Während Ihr euch mit Phantastereien um die neusten Altwagenkäufe bei Marina ereifert habt, war ich weiter am ölverschmierten Boden der Schraubertatsachen darum bemüht, mein Gefährt endlich seine letzen Flausen aus dem Ansaugkrümmer zu blasen.

Um es kurz zu machen: Das Problem mit dem verrußten Heck und dem zu fetten Lauf des Triebwerkes war zunächst nach der Turbolader-OP noch schlimmer als jemals zuvor! Die neuen Gebläse schütten nämlich nun noch früher und fester den Drehmoment-Guß über das Drehzahlband. Das bedeutete auch , dass sich schhon vorher bestandene Probleme stärker zeigten. Ein erneuter Blick in die Diagnose-Software bestätigte: Das zu fette Gemisch lag nun noch früher an! Schon bei niedrigen Ladedruck spuckten die Enspritzdüsen fröhlich an ihrer Fördergrenze und ab 4500 Umdr. kamen kleine Aussetzer dazu 😯 es war zum heulen.

Beharrlich musste ich also weiter nach dem Fehler suchen, bzw. meiner alten, wenn auch nicht bewährten Methode nachgehen: Ersetze alle Teile, die auch nur im entferntesten Einfluss auf das Gemischverhältnis nehmen könnten durch neue Originalteile und hoffe, dass es was bringt.

Zündaussetzter: Nissan hat in den frühen 90ern eine Rückrufaktion für den Leistungstransistor der Zündanlage gestartet. Nach einiger Recherche stellte ich mit Grauen fest, dass mein Wagen zwar nicht unter den typischen Symptomen eines Ausfalls dieser Einheit litt, aber dennoch der alte verbaut war! Die Zündaussetzer schob ich auch eher auf das zu fette Gemisch. Aber gut, muss sowieso neu. Bestellt.


Die alten Teile auf der Schlachtbank. Den zerschnittenen Schlauch erkäre ich im folgenden. Für die Laien: Leistungstransistor links oben, alter Knauf rechts unten 🙂

Luftleck: Nachdem ich binnen der letzten 1,5 Jahre sämtliche möglichen Schläuche von Luftfilter bis Drosselklappen auf Stellen untersucht hatte, durch die gemessene Ladeluft aus dem System entfleucht und so das zu fette Gemisch auslöst, dachte ich mir, dass immerhin auch noch hinter den Drosselklappen, sprich im Ansaugkrümmer noch Luft verloren gehen kann. Da gibt es Unterdruckleitungen zum Bremskraftverstärker, Abgasrückführung, bla, bla, bla.

In allen diesen Leitungen (der Ansaugkrümmer hat gefühlt 20 davon) sitzt jeweils ein kleines Rückschlagventil, das verhindert, das sobald Ladedruck anliegt, dieser nicht aus der Ansaugbrücke entweichen kann. Gleichzeitig muss es im Saugbetrieb natürlich öffnen, damit ordentlich Unterdruck in der Leitung liegt.
Fast all diese Ventilchen hatte ich mittlerweile durchgecheckt und mit Teflonband wieder eingeschraubt. Bis auf die PCV (positive crancase ventilation) – Ventile, also Kurbelgehäuseentlüftung. Diese Dinger sitzen allerdings derart tief unten, dass man zumindest eines nur ausbauen kann, indem man den dazugehörigen Gummischlauch zersägt- oder den Motor ausbaut. Aus Zeitgründen entschied ich mich für ersteres 🙂 und bestellte die dazugehörigen Teile zum auswechseln.

Altes PCV-Ventil


Dieses komische Teil saß anstelle der sonst serienmäßigen Drosseln (mit Loch) in den Schläuchen zu einem PCV Ventil. Komplett zu !? Zusätzlich sappschte alles voll Öl. Irgendwas war da wirklich faul.

Wo ich grade am bestellen war, gönnte ich mir auch noch einen neuen original Leder Schaltknauf. Dies ist ja neben dem Lankrad die innigste Verbindung zum Auto, sämtliche Befehle an den Antriebsstrang werden über diese Ledersynapse übertragen. Also neu und gutriechend.

Nach 6 Std schrauben war es soweit. Schaltknauf war einfach. Der Rest: Wie immer Massaker. Pro Schraube 30 Min. Ein befreundeter Klempner (!) half mir mit den Schläuchen. Aufgeregt wie immer startete ich auf der Probefahrt das Diagnoseprogramm, dann das unerwartete: Alle Werte im Grünen Bereich! Düsenauslastung 60% bei vollem Ladedruck (bisher war es immer 100%)! Und das bei relativ kalten 16°C Aussentemperatur, die für hohe Zylinderfüllungen sorgt. Zylinderfüllungswert bei 106 (bisher hatte er immer bei ungesunden 122 gelegen). Zündaussetzter: Weg. Leistung: Da.

Ich konnte es gar nicht glauben und guckte mir dann noch den ganzen Abend verzückt die Aufzeichnungen an. Ob es jetzt am ausgewechselten Leistungstransistor, an den PCV-Ventilen oder gar am Schaltknauf 😉 gelegen hatte, ist mir indes ziemlich egal.

Es ist geschafft! Hoffentlich.

In stolzem Gelb vor dem Büro geparkt.

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