Über die rollende Restaurierung meines Saab 900 turbo 16s: Teil 2

 

Nach der kontroversen und (einigen vielleicht zu kritischen?) Diskussion im privaten Bereich, folgt hier ein vollkommen themenkonträrer Zwischenbericht zum alten Eisen aus Schweden. Sozusagen „back to the roots“!

So muss eine Fahrzeugfront aussehen – freudlich, aber bestimmt.

Ihr erinnert euch an die mehrfachen Bergungsaktionen und die Überführung des Koma-Patienten zur Bestandsaufnahme in Papa H.’s Spezialklinik. Denkbar nervös war ich und wollte nicht dabei sein, als sich H. an die Arbeit machte, um den Wagen zu begutachten. Nach ein paar Tagen habe ich es allerdings nicht mehr ausgehalten und bin unangemeldet in die Werkstatt. Der Saab war immer noch auf der Bühne und ich konnte nach 8 Jahren darunter schauen. Aufs Schlimmste vorbereitet bot sich mir ein Bild des – freudig intakten Stahlblechs! Untenrum alles OK! Nach kurzer Rücksprache mit H. bestätigte er mir mit seiner Expertenmeinung meinen Eindruck, so dass ich mich direkt traute einen Schritt weiter zu gehen… und – der Motor?

„Läuft!“

D.C.:“Äh, wie jetzt, einfach so?“

„Jo, nech, wir ham‘ neues Öl reingemacht und dann’n büschen gedreht, Öldruck kam, un‘ dann warer an, hähä!“ (Papa H. kommt aus dem Norden)

Sein junger Mitarbeiter dazu: „Das einzige was komisch war, aus dem Auspuff kamen Sonnenblumenkerne geflogen!“

😯 ???

„Da war vermutlich ’ne Maus drin, hier liegen sie…“. RIP Maus.

Die Maus war vermutlich ohnehin schon lange ausgezogen und die Kerne waren wahrscheinlich Teil ihrer Vorratskammer. Auf dem Werkstattboden fielen mir Häufchen voller Sonnenblumenkerne auf. Die gute Nachricht also: Er rumpelt wieder und somit wäre bewiesen, dass Unkraut nicht so leicht vergeht!

Anschnallen Bitte! Der Legende nach ein Flugzeugteil…

Leider fängt der spannende Teil jetzt erst wieder an. Nachdem die paar Kleinigkeiten, die dann doch dran waren (ein Simmerring hat so massive Inkontinenz verursacht, dass das Öl bei laufendem Motor aus dem Wagen lief!) behoben wurden, hat der Wagen mittlerweile auch neuen TÜV. Noch am darauffolgenden Tag bin ich mit den Papieren ungeduldig zur Zulassungsstelle, nur um gesagt zu bekommen, dass ein Computersystemfehler die gesamte IT in Rheinland-Pfalz aussetzen ließ – so dass keine Fahrzeuge angemeldet werden konnten. Glück im Unglück: Bei mir hat es irgendwie trotzdem geklappt – ich war 5 Min. vor dem Supergau da und während der Bearbeitung kam der Absturz. Da aber die Systeme lokal meine Daten bearbeiten konnten, war ich der einzige unter 20 Leuten, der bedient wurde. Ihr könnt euch vorstellen, wie die Stimmung war. Ein Privatpatient beim Hautarzt ist da nichts gegen! 😆

Gesenkten Hauptes und mit einem knappen Tschüss bin ich dann raus und mit meinem Lotus-Ersatzwagen (dem Passat) zum Saab, die neuen Nummernschilder in der Hand.

Und dann kam der große Moment.

Sich dem Wagen nähern – nach 8 Jahren, Erinnerungen kommen hoch, an alte Zeiten. Durchzechte Nächte an den Rheinwiesen mit Freunden (& -innen) mit anschließender Übernachtung im Heck 😀 , Ausflüge, Reisen, gewonnene und verlorene Schlachten auf Autobahnen, Macken, Kratzer und Zicken – das ganze Programm. Auch unangenehmes, wie verflossene Frauen, bei denen man froh ist, dass es rum ist. Und so weiter, das Panoptikum vergangener Zeiten…

An diesem Ort wurde so manche Schlacht geschlagen… man beachte die Kassetten !!!

Nach diesem kleinen Flashback, der Moment des Einsteigens. Der Geruch, Werkstatt, Öl, altes Auto, leicht modrig. Ihr kennt das. Zündschloss, ach ja, das war ja unten, rein und ‚oggloggl… Lulululululu‘. DA ISSER!!!

Hierzu empfehlen wir folgende Literatur:

 

Vor lauter Nervosität habe ich glatt meine Papiere hinter dem Wagen liegen lassen und zum Glück noch rechtzeitig bemerkt – sonst wäre gleich Brief, Schein usw. direkt fort gewesen.

Legendäre Form – Zeitlos

1-2 Minuten Leerlauf später – fing die Karre an zu rauchen. H. wiegelt ab: „Das legt sich, kommt vom Öl“. Na gut, der Motor klingt gut, keine Nebengeräusche, sogar fast besser als beim Lotus!?. Ganz vorsichtig rolle ich vom Hof und nehme mir eine Runde durch die Vororte vor. Auf dem Berg Richtung Westerwald bemerke ich im Rückspiegel eine immer radikaler werdende Rauchwolke, die ungesund ausschaut. Ich vertraue H. Die C-Klasse hinter mir lässt sich zurückfallen, vermutlich sind die Leute darin kurz vor der Ohnmacht. Ich fahre mit nicht mehr als 2-2.500 UpM und lasse die C-Klasse überholen. Vollkommen verunsichert fahre ich weiter.

Memories… man muss zum Alter stehen. Wir werden alle nicht jünger.

Der Rauch lässt scheinbar nach, die Temperatur steigt und ich gewöhne mich wieder an die knorpelige Schaltung, die leicht versagende Servolenkung und das lustige Fahrgefühl mit nach vorne versetzter Position vor der steilen Frontscheibe – ähnlich wie in alten 911ern. An Ampeln und Kreuzungen macht der Leerlauf was er will, zwischen 1000 und 3000 Upm ist alles drin. Fix und fertig mit der Welt kommen wir zuhause an, N. kommt herausgelaufen und freut sich wie über ein Geschenk. Endlich! 🙂

Wir drehen also eine runde, der Wagen fährt wie ein Sack Nüsse, aber alle sind Happy.

ER LÄUFT!

Jetzt beginnt die Arbeit: Hier geht es weiter…