Seit dem die Hebebühnenarme endlich da sind, läuft es dank Frank dem Meister auch Motortechnisch wie geschmiert.

Der Motor war schnell draussen. Nun warten wir noch auf die Lieferung der Wasserpumpe und einer Achsmanschette und wenn Frank bis dahin keinen Gedächtnisschwund erleidet, bekommen wir das Teil auch wieder zusammen.

Hier die restlichen Bilder. Fortsetzung folgt!