Himmel Wolken Flugzeug

Letztes Wochenende begab ich mich wieder einmal auf eine Reise in andere Sphären. Hinaus aus dem Alltagselend der vermerkelten Mövenpickrepublik, dem nörgelnden 10. eines jeden Monats (die Selbstständigen kennen das Datum) und der täglichen Spamattacken.

Hinein in das Lenor-Wohlfühl-Klima des völlig sorgenfreien und medienresistenten Bildungsbürgertums. Aufmerksame Leser wissen wer gemeint ist: Ich habe mal wieder den Menschen besucht, den ich (mit Ausnahme meiner Eltern) am längsten kenne! Meinen lieben Freund P.

Grund der Reise: Eine Flugschau in Friedrichshafen. Also rein in den englischen Brit-O-Plast-Faserverbund und rauf auf die A61. Glücklicherweise begrüßte mich der Asphalt mit einer bestürzenden Trockenheit, so dass ich auch meine Reifen auf sinnvolle Arbeitstemperaturen bringen konnte. Die winterlichen Wartungsarbeiten am Fahrzeug konnten auf diese Weise angemessen „durchgetestet“ werden und der kürzlich erfolgte Ölwechsel bestärkte mich in meiner Absicht auch mal wieder höhere Drehzahlen anzugreifen.

Da ich mir über den wirklichen Zustand meines Zahnriemens (nach gut 3 Jahren im Auto) nicht so wirklich sicher bin, habe ich auf wildes Ausdrehen der Gänge verzichtet und dies auf die nächste Saison verschoben (da ist nämlich der neue Zahnriemen eingeplant). Max. 5500 UpM und Volllast nur wenn es unbedingt sein muss, war die Devise. Dass das im Zweifelsfall völliger Blödsinn und reine Astrologie ist, weiß ich auch… aber irgendwie muss man ja sein Gewissen beruhigen…. *räusper*.

Nach einer eher ereignislosen Fahrt mit ein paar neuen Kerben im Lenkrad (zum Beispiel wollte es ein blauer R36 hinter einer Baustelle unbedingt wissen, hähä) trudelte ich dann in K. ein, nur um den im Vorgängerartikel vorgestellen E-Type knapp zu verpassen. Schade, hätte vielleicht ein schönes Bild ergeben. Aber der darauf folgende Tag war ja das eigentliche Highlight, also…

NATÜRLICH wurde Wert auf eine angemessene „Transportation“ zu und von der Flugschau gelegt, daher begaben wir uns morgens zum, in der Nähe liegenden, Lahr’er Flughafen.

Breitling Super Constellation

Breitling Super Constellation

Eine gestrandete Super-Constellation stand waidwund im Hangar und wurde verzweifelt saniert. Trotz des derangierten Zustands strahlte das Flugzeug eine betörende Präsenz aus. Der Betrachter fühlt sich umgehend in eine wohltuend klar sortierte Welt von „der Feind sitzt im Osten“ und „Flugbegleiterin heißt noch Stewardess“ versetzt. Der angenehme Duft von Motorenöl und leichten Flugbenzinaromen ließ sogleich das unnachahmliche Kribbeln vor einem Flug entstehen. Und da waren wir dann: Zu viert in einer Cessna!

Cessna - der Klassiker

Cessna – der Klassiker

Ein alter Hase (der Fluglehrer, zum Glück, wie sich nachher noch herausstellen sollte), 2 Anfänger und ein komplett Ahnungsloser in bester Laune: „Äh, der Gurt an deinem Platz funktioniert nicht“ „….oh, ja?….Na, ist ja auch egal, wenn was passiert, dann hilft mir der Gurt auch nicht mehr weiter, oder?“ „Genau!“ Aha.

Das Innenraumgefühl in solch einer Cessna entspricht dem einer (etwas zu) eng geschnittenen Limousine. Wenn man sich also einmal hineingesetzt hat, bleibt man sozusagen von alleine drin stecken. Immerhin sind Motor und Propeller so laut, dass man mit Sprechfunk kommuniziert, und das verpasst einem doch eine ziemliche (wenn auch eingebildete) coolness. Start und Flug waren eigentlich ziemlich ereignislos und unspektakulär. Ich habe es mir turbulenter und unruhiger vorgestellt, aber man irrt sich ja gerne in so einem Fall.

Cessna Flug

Cessna Flug (nein, ich gucke immer so…)

Um so spannender gestaltete sich dann die Landung (siehe Film). Da wir nicht die Einzigen waren, die sich zu dieser Flugschau standesgemäß hinbegeben haben, wurde der Landungsverkehr wie in den großen Flughäfen gehandhabt. Mit anderen Worten: Wir waren ein Glied in einer Kette von „Landungsaspiranten“. Das wird vor allem dann spannend, wenn ein kleines, langsames Flugzeug direkt am Anfang einer Landebahn zum stehen kommt aber von hinten eine größere Maschine schnell nachkommt und „gerne“ ausrollen würde.

*Hust* Haben wir dann auch mitbekommen. Ich hatte den Sprechfunk in dem Moment nicht auf, aber direkt nach dem ersten Aufsetzen kam wohl die hektische Aufforderung „keep flying, keep flying!“ und der ‚alte Hase‘ musste durchstarten. Nachdem die Hose dann endlich wieder trocken war, konnte man ein erleichtertes Bild nach der Landung schießen.

Cessna Erleichterung nach der Landung

Erleichterung nach der Landung

Bestes Frühlingswetter ließ einen den kleinen Schreck vergessen und auf dem Gelände stand dann allerlei interessantes. Es gab Heli-Rundflüge (die ich sicher wahrgenommen hätte, bestünde nicht die Option auf Dr. Dreh), Bratwurst und allerlei Fluggeräte zu bestaunen. Über dem Ganzen zog ein Zeppelin seine Kreise, wunderbar.

In den Hallen stapelten sich teilweise verschiedenste Fluggeräte, Teilehersteller und Dienstleister. Ein neuer Trend (Achtung: Architekten und Projektentwickler aufgepasst!) ist die Anlage von ‚Flight-Communities‘, also Dörfern, die von der Luft aus erschlossen werden. So dilettantisch, wie diese Idee vor Ort in schlechten Messeständen präsentiert wurde, rieche ich großes Potential für den ein oder anderen hier. Aber das nur am Rande.

UL Flugzeug

Ultraleichtflugzeug

Interessanterweise sind die Kosten für manche Fluggeräte nicht so hoch, wie man sich das vielleicht gemeinhin so denkt. Ein UL-Flugzeug (Ultraleicht) sieht teilweise sehr schick aus, ist recht schnell und dabei ziemlich ‚günstig‘, mit rund 100k€ neu. Die Wartungskosten dieser Dinger sind dabei recht gering, da auch die Motorisierung klein ausfällt (4-Zylinder Ottos mit z.B. 120 PS). Ähnliches gilt für die kleinen Hubschrauber.

Kleiner Hubschrauber

Kleiner Hubschrauber

Natürlich ist das auch für Normalsterbliche zu viel Geld, um eine ‚Demokratisierung‘ des individuellen Luftverkehrs einzuleiten, aber das ist vielleicht auch besser so…. Man stelle sich das Gedrängel von genervten Geschäftsreisenden und „Sonntagsfahrer“ am Himmel vor.

Messehostess Flugschau Friedrichshafen

Schicke Schuhe!

Die ein oder andere schicke Messehostess gab es auch, wenn auch sehr selten. Komisch eigentlich. Überhaupt: Ich hätte da andere Klientel erwartet. Mehr „Neureiche“ und „Angeber“. Aber seltsamerweise sah das Publikum nicht danach aus, zumindest größtenteils nicht.

Aero Friedrichshafen Mang

Lokale Prominzenz beim Probesitzen…

Prominenz gab es hie und da auch, aber ich habe nicht danach gesucht, das Bild ist ein Schnappschuss.

Eurocopter Bundespolizei

Ein Hubi der Bundespolizei!

In der Heli-Ecke auch DAS Bild für einen unserer Fuelbrother, mit freundlichen Grüßen an Dreh!

Ultraleichtflugzeug

UL aus Plaste und Elaste…

‚Den Lotus der Lüfte‘ gab es auch, wild zusammengeleimt und überhaupt nicht vertrauenerweckend präsentierte sich so manches Gefährt sehr unkonventionell und abenteuerlich.

Flugmotor: V12 Diesel

V12 Diesel: Geht auch im Flieger!

Der Dieseltrend hält auch im Flugverkehr Einzug. Faszination über so viel Carbon und Schönheit bei einem schnöden Antriebskonzept.

So, und jetzt zu dem Teil mit den echten Männerspielzeugen. Die Kinderbastelstunde der UL’s ist ja nicht ernstzunehmen. In jedem Fall hat jeder Mann einen Traum. Der eine ist erreichbar, der andere weniger. Alles eine Frage der Perspektiven (ähm, also damit ist der Kontostand gemeint).

Aero Friedrichshafen

Unerreichbar: Die Jet-Klasse im 2-stelligen Millionenbereich

Da die Jet-Region für alle anwesenden eine Klasse ZU hoch angesetzt ist (gerne in 2-stelligen Mio.-Bereichen), konzentrierte sich der Fokus auf die „Piper Meridian“, ein 1.7 Millionen US-Dollar günstiger Turboprop-Luxusliner für 6 Personen. Leder (hatter!), Klima (hatter!), Überdruckkabine (hatter alles, harhar!). Sozusagen der S80-Volvo unter den Privatflugzeugen.

Aero Friedrichshafen Piper Meridian

Piper Meridian: Die obere Mittelklasse der Privatflugzeuge

Da mein bester Freund P. seinen Flugschein gerade erst bestanden hat und die Finanzen auch bei ihm auch (noch) nicht in diesen Bereichen rotieren kann man also erstmal weiterträumen. Aber man braucht ja Ziele. Der eine spart für das Eigenheim, der andere eben für eine Meridian.

Beseelt von diesen Eindrücken begrüßte uns dann nach einer fliegerischen Glanzleistung, die durch ihre Perfektion fast schon langweilig schien (vielen Dank P.!) im Hangar ein sehr leckeres Paar Highheels mit entsprechenden Fußfesseln unter einem Flugzeugrumpf. Die Neugier und das Geklapper der Schuhe haben mich dann so wahnsinnig gemacht, dass ich um die Maschine herumgelaufen bin und folgende, nette Situation aufnahm (sorry für die miese Kamera):

Der andere Mitreisende stellte sich übrigens auch als interessanter Vogel heraus. Nach dem Rückflug begrüßte uns seine Boden-Bodenrakete or dem Flugplatz. Ein R8! Aber scheinbar nicht irgendeiner… „…ist’n LMS..“ „äh-häh?“ „hat nen Bi-Turbo und Klappenanlage“ „Ah! Die Musi kenn‘ I!“. Dankenswerterweise ließ Mr. Rich den Wagen auch mal sein Timbre verströmen, siehe Video!

US-V8 meets „german reich“. Ich muss sagen, ein unglaublicher Wohlgenuss. Man könnte aber fast sagen, ein Tick ‚too much‘. Reißt bloß die Lautsprecher auf! Jedenfalls kam sich mein grüner Brite vor wie Weasley nackt vor dem kleinen Malfoy…

Musste Ihn dann auch erstmal trösten und bin zur Belohnung offen auf der 61 wieder Richtung Heimat, denn es hat sich kurzfristig ein neues Mini-Projekt auf den Sonntag (!) angedeutet. Schon wieder… Irgendwie kehrt sich bei mir langsam die Arbeitswoche um, aber was soll’s Hauptsache zu tun, oder?