Heute beim Mittagessen mit den Dipl. Informatikern. Es geht um Dienstwagen. Dr. Nerdson (Name vom Autor geändert) hat gerade einen neuen bestellt- mit dem „großen“ Diesel. 

Ich: „Bäh, Diesel“

Dr. N: „Wieso?“

Ich: „Dreht nicht, hört sich scheiße an“

Dr. N.: „Ist doch egal- fährt von A nach B“

Ich: „Nein, ist nicht egal, weil….ach- vergiss es“

Das restliche Mittagessen hab ich diesen Artikel im Kopf formuliert.

Es gibt nämlich immer weniger Motoren die diese Bezeichnung auch verdient haben. Klar haben die immer mehr Leistung, sind sparsamer und besser fahrbar….aber eben auch charakterfrei! Die Formel 1 ™-Bezeichnung „power unit“ trifft es da ganz gut: man tritt auf den Pin und es geht irgendwie vorwärts- ob Otto, Diesel, Elektro oder schwarze Magie? Lässt sich nicht so genau feststellen.

Spätestens mit den aktuellen Turbo-Direkteinspritzern verschwimmen die Grenzen: auf einmal nageln Otto-Motoren, die Höchstleitung liegt bei 4000/min an, das max. Drehmoment schon kurz über Standgas. Der einzige Unterschied zum Diesel ist der Geruch der Finger nach dem tanken, eine unübersehbare Beschriftung des Tankdeckels wird immer wichtiger.

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Dabei gibt es Motoren wie Skulpturen, bei denen ich mich ernsthaft frage ob die Optik des Triebwerks ein Punkt im Lastenhaft war. Wer es jetzt übertrieben findet einen Motor mit einem Kunstwerk zu vergleichen, der sollte sich mal einen Colombo-V12 in ausgebautem Zustand anschauen- am besten mit montierter Vergaseranlage und Fächerkrümmern: zum niederknien! Oder drei Nummern kleiner, den OSCA-Vierzylinder der –als Rennmotor von den Maserati Brüdern entwickelt- dann später den Fiat 1500S antrieb. Ein MGA twin-cam oder der Aston Martin 6-Zylinder von Tadek Marek spielen in derselben Liga: ich könnte gar nicht oft genug nach dem Öl schauen oder irgend eine andere Ausrede finden um die Motorhaube zu öffnen!

Der Colombo V12. „Ferrari212 motor“ by Softeis – Own work. Licensed under Creative Commons Attribution 2.5 via Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ferrari212_motor.JPG#mediaviewer/File:Ferrari212_motor.JPG

Tadek Marek´s R6 für Aston Martin. „Aston Martin DB4 Series 1 engine“ by Stephen Foskett (Wikipedia User: sfoskett) – 2006 Bay State Antique Automobile Club show. Licensed under Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 via Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Aston_Martin_DB4_Series_1_engine.JPG#mediaviewer/File:Aston_Martin_DB4_Series_1_engine.JPG

Und jetzt? 12-Zylinder sterben aus- in 5 Jahren werden vermutlich auch Aston Martin, Lamborghini und Ferrari flächendeckend auf Turbo-V8 umgestellt haben, während die Turbo-V8 bei BMW und Mercedes bis dahin vermutlich doppelt aufgeladenen 6-Zylindern gewichen sind- in den Top-Modellen. Selbst Porsche stellt ab dem Facelift des 991 komplett auf turbo-Technik um, und ja: es kommt auch ein 4-Zylinder, der sich langsam über Boxster und Cayman einschleicht, und früher oder später dann auch den 911 antreiben wird.

Drehvermögen, Ansprechverhalten, Sound? Das Marketing wird´s schon richten, und auf die lange Geschichte des 4-Zylinders bei Porsche hinweisen. Das BMW-Marketing hat hier schon vorgelegt, bezeichnet den neuen 3-Zylinder (m.E. ein Irrweg der Motorenentwicklung) als „charaterstarken, halbierten Sechszylinder“.

Was das für uns bedeutet? Die Motoren werden immer gleichförmiger und künstlicher. Leistungsabgabe und Sound sind nur noch programmierbare Variablen, die Charakteristik der Motoren geht völlig flöten. Ebenso die Geräuschkulisse die Exoten erzeugt haben: der trommelnde Ansaugsound eines Alfa V6, das Gurgeln und Fauchen eines 6-Zylinder Boxers oder das helle Kreischen eines M5 mit V10. Unverwechselbare Merkmale ganz spezieller Motorkonzepte.

Was an Geräusch noch übrig bleibt wird vom Turbo gedämpft und bleibt dann als- je nachdem wie vom Sounddesigner abgestimmt- dumpfes Dröhnen oder bestenfalls Fauchen des Wastegates. Je lauter und proletiger desto besser, gerne auch mit Fake-Fehlzündungen beim Gaswegnehmen und Zwischengasstößen (bei Automatikgetrieben- wie albern).

Wenn man einmal einen 12-Zylinder Ferrari durch einen langen Tunnel beschleunigt hat (…ok, das steht auch noch auf meiner Liste…), einen 1300er mit zu scharfen Nockenwellen (der unter 5000/min kotzt und über 7000/min seinen Ventiltrieb krumm hämmert) einen Berg hochgeprügelt hat oder in einem 911 die Sekunden gezählt hat bis der Ladedruck aufgebaut ist, dann kann man die Faszination nachvollziehen die echte, unperfekte, charakterstarke Motoren ausüben. Das Grinsen im Gesicht, die Gänsehaut noch lange danach…all das bieten moderne Motoren (mir) nicht mehr.

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Fairerweise muss man sagen dass sich eben auch die Welt etwas verändert hat: Emissionsvorschriften, der CO2-Wahnsinn und eine eher an digitaler Technik interessierte Klientel die ein Auto eben nur von A nach B bringen muss. Und wenn man nur irgendwie von A nach B kommen will ist das sicher ok, aber……aaach, was schreib ich: die Dinger sind Kacke! Wer von A nach B will soll den Bus nehmen.