Dodge Coronet

„Mike, the mechanic“ vor seinen ‚Booten‘ | © Fuelbrothers.de

Wir haben in unseren Reihen erstaunlich wenig mit US-Cars zu tun, obwohl Sie doch für die automobile Historie in vielerlei Hinsicht stilprägend und beeinflussend waren. Ich sage bewusst waren, denn die goldenen Zeiten hat Detroit lange hinter sich gelassen und die „Big Three“ sind nur noch ein Schatten ihrer selbst bzw. schon teilweise nicht mehr „da“ oder insolvent. Eine Ausnahme scheint Ford zu sein, die sich durch eine frühe, internationale Strategie scheinbar besser positionieren konnten, insbesondere im Kleinwagensegment.

Eigentlich sehr erstaunlich, beachtet man den Erfolg, Überschwang und Wagemut, den die US-Autobauer in ihren besten Tagen demonstrierten. Man muss noch nicht einmal an irgendwelche Studien denken, die Serienfahrzeuge der 50er und 60er Jahre waren extrem genug. Das Rocketship-Design werfe ich nur mal so als Stichwort in den Raum. Aber auch düsengetriebene Fahrzeuge haben es tatsächlich mal auf die Straße gebracht, heutzutage kaum vorstellbar, aber eine Tatsache. Es wurde sogar von Ford  laut über Atomantriebe nachgedacht (!):

Abseits von solch heute völlig utopistisch anmutenden Konzepten, wurde natürlich durch die legendären V8-Motoren und ihren Sound ein anderes Kapitel aufgeschlagen, dass in Europa erst mit Verzögerung (bedingt durch den vermaledeiten Krieg) an Fahrt aufnahm. Im Prinzip schafft es erst AMG heute, einen wirklich ‚rotzigen‘, europäischen V8-Sound zu produzieren.

Tja, und dann prägten uns europäische Kinder der 80er natürlich diverse TV-Serien & Filme, nebst deren automobiler Stars: Knight Rider, Ein Colt für alle Fälle, Trio mit vier Fäusten, Blues Brothers, Zurück in die Zukunft, etc. pp.

Wie der Zufall es so will, lernte ich neulich einen Fan dieser Zunft kennen und zwar beim: *Trommelwirbel* – Volkshochschul-Chinesisch-Kurs. Hä? Ja, ich lerne Chinesisch, bzw. versuche es. Aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls ging ich nach der Stunde auf den Parkplatz, und da fiel mir ein E32 7er BMW auf, ähnlich meinem Alten, sogar in gleicher Farbe. Ein paar Augenblicke später kam Mike, ein Mitschüler, und schloss ihn auf. Tja, ihr könnt euch vorstellen, man kam ins Gespräch, vom Hölzchen aufs Stöckchen und irgendwann stellten wir beide fest, dass wir unsere Autos am gleichen Ort parken.

Ein paar Tage später bin ich dann mit dem SAAB (der frisch lackiert ist, Fotos folgen bei gutem Wetter) hoch, damit er sich ein Bild von der Lackierung machen konnte, denn er war für einen seiner Schätze auf der Suche nach einem talentierten und vor allem günstigen Lackierer. Bei dieser Gelegenheit bekam ich dann seine Flotte präsentiert. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, standen da 4 oder 5 verschiedene Schaukelschiffe, teils V8, teils V6 in der Halle, eine bunte Mischung unterschiedlichster Baujahre, aber alle zwischen Ende 50er und Anfang 80er.

Leider konnte ich nicht alles fotografieren, aber dafür diesen schönen Dodge Coronet:

Dodge Coronet rear Heck Dodge Coronet Dodge Coronet front vorne Dodge Coronet badge

Sehr netter Weise durfte ich auch mal einen silberblauen V8-Kombi aus den 70ern fahren, in etwa das, was man sich zu APO-Zeiten so als Studentenbude leistete. Unfassbar groß, Blech ohne Ende, Motor ohne Ende.

Das Fahrerlebnis ist uns sportlich geprägten Mitteleuropäern so fremd, wie Ratze der Beate Uhse Katalog:

Es fängt schon beim einsteigen an. Türen der Dimension eines Panzerschrankes werden aufgewuchtet, um sich dann auf einem Sofa aus interessantem Kunstleder niederzulassen. Ein spindeldürres, filigranes Lenkrad (im Radius ca. Omnibusformat) fällt einem in die Hände, während man auf eine Holzapplikation schaut, in die kleine, verchromte Instrumente eingelassen sind, die alle irgendwie an diese Drehaschenbecher (aus den Kneipen früher, wisst ihr noch?) erinnern.

Zündung. LULULULULU.

Hierzu empfehlen wir folgendes:

Ein echter Klassiker. Der ganze Wagen schaukelt leicht, wie ein Boot, und das im Stillstand! Das Drehmoment des 403 Cui V8 bringt die gesamte Karosse selbst bei hauchzarten Berührungen des Gasfußes zum Wanken. Lenkrad-Schaltung für die Automatik auf D und los.

Das Ganze hat mehr mit Bootsfahrten als Autofahren zu tun. Der Seegang ist beachtlich und die Ausmaße sind es auch. Will man die Richtung wechseln, sollte man das dem Wagen einige Meter vorher ankündigen, denn er braucht eine Gedenksekunde dafür. Dafür ist die Servolenkung derart leicht, dass man denkt, irgendwas ist kaputt. Bremsmanöver erfordern auch Planung, Ozeantanker müssen schließlich auch einige Kilometer vor dem Hafen den Rückwärtsgang einlegen. Klar ist: Das erzieht zur Gelassenheit. Ein völlig diametrales Verständnis von Automobil, eine ganz andere Philosophie. Cruising ist kein Klischee, sondern Pflicht.

Nach diesem Erlebnis bin ich dann wieder in meinen Saab, der mir plötzlich wie ein Gokart vorkam, um diesen schließlich gegen den Esprit zu wechseln. Als ich damit nach Hause fuhr, fühlte ich mich wie Senna im F1-Boliden.

P.S.: Der Coronet steht, unter anderem, zum Verkauf!