schottische Flagge

Ich habe mir seit meinem Zweitstudium angewöhnt, die britische Insel mehr oder weniger regelmäßig zu besuchen. Zum einen liegt das an meiner damals entdeckten Affinität zu den Angelsachsen und Kaledoniern, zum anderen an deren Produkten.

Bezogen auf unseren Fuelbrothers-Kontext heißt das: Während die Engländer vornehmlich durch die Herstellung notorisch undichter Fahrzeuge glänzten, konzentrierten sich die Schotten hauptsächlich darauf, dicht zu sein. Was will man auch sonst tun, bei den Nachbarn und diesem Essen. Kommen wir also zum Nationalgetränk Schottlands:

Coal Ila Tasting 2010

Coal Ila Tasting 2010: Eine dieser Flaschen gibt es garantiert nur 1 Mal

Wer das Thema ‚Whisky‘ (ohne e! – das ist nämlich Bourbon-Fusel) ein wenig genauer betrachtet, wird jedoch schnell feststellen, dass es dabei nicht um das zwanghafte Verkonsumieren von Alkohol im Stile pubertierender Hafenstädter geht – sondern um den Genuss und das Wertschätzen traditioneller Handwerkskunst. Schließlich hatten einige der Distillen hunderte von Jahren Zeit, ihre Technik stetig zu verbessern. So ist es kaum verwunderlich, dass viele Connaisseure regelrechte Pilgerfahrten zu den Whisky-Mekkas veranstalten. Ein Höhepunkt ist hier das Whisky-Festival auf der Westhebriden-Insel Islay (gesprochen „Aila“). Im allgemeinen Sprachgebrauch auch ‚Der Arsch der Welt‘ genannt.


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Klar, dass ich da hin musste! Nicht dass ich mich damit zu den Kennern zählen würde, aber irgendwo muss man ja mal anfangen, oder?

Eine Woche lang finden auf dieser (mit rund 3500 Einwohnern für die Hebriden ‚großen‘) Insel verschiedene Events und Festchen rund um das goldene Feuerwasser statt. Es gibt erweiterte Führungen, Tastings, Ringelpiez mit Anfassen und sonstige Aktivitäten. Berühmt ist die Insel vor allem dafür, dass der zur Erzeugung maßgebende Whisky-Malz dort geräuchert wird und der resultierende Spirit (Brand) daher eine einzigartige, starke Rauchnote entwickelt. Darüber hinaus tummeln sich dort mindestens 6 berühmte Destillerien wie Lagavulin, Bowmore und Laphroaig, teilweise in direkter Sichtdistanz zueinander.

Ein solcher Ausflug sollte maximal genossen werden, daher haben wir (mein Reisebegleiter aus dem Studium, Michael, und ich) uns entschlossen die Insel von Glasgow per Propellermaschine anzusteuern, um sie auf dem Rückweg per Fähre wieder zu verlassen.

Schon auf dem Hinflug (im Airbus!) nach Edinburgh fiel mir ein interessantes Detail auf: Der Frankfurter Flughafen ist von Porsche Panameras durchsetzt. Wie kaputt muss man sein, um sich als Business-Class Passagier von so einer Karre vor das Flugzeug fahren zu lassen? Nur, um dann im gleichen Flieger (von einem Vorhang getrennt!) wieder mit dem Proletariat vereint in die gleichen grauen Ledersitze furzen zu müssen?

Porsche Panamera am Frankfurter Flughafen

Nihilistentransporter am Fraport

Das Kabinenpersonal darauf angesprochen: „Die zahlen aber auch viel Extra!“ Aha. Gut, wer’s braucht…? Auf die Frage, ob es auch in den Genuss kommt, chauffiert zu werden: „Äh, ja, wieso?“. Hm. „Nette Dienstwagen“ für Leute, die angeblich nicht genug Geld verdienen. Es waren übrigens die V8-Modelle mit dem S. Es sei ihnen vergönnt.

Nach einem ereignislosen aber komfortablen Flug (abgesehen von den indiskutablen Papp-Brötchen der Lufthansa-Catering – die hätte man sich auch sparen können) dann der Transfer von Edinburgh nach Glasgow per Bus. Kaum auf der Autobahn, liefern sich ein Impreza und ein gepimpter 206 (?) ein kleines Rennen auf dem Standstreifen und zwingen den Busfahrer zu einem erbosten Nutzen seiner elektrischen Vuvuzela. Kein Wunder: 112 km/h Höchstgeschwindigkeit wirken auf die Petrolheadnation wie Prohibition! Jetzt wundert es mich auch nicht mehr, so viele Briten in der Eifel zu sehen.

Auf dem Rollfeld in Glasgow dann ein Lichtblick! Ein SAAB! SAAB 340 Turbo (-prop) um genau zu sein! Dann ist ja alles in Butter und eine angenehme Reise steht bevor!

SAAB 340

SAAB 340 - auf langen Strecken zuhause

Sogleich habe ich nach Gemeinsamkeiten zwischen den Flugzeugen und den Autos gesucht und tatsächlich was gefunden:

1. Die Gurtanschnallsignale sind ähnlich derer in den alten 900ern!
2. Der Turboschub bei der Beschleunigung 😉

Die Flugreise und Landung verliefen erwartet bequem, wir haben dank des schönen Wetters die Gelegenheit gehabt ein paar schöne Aufnahmen der Highlands und Inseln zu machen.

Schottlands Highlands

Schottlands Highlands im Überflug

Destillerie Laphroaig

Quell eines der besten Single Malts der Welt: Laphroaig

Port Ellen im Überflug

Islay: Port Ellen im Überflug, DAS Kaff schlechthin

Direkt im Anflug dann deutlich erkennbar unser Wohnort und einige Destillen. Auf der Insel dann die Erkenntnis: Wir haben kein Fortbewegungsmittel. Hm, tja Fahrräder waren dann die Verlegenheitslösung – jaja, ich weiß, kein angemessenes Vehikel, aber einen Vorteil hatte das Ganze: Man konnte sich die angetrunkenen Kalorien wieder ein bisschen runterradeln. Davon abgesehen, wer schon einmal ein britisches Frühstück gegessen hat, ist um Bewegung nicht verlegen.

Die eigentlichen Besichtigungen waren sehr schön und unterhaltsam, bei Lagavulin hat sich der Kellermeister (im positivsten Sinne unverkennbar ein Hobbit!) höchst persönlich um uns gekümmert:

Ich habe die Chance genutzt, selbst zur Fassprobe anzutreten.

Lagavulin Kellermeister

Bilbo Beutlin bei der Arbeit

Kellermeister von Lagavulin

Bloß nich' verschütten, das gute Zeuch!

Der glasige Blick sagt, denke ich, genug. 44 Jahre alter Single Malt will auch erst mal getrunken werden, so etwas Edles kippt man nicht weg.

Lagavulin 44 Jahre - Fass

Lagavulin 44-jährig, da darf man schon Mal schief gucken!

Auf der Insel gibt es in erster Linie schöne Natur und viel zu Wandern (also alles nichts, was uns hier interessieren würde), daher habe ich ein paar Impressionen wortlos angefügt, in der Hoffnung mir wird das Artfremde ausnahmsweise verziehen.

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Stilleben auf Islay

Stilleben auf Islay: Da lugt doch ein Landy hervor?

Zum Bunnahaiban-Fest haben sich ein paar Engländer mit Morgans auf den Weg gemacht, eine recht mutige Kombination: Schottische Nebenstraßen, das britische Wetter und diese Art Fahrzeug.

Morgan, Impreza, Impreza

Morgan, Impreza, Impreza

Ich denke man muss das mal genossen haben. Wir haben uns in Bunnahaiban einer Gruppe Deutscher angeschlossen, die sich später alle als Ärzte aus Aachen herausgestellt haben, davon einer sogar Leiter einer Forschungsabteilung. Kunststück, mit denen durch das Hochmoor zu marschieren – schlimmstenfalls hat man ja Rettung in der Nähe. Nur der Priester fehlte. Aus einem kleinen Spaziergang wurden dann jedoch mehrere Stunden – die für einige durch Moorlöcher noch unangenehmer wurden.

Sumpflöcher sind tückisch!

Hochmoor in Schottland! Da kann man schonmal einsinken...

Immerhin hat das Wetter gehalten und der Ausblick auf dem anliegenden Berg war wirklich sensationell.

Jaha! Oben ist die Luft dünn...

Jaha! Oben ist die Luft dünn...

Überhaupt: Die Landstraßen von und zur Insel (wie ich auf dem Weg im Bus aufs ‚Festland‘ feststellen konnte) sind ein fahrerischer Traum! Hier mit GT’s oder Sportwagen genüsslich herumzugondeln wäre ein echtes Highlight für uns. Die Landschaft ist sensationell und die (Haupt-)Straßen gut ausgebaut. Nur an den vermaledeiten Linksverkehr muss man sich gewöhnen.

Deutsche Motorradtouristen auf Islay

Deutsche Motorradtouristen auf Islay: Buckelpiste für die Duc...

Das erklärt wahrscheinlich auch eine hohe Anzahl an Imprezas, die ich gesehen habe. Seltsamerweise sind die Dinger auf der Insel so etwas wie der Golf GTI bei uns. Oftmals verbastelt, stark geschunden und mit lustigen Figuren am Volant. Naja. Fast-forward: Edinburgh.

Edinburgh 2010

Edinburgh 2010

Wer bisher nur in London war (zum shoppen, ne?), hat wirklich was verpasst. Die beiden schottischen Großstädte Glasgow und Edinburgh (mit einer Distanz von nur gut 50 Meilen zueinander!) sind definitiv eine Reise wert.

Sexy pedestrian bridge in Edinburgh

Sexy pedestrian bridge in Edinburgh

Nicht nur, dass man ein großartiges Nightlife geboten bekommt (Stichwort: Britische Clubszene!), nein, man hat auch tagsüber Kunst, Kultur und Kommerz im richtigen Verhältnis zueinander.

Jackie Stewart Podest im Nationalmuseum

Jackie Stewart Podest im Nationalmuseum

Angenehm (und das soll nicht fremdenfeindlich klingen): Geht man Abends aus (z.B. eben in einen Laden seiner Wahl), wird man die Penetranz und Aufdringlichkeit einiger unserer „Mitbürger mit Migrationshintergrund“ ‚vermissen‘. Heißt: „Ey Alda, was guckst du? Isch mach disch Krankenhaus!“ Wird einem dort definitiv NICHT passieren. Warum das so ist, ich habe keine Ahnung. Eher haut einem ein Schotte die Lippe dick, und das dann meistens zu Recht.

Zum Beispiel weil man sich über die seltsam anmutende Sitte amüsiert, sich fürs Ausgehen zu verkleiden. Das ist völlig ernst gemeint, kein Karneval, Helloween oder sonstiges wird als Anlass strapaziert. Damit „Mutti nicht böse wird“ zeige ich hier nur die Herren.

Mit 'Bantha' oder 'Panther' oder so, wurde mir der Begriff hierzu erklärt.

Mit 'Bantha' oder 'Panther' oder so, wurde mir der Begriff hierzu erklärt.

Es gibt dort extra Geschäfte für diese Art ‚Party-clothes‘! Man darf sich die Damen entsprechend im Krankenschwester, Nonnen- oder Bunny-Look dazudenken. Vollkommen ungeniert in Highheels und Nylons, selbstverständlich. *Räusper*… ~schweigen~…

Hier der Versuch einer Theorie: Die Pubs und Clubs der Briten sind so etwas wie das verlängerte Wohnzimmer. Bei uns gibt es das so nicht (zwar gab und gibt es die ‚Eck-Kneipe‘, aber sie hat lange nicht den Stellenwert und das positive Standing im Alltagsleben der Deutschen wie ein Pub für die Briten). Im Pub (und nachher auch Club) wird gegessen, getrunken, Fußball geschaut usw. Man lernt sich kennen, man ist unter sich, man grüßt sich.

Ja, auch in Schottland gibt es lustige Straßennamen.

Ja, auch in Schottland gibt es lustige Straßennamen.

Dieses „Sicherheitsgefühl“ ist auch in der Damenwelt angekommen. Da die Herren (in einer Reihe am Tresen sitzend, die Mannschaftslogos auf den muskulösen Oberarm tätowiert) normalerweise ohnehin besseres zu tun haben als die Damen anzuschauen (eben Fußballgucken, oder Top Gear, whatsoever), müssen die Damen ’stärkere‘ Geschütze auffahren, um gegenüber der Herrenwelt aufzufallen.

Urban ist vieles, hier eine Fassade

Urban ist vieles, hier eine Fassade

Das führt zu teilweise sehr radikalen Interpretationen von weiblichem Styling, die hierzulande die Sicherungen der meisten Herren rausfliegen lassen, und bei unseren Damen zu irritiertem Fingerzeigen und abfälligen Bemerkungen führen würden. Ganz zu schweigen vom denkbaren Verhalten unserer, bereits genannten „Spezialgruppe“ von Migranten. Bild aufgebaut? O.K.

Fassade eines Nachtclubs

Fassade eines Nachtclubs

Stellt euch jetzt folgendes vor: Verhaltenstypisch betritt ein „Rudel“ unserer Spezialisten einen Laden, ganz wie bei uns, und sieht die Frauen. Setzt man das gleiche Verhaltensmuster voraus, welches bei uns angewendet würde, wären die Jungs spätestens nach 3 Minuten sauber übereinandergestapelt vor der Tür. Innen stoßen unsere tätowierten Oberarme ihre Pints gegeneinander, ganz so, als wäre nichts geschehen. Klar?

Man weiß sich eben zu helfen – im Rudel und alleine. Wer den Film ‚green street‘ (Deutsch: Hooligans) gesehen hat, kann mir ungefähr folgen. Wobei man mit diesem Vergleich Äpfel mit Birnen hernimmt, das Volk südlich der Highlands ist sicher eine Ecke extremer – man tut den Schotten hier Unrecht. Wahr ist jedoch:

Die Schotten haben eine interessante Lebenseinstellung – man bekommt den Eindruck, sie denken nicht so viel über Probleme nach wie wir. Wenn sie erkannt werden, versucht man sie zu lösen oder sich eben damit zu arrangieren oder: Whisky zu trinken. So wurden Kriege gewonnen (und verloren), die Engländer in Kauf genommen und die Seefahrt etabliert.

Slainté!

Slainté!

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