Liebe Freunde der öligen Pranken und anderer Schraubergenüsse,

hier eine kurze Meldung aus meinem bevorzugten Aufentaltsort der letzten Tage.

Zwischenmenschliche Beziehungen lassen sich ja immer wieder gut in allen Facetten mit der Beziehung zwischen Mann und Auto vergleichen.
Die hier beschriebene Form soll der Liebe zwischen einem bodenständigen aber doch anspruchsvollen Herren und einer schönen, noch anspruchsvolleren aber dafür aufregenden Dame entsprechen: Solange es funktioniert, schwärmt der Fahrer, äh, Liebhaber von einer äußerst anregenden und leidenschaftlichen Liason.
Doch sobald die Diva wegen irgendwelcher Lapalien in anfänglich subtiler Art Ihren Unmut zu äußern beginnt und dann auch noch das Zicken anfängt, findet er sich in einem Zustand völliger Überforderung wieder.

Um es kurz zu machen und nicht zu sehr ins philosophische abzudriften: So geht es mir zur Zeit.
So faszinierend ein fernöstlicher Exot mit einem fantastischen TwinTurbo Triebwerk, aufwendiger Technik und toller Linie auch sein mag, wehe es geht etwas kaputt!

Nachdem ich vor einigen Wochen nach unserem Treffen die ausgeleierten Fahrwerksbuchsen getauscht hatte und endlich mal richtig um die Ecken bügeln konnte, fiel mir irgendwann auf, dass das Heck meiner Diva nach jeder Wäsche immer recht schnell wieder seltsam schwarz gesprenkelt war (siehe oben, subtile Unmutsbekundungen).

Fahrwerksbuchse Nissan 300ZX TT

Völlig verschlissene Buchse

Nissan 300ZX TT Fahrwerksbuchse

Neu eingebaute ‚Tension Rod‘

Irgendwie lief er auch etwas „müde“ und der Spritverbrauch war auch leicht erhöht.
Der Sache wollte ich auf den Grund gehen, schloss das Not-Buch mit der supertollen Diagnose-Software des neuen Chips an und zeichnete einige Testfahrten auf.
Beim Auslesen daheim sah ich alarmierendes: Wie vermutet lief der Wagen viel zu fett und bei 5000 Umdr. Und 0,9 Bar Ladedruck kamen die Einspritzdüsen an die Grenze ihrer Fördermenge. (Sie sollten eigentlich mit max. 85% laufen, damit im Falle eines Problems wie Klingeln oder dergl. die ECU zur Sicherheit noch anfetten kann).

Maßnahme 1.: Ladedruck auf 0,4 Bar runterdrehen, mit max. 3000 Umdr. fahren (naja, nicht ganz)
Maßnahme 2. : Log-Datei zum Experten schicken, Foren durchsuchen und nachdenken.

Ergebnis: Es gibt ca. 20 Fehlermöglichkeiten, die wahrscheinlichste ist eine Undichtigkeit im Drucksystem. Auf dem Weg zwischen Luftmassenmesser und Drosselklappen geht ab Turbo irgendwo Luft verloren, dadurch stimmt das Verhältnis von Luft zu Sprit nicht mehr. Die Lambdaregelung erkennt, dass was nicht stimmt und die ECU fettet zum Motorschutz sogar noch etwas mehr an. Super.

Also rauf auf die Bühne.
Um es kurz zu machen: Es gibt geschätzte 2000 Stellen, wo das System undicht sein kann. Der Wagen hat ja zwei komplett eigenständige Systeme: 2 Turbos, 2 Ladeluftkühler, 2x tausend Meter Rohr mit zig Unterdruck-Abzweigungen und nochmal so vielen Schlauchschellen. Alle erreichbaren Schellen habe ich erst mal angezogen, nichts auffälliges.
Doch das sind in dieser Schlangengrube nur 50% .Alle anderen Verbindungen sind aufgrund der beengten Verhältnisse unerreichbar im Motorraum versteckt.

Als fauler Halbingenieur hatte ich keine Lust, den Motor auszubauen nur um Schellen zu erreichen, die dann sowieso nicht die Ursache sind.

Wo hilft man sich? Baumarkt. Ein 75er PVC-Rohr aus dem Sanitärbedarf, etwas 2 Komponentenkleister und ein Fahrradventil später hatte ich ein dolles „Messgerät“ gebastelt.

Nissan 300ZX TT

‚Luftleck-Suchgerät‘ a`la Hellmchen

Diese Apparatur flanschte ich vorne anstelle des Luftfilterkastens luftdicht an das System und beaufschlagte so das ganze per Kompressor mit 1,5 Bar Druckluft ( Die irrsinnige Fummelei der dafür erforderlichen Demontage des LMM‘s lasse ich hier beiseite).
Motto: Da wo’s pfeift und zischt ist’s undicht.

Na klar, ganz unten rechts Anschluss Druckrohr. Erleichtert einerseits, dass ich anscheinend wirklich den Fehler gefunden hatte, stellte ich andererseits fest: Anscheinend hat vorher jemand bei ausgebautem Motor oder Turbo ( oder Auto) die dortige Schelle falsch angeschraubt (Vergleich mit der linken Seite), so dass sie nun unerreichbar ist. Der Motorraum ist derart eng und mit zig Aggregaten teilweise mystischer Funktionen vollgestopft, dass selbst mit biegsamer Welle und Verlängerung an ein in die Nähe kommen der Verschraubung nicht zu denken war.

Nissan 300ZX TT Motorraum

Na, wo isser denn?

Ende vom Lied: Wochenende war rum, Hellmchen schraubt aus Frust erst mal das V2A- X-Pipe drunter :mrgreen:

Nissan 300ZX TT von unten

X-Pipe

Nun ist die Edelstahlanlage komplett, die Vorschalldämpfer sind raus und aus der Fairlady ist endgültig eine zornige, brüllende, rußspeiende Sau geworden!

Nächstes Wochenende geht es weiter, mit Unterstützung vom Meister, solange ist Standzeit.
Mittlerweile habe ich herausgefunden, dass man mein „Messgerät“ für horrendes Geld in den USA bestellen kann…

NISSAN
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