In diesen Tagen wird in Genf allerlei neues für den Automobilmarkt präsentiert. Unter den Neuheiten befindet sich ein Auto, dessen Vermarktung ich aus beruflichen Gründen in Teilaspekten mitbetreuen durfte. Die neue A-Klasse.

© Daimler AG

Normalerweise kein Thema für uns, ich weiß. Trotzdem will ich etwas dazu sagen.

Ich habe Ayrton vorab gesagt: Das wird ein Knaller. Mir war bewusst, dass die Ansprüche der Designer sich oftmals nicht mit der harten Wirklichkeit der Produktions- und Kostenzwänge vereinen lassen. So haben viele Hersteller schon oft erfahren müssen, dass die Studie ein Knaller war und die resultierende Serienproduktion ein Designflop. Oder sagen wir: Kastriert bis zur Bedeutungslosigkeit.

Ähnliches habe ich bei der A-Klasse befürchtet. Warum? Weil der neue Entwurf für die A-Klasse (a class concept) wirklich nichts mehr mit dem Rentnermobil der Jahrtausendwende zu tun haben sollte. Es kursiert ein Gerücht, wonach erst durch Vorstandssitzungen das (Mercedes-)Logo im Lenkrad ‚hereingezwungen‘ wurde, soweit ging die Freiheit der Designer. Angeblich.

Das Auto ist zielgruppenmäßig komplett neu fokussiert, nämlich auf die jungen Erwachsenen (woher die die Kohle nehmen sollen ist ein anderes Thema, aber sei’s drum, Leasing ist für alle da…). Das war die alte A-Klasse zwar auch, aber aus 2 Gründen waren Rentner die Hauptkunden:

1. Das Teil sah furchtbar aus („no-go“ für „hipster mit Geld“)
2. Der bequeme Einstieg durch die hohe Konstruktion

Während die ‚Elch-Test‘-A-Klasse mit einem Sandwich-Boden Konzept ursprünglich schon sehr weitsichtig auf einen Elektroantrieb vorbereitet war (der nie kam, wie wir wissen), und daher wegen eines zu hohen Schwerpunktes als Benzinversion kippelte (und dabei schrecklich albern aussah), ist das neue Konzept direkt als Scirocco und Mini-Gegner ausgelegt und entworfen. Sowohl optisch, als auch fahrdynamisch. Die aktuelle, neue B-Klasse ist jetzt für die Rentner gedacht.

Soviel der Vorrede. Jetzt also Butter bei die Fische: Ich finde, das „a class concept“ sehr gelungen. Es hätte wirklich funktionieren können.

© Daimler AG

Und dann lese ich heute, direkt nach der ‚Enthüllung‘ einen Artikel im Handelsblatt (derzeit sogar der Aufmacher auf der Startseite!) und sehe mir das End-Ergebnis zum Thema A-Klasse an. Ich muss sagen, mal wieder sind Ansprüche und Visionen jäh der hässlichen Fratze marktwirtschaftlicher Zwänge anheim gefallen. Hier ist noch eine Galerie.

Sicher, das Auto ist gefällig und wird vielleicht ein toller Erfolg. Aber es ist doch nur eine Kreuzung aus Scirocco, 1er und Citroen DS3. Anstatt vorauszugehen und Mercedes aus der Design-Sackgasse zu holen, hatte man Angst vor der eigenen Courage und fiel um.

Mir ist klar, dass die Außenspiegel der Studie so nicht funktionieren. Auch die allzu niedrige Dachkante war nicht realistisch. Aber trotzdem, in der Summe der Detailanpassungen ging das radikale aber stimmige Gesamtbild ‚flöten‘.

Schade!

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