Vachti muss jetzt ganz stark sein: Denn Audi nervt.

Ich habe kürzlich per Zufall den aktuellen Werbespot von Audi zum alljährlichen Superbowl gesehen. Viele mögen sich jetzt zurecht fragen: Superbowl? Muss ich wissen, was das ist? Nun, unser großer Bruder, die USA, haben ein – nennen wir es – kulturelles Großereignis, bei dem im Prinzip alle (von Joe Average bis Lady Gaga, falls Sie nicht gleich selbst auftritt) als Zuschauer dabei sind. Es geht um das Endspiel der Football Saison.

Eine solche Zuschauerquote steigert natürlich die Aufmerksamkeit der Werbetreibenden und führt zu unvermeidlichen Stilblüten. Es hat sich schon seit vielen Jahren etabliert, dass Unternehmen eigens für den Superbowl kreierte Werbespots zu (wenig überraschend) astronomischen Preisen schalten.

Die meisten der Unternehmen und somit auch ihre Agenturen greifen hierbei tief in die Trickkiste und setzen Maßstäbe in Sachen Humor, Aufwand und Storytelling. Manchmal geht es auch schief: Wie jetzt bei Audi.

Der Leser sollte sich die Mühe machen, sich den Spot einmal anzuschauen, einfach um den körperlichen Schmerz den er auslöst, selbst zu erleben. Ich weiß, ich bin ein philanthropischer Altruist. Man danke mir später.

Die Story zum Clip ist schnell erzählt. Während ein kleines Mädchen stimmungsvoll (spannend und atmosphärisch) in Szene gesetzt ein Seifenkistenrennen gewinnt, werden von einer sonoren Stimme „im off“ so ziemlich alle „gender“, „political correctness“ und „feminismus“ Klischees bedient, die das Jahr 2017 herzugeben hat. Ach was, das ganze Jahrzehnt!

Man fragt sich nur – warum? Muss man heutzutage, in Zeiten von Binnen-„i“s, *-Sternchen, 3230 Facebook-Geschlechtern & Unisex-Toiletten noch auf Sachen wie „gleicher Lohn für Mann und Frau“ herumreiten? Besonders Schmerzhaft: Gleichzeitig wird im eigenen Vorstand (VW AG) die einzige Frau mit unfassbaren 16 Millionen Euro (wegen der Abgasaffäre?) ausbezahlt (Schweigegeld…??)…

Die Deplaziertheit dieser Werbung ist kaum in Worte zu fassen. Audi (und damit VW) haben gerade einen monströsen Skandal auf dem Schreibtisch – und der PR-Abteilung fällt nichts anderes ein, als Statement über gesellschaftliche Gerechtigkeit abzuliefern? Keine Spur der Entschuldigung, Reue, kein Augenzwinkern, nichts.

Dass Vater und Kind (…wo ist eigentlich die Mutter? Arbeiten für den gerechten Lohn? Als Ethik-Chefin in der Compliance von VW?) dann im schicken S5 von dannen rauschen ist so nebensächlich wie belanglos. War das jetzt Werbung für Audi? Gegen Audi? Für Feminismus? Was soll das?

P.S.: Die Youtube-Kommentare und „likes“ sprechen hier wohl auch eine eindeutige Sprache. Köpfe werden wohl rollen…