Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Titel dem entspricht, was ich wirklich ausdrücken möchte – aber in der heutigen Medienlandschaft darf man auch mal einen danebenliegenden Titel wählen. Vielleicht hätte man auch sagen können „Anspruch vs. Wirklichkeit“.

Es geht letztlich um das Spannungsfeld, in dem wir uns bewegen. Mit „wir“ meine ich nicht nur die Fuelbrothers, sondern auch den Rest der „Konsumenten“, „Verbraucher“, „Warenkäufer“. In unserem speziellen Fall – also dem der Fuelbrothers – bezieht sich mein Sermon auf das Problem der enttäuschten Erwartungen oder dem Faktum des sich selbst belügens. Ein wenig hat mich ustab124 darauf gebracht, aber meine eigene Situation ist letztlich der wahre Grund für diese Gedanken.

Noch konkreter, am Beispiel meiner „traurigen“ Existenz, nehmen wir einmal meinen Fuhrpark. Während es nach Außen hin so aussieht, als wäre ich ein feingeistiger und geschmackssicherer Connaisseur (jaja, es darf gelacht werden…) der weiß, was er will und tut, sieht es in der Realität etwas nüchterner aus.

Es gibt diese Internet-Memes („what others think I do“ usw.), bei denen es genau darum geht:
CarGuys

Meine Realität sieht so aus, dass ich mit 2 alten Autos belastet bin, die nur zu seltenen Gelegenheiten auf die Straße kommen und dann auch nicht immer das machen, was sie sollen. Die meiste Zeit wird daran gebastelt, geflucht und sich darüber aufgeregt. Die seltenen Momente, in denen die Teile das tun, wozu sie da sind (nämlich Freude spenden und automobil(!) sein) müssen letztlich diesen Ärger mindestens kompensieren, aber eigentlich übererfüllen, damit man das Thema vor sich selbst rechtfertigen kann. Ich will an dieser Stelle die Frage nach dem Sinn nicht stellen, denn dann würde das alles vollkommen in die depressive Selbstmitleids-Schiene abgleiten.

Der Lotus ist ehrlicherweise ein Haufen von Einzelteilen, die der Reihe nach in lustiger, selbstbestimmter Reihenfolge den Geist aufgeben. Sei es aus Altersgründen, mangelhafter Erstausrüster-Qualität oder einfach purer Boshaftigkeit. Jedes Nebengeräusch, das produziert wird, erscheint im Ohr des Eigentümers als ernstgemeinte Ankündigung des allgegenwärtigen Supergau. Wobei der Supergau in diesem Fall nicht das aufgehen in einem Feuerball wäre (das zahlt dann immer noch die Versicherung), sondern der Tod auf Raten durch „multiples Organversagen“. Würde man in menschlichen Maßstäben denken, ist der Wagen in seinen 50ern und hat massiven Verschleiß durch zu viele Jugendsünden. Mit den jungen Hüpfern kann er nicht wirklich mithalten, der Sexappeal kommt durch die Exotik zu Stande – und die obszöne Formensprache.

Der Saab ist ein mittlerweile im 5-stelligen Betrag Geld vernichtendes Ungeheuer, welches durch die Abhängigkeit von Dritten viel langsamer auf die Straße kommt, als er sollte. Mittlerweile im 3. Jahr der „rollenden Restauration“ ist das Ding immer noch ein Klumpen voller auseinandergerupfter Innenraumelemente, die widerspenstig und unwillig herumliegen. Bei jedem Teil, das man anfasst, tun sich Fehler und Probleme auf. Es macht einen Wahnsinnig. Von Motivation oder Nutzbarkeit im Ergebnis will ich nicht zu träumen wagen.

Und so ertappt man sich beim durchklicken von Mobile-Offerten junger Fahrzeuge, die noch Werksgarantien tragen und keine Nutzungsspuren oder Alterserscheinungen zeigen. Erschwerend kommt hinzu, dass ich gerade ein Haus gekauft habe, welches das immobile Äquivalent zu meinen Automobilen ist: Alt, baufällig und pflegebedürftig. Das Ganze scheint ein „Prinzip“ in meinem Leben zu sein, und ich habe so meine ernsthaften Probleme damit.

Will ich wirklich mein Leben dem „irgendwie am Laufen halten“ widmen? Suche ich Perfektion und werde dann um so schlimmer und radikaler enttäuscht (siehe Porsche – Ustab)? Ergibt man sich dem Wahnsinn und sieht ihn als Geschenk an, quasi die selbst gemachte Hiobs-Botschaft, in einer Art hausgemachter Sisyphos-Spirale? Quasi um den Charakter zu stärken? Ist es die dunkle Seite der Macht, die Karren für zusammen 40 Mille zu verscheuern und sich eine neuwertige Evora in die Garage zu stellen? Verrat an sich selbst oder Katharsis? Toyota-Technik – macht sie Sorgenfreiheit wirklich möglich?