In den letzten Tagen wurde der neue Jaguar F-Type veröffentlicht, im Rahmen des Pariser Autosalons. Wie ihr alle wisst, bin ich ein großer Engländer-Fan, daher schlägt mein Herz auch für Jaguar. Ich hatte zwischenzeitlich auch schon vor, mir einen XK8/XKR zuzulegen, allerdings wurde das Vorhaben aus Vernunftgründen wieder fallen gelassen – kein Mensch braucht 2 mehr oder weniger unpraktische Autos.

Ihr kennt ja alle die damals für Furore sorgende Studie eines potentiellen Boxster-Rivalen, die leider nie auf den Markt kam. Sie stand im Original längere Zeit im Test-Zentrum von Jaguar am Nürburgring, wo auch dieses Foto entstand:

Jaguar Prototyp

Schade, dass er nicht gebaut wurde

Viele Fans von Jaguar haben zu dieser Zeit große Hoffnungen auf eine Serienentwicklung dieses Autos gesetzt, würde es doch eine sehr spannende und vor allem stilvolle Alternative zu Boxster und Co. bieten. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie so ein kleiner Jaguar auf der Straße ausgesehen hätte – ein Traum!

Seit dieser Zeit sind einige Jahre ins Land gezogen und nach vermehrt auftauchenden Erlkönig-Bildern und Berichten ist jetzt klar: Jaguar hat nun doch eine Baureihe unterhalb des XK8 entwickelt!

Betrachtet man die Historie der Modellentwicklung bei Jaguar, so fällt gleich ein logischer Bruch auf. Denn direkter Nachfolger des bis in die frühen 70er Jahre hinein gebauten, legendären E-Type war der XJS, dem dann viel später der XK8 Ende des Jahrtausends folgte.

Hierzu empfehlen wir folgende Literatur:

Während der XJS seines Zeichens einen enorm hohen Anspruch an die Innovationsfreude und Designentwicklung bei Jaguar mit an den Tisch brachte – und dadurch allein rein optisch schon nichts mehr mit dem E-Type zu tun hatte – machte der erste XK8 eine (selten gelungene!) Rolle rückwärts und zitierte den E-Type in formvollendeter Art.

Die zweite Serie des XK8 ist derzeit noch aktuell und entfernt sich wieder von der Urform des E-Type. Dennoch – und hier schließe ich den Bogen zum erwähnten, logischen Bruch: EIGENTLICH sind diese Coupes die legitimen Nachfolger in der Modellpalette.

Meiner ganz persönlichen Meinung nach hat Jaguar damals mit dem XJS und XK8 nur einen großen Fehler gemacht: Die Autos sind zu weich, zu groß, in einem Wort: Limousinengleich. Vielleicht hießen XJS und XK8 ja auch deshalb nicht schon F-Type und G-Type…?

Denn wir alle wissen: Der E-Type entstand als reinrassiger Sportwagen und errang als solcher auch bemerkenswerte Erfolge.

Vielleicht um dieser Abgrenzung zu den Komfort-Sportcoupes XK8 & XKR zu erreichen, will man nun die nomenklatorische Reminiszenz einläuten, um aus PR-Gründen die direkte Positionierung als Sportwagen zu erreichen?

Das Dilemma an solchen Stunts ist leider immer das gleiche: Wer A sagt, muss auch B sagen – und das bedeutet ‚liefern‘. Der F-Type muss sich also jetzt die riesigen Fußstapfen des E-Type genau anschauen und voller Selbstbewusstsein röhren: Ja, ich sehe auch legendär aus und überrasche wie damals mein Publikum mit Sexappeal, Fahrleistungen und hinreißendem Klang. Ich werde auch Rennen bestreiten und mich auf mein Sportwagen-Dasein konzentrieren, für alles andere gibt es andere Modelle.

Und wie sieht nun die Realität aus? Nach von mir immer öfter festgestellter, gefühlter Diskrepanz der Wahrnehmung zwischen Bildmaterial und realem Fahrzeug, möchte ich dem Design des F-Type eine zweite Chance geben – bei einem Live-Check. Dieser Satz drückt aber auch recht plastisch meine Meinung zum Ersteindruck aus, denke ich.

Jaguar F-Type Lana Del Rey

©jaguarcarsmena @ Flickr.com

Das Design-Schlachtfest überlasse ich jetzt gerne euch. Hier die vollständige Galerie.

Technisch und Leistungsmäßig soll der F-Type unterhalb der XK-Serien stehen und die Lücke zwischen Boxster und 911er treffen – sofern es denn da eine gibt. Ich sehe keine. Leistung satt verspricht sicher der V8, auch wenn ich persönlich den Sechszylinder mit Kompressor interessanter finde. V6-Motoren sind aber eigentlich nicht meine Welt – ein Reihensechser wäre natürlich angemessener. Diese Zeiten sind aber scheinbar genau so vorbei, wie die Verwendung eines anständigen Schaltgetriebes. Stattdessen serviert Jaguar eine 8-Gang Automatik. Für einen ‚echten‘ Sportwagen zumindest ‚fragwürdig‘. Dafür bekommt man ‚Ventilkappen mit Jaguar-Logo‘. 🙄

Aber seht selbst: Hier kann man sich einen F-Type konfigurieren.