Lützel Customs & Fuelbrother D.C. | ©Motor Presse Stuttgart

Über die rollende Restaurierung meines Saab 900 turbo 16s: Teil 8

Die ersten Teile der Geschichte findet ihr hier:

Teil 1: Schlachter oder Gnadenbrot: Mein Saab 900
Teil 2: Lebt denn der alte Holzmichel noch?
Teil 3: Der Lack ist ab
Teil 4: Weiter gehts!
Teil 5: Motor raus!
Teil 6: Motor wieder drin
Teil 7: Die Wahrheit kommt ans Licht

Viel Zeit ist vergangen, seit diese Artikelserie ihren letzten Teil erhielt. Sehr viel Zeit… Ich hatte den Wagen zwischenzeitlich zugelassen auf der Straße, dann stand er sich wieder die Reifen platt, weil immer wieder „etwas“ dazwischen kam. 👿

Wenn er läuft, läuft er meist gut | © Motor Presse Stuttgart

Aber der Reihe nach: Im Sommer 2015 – also nicht lang nachdem der letzte Bericht erschien, platzte mir doch tatsächlich der Heizungskühler. Das ließ mich derart wütend werden, dass ich erstmal kurz über die Schrottpresse nachdachte…

Lack und Leder:

Und wer sich nur ein wenig auskennt, weiß, was das heisst: Armaturenbrett raus. Fluchen, abschleppen lassen (Dirk sei Dank nur auf kurzem Wege) und den Innenraum ausbauen. Da man schonmal dabei war, habe ich das rissige Armaturenbrett zum Sattler gebracht und mit echtem Leder und hübschen Kedernähten verzieren lassen. Meiner Meinung nach die beste und dauerhafteste Lösung bei allen Fahrzeugen, die solche Probleme haben. Denn die Kunststoffe sind nunmal 30 Jahre alt und haben viel Sonne gesehen. Sicher kann man auch solche Dinge instandsetzen, aber die Kosten dafür sind auch nicht wesentlich geringer und Leder ist doch – trotz mangelnder Originalität – eine defintive Aufwertung des Ambientes. Also für mich ein klarer no-brainer. Wenn einer nach den Kosten fragt: Dafür ca. 700€.

Saab 900 Innenraum

Nardi? Check! Trollhättan Radio? Check! Zusatzinstrumente? Check! |  © Motor Presse Stuttgart

Der Fahrersitz wurde aufgepolstert, die Seitenverkleidungen ersetzt und teilweise auch beledert. Rissige Sitze geflickt und offene Nähte genäht. Der Schalthebel bekam einen hübschen, neuen Schaltsack aus Leder. Nicht zuletzt wurde der Dachhimmel – vermaledeite und alte SAAB 900-Krankheit – neu bezogen (Stoff: Ich hatte zwischenzeitlich kurz über Alcantara nachgedacht, dann hat mich der Mut verlassen ;-)). Insgesamt habe ich rund 1500€ beim Sattler gelassen, der Fahrersitz ist leider immer noch hässlich und ich werde Ihn wohl irgendwann gegen ein besseres Exemplar ersetzen.

Ich habe bei den Arbeiten nicht besonders auf 100% Originalität geachtet, da ich kein Fahrgestellnummer-Nazi bin und mir diese Dinge dem Aspekt des persönlichen Wohlbefindens anheim fielen. Es sollte gut aussehen und zum Wagen passen. Da das Auto ohnehin durch die ganzen „Modifikationen“ (u.a. nicht mehr erster Motor & Getriebe) kein Museumsstück werden kann, und auch schon geschweißt wurde, kann man hier auch Fünfe gerade sein lassen, oder?

Triebtäter:

Tjaaa – und wie sich dann herausstellte, als ich endlich alles beisammen hatte: Das Getriebe ist undicht. Wir haben zu dünnes Öl reingekippt und es kam stetig immer wieder raus, wie es eben so ist: „Tropft wie’n Kieslaster, harhar“. Dirk und ich haben uns die wenigen Haare gerauft, als wir zuerst dachen, das Getriebe wäre schlecht abgedichtet. Nein, wir waren einfach blöd, bzw.: Ich habe andere Quellen als das Original-Werkstatthandbuch zu Rate gezogen.

Orte des Grauens | © Motor Presse Stuttgart

Das Getriebe war aber trotzdem erstmal raus – an sowas denkt doch keiner!!! Neues Getriebe bekommen, den ganzen Haufen wieder zusammen und wieder das gleiche, falsche Öl rein. Mit dem selben Resultat. Der Oberhammer. Wie dumm muss man sein… Spätestens da wollte ich etwas zerstören oder mich wahlweise wimmernd mit einem großen Hammer um das Blechkleid kümmern…

Ich vermute folgendes: Es gibt die Empfehlung auch durchaus moderne Öle in den alten Getrieben verwenden zu können. Das mag auch funktionieren, aber nur bei Getrieben, die einen Ölwechsel spendiert bekommen, ohne dabei geöffnet zu werden! Unser Getriebe war quasi „neu“ und hatte überall frische Papierdichtungen. Wenn da ein „neues“ Öl drankommt, ist das von Haus aus einfach zu dünn. Vorgesehen ist übrigens 10W-40, nur zur Info, ein stinknormales Motoröl…

Also: Teures 75W-90 raus, stinknormales Öl rein. Tropfte immer noch. Agression, Wut, Verzweiflung, Akzeptanz, Trauer.

Das Ende vom Lied: Leckweg, äh „lecwec“ kam zum Einsatz, mit bislang erstaunlichem Erfolg. Nach ein paar Fahrten hat sich das Problem der schillernden Tropfen auf meiner Einfahrt gegeben und – unfassbar- der Wagen schaltet sich wesentlich weicher und besser als vorher!? Ich habe keine Ahnung, was das für ein Zaubertrank ist – ABER DANKE!

Der Turbo macht einfach Spaß. Punkt. | © Motor Presse Stuttgart

Nervensägen:

Wie es bei Autos ist, die zu viel stehen und alt sind – ständig ist etwas dran. In der kurzen Phase der (Wieder-)Inbetriebnahme seit Anfang diesen Jahres haben sich viele kleine Nichtigkeiten zu einem kleinen Nerv-Konzert arrangiert, die den Wagen gerade wiedermal in die Garage verbannen:

  • Auspuff verrostet: Neu
  • Tachowelle schlägt: Anfertigen lassen, liegt noch rum, wartet auf Einbau
  • Lenkung macht sehr merkwürdige Geräusche, vermutlich ein Federbein(-dom) hinüber
  • Panhardstab braucht neue Buchsen
  • Ein Radlager rauscht sich zu Tode
  • Vermutlicher Grund der Warmstartprobleme: Nachlaufende Einspritzdüsen
  • etc. und tausend kosmetische Details, die warten müssen

Viel Freud, viel Leid unter dem Gewand | © Motor Presse Stuttgart

Und dennoch:

Man muss sich immer wieder zusammenreißen und auf das Geschaffte zurückblicken. Wie viele Stunden wurden investiert, wie viel besser ist der Zustand des Wagens, wie gut fährt er sich im Vergleich zu vorher. Mitten in diesen Gedanken rief mich eines Abends Bernd Woytal von Motor Klassik an. Er plante einen Artikel für das Youngtimer-Heft der Juni-Ausgabe und hat uns beim surfen im Internet gefunden. Völlig perplex habe ich ersteinmal nicht gewusst, ob ich mich darauf einlassen sollte?! Bei der Geschichte???

Nach kurzer Beratschlagung unter Einbeziehung von Mario und Dirk, den beiden Heroen aus der ersten Schlachtreihe, haben wir „es“ dann getan: Fotosession am Rheinhafen! Es entstand ein Werkstatt-Artikel, der wirklich schön geschrieben in der derzeit aktuellen Ausgabe der Youngtimer 04/2016 erschienen ist. Wir hatten bei den Fotos einen Riesenspaß und ich denke, das sieht man auch.

UND DARUM SOLLTE ES BEI DEM GANZEN JA AUCH GEHEN – HERRGOTTNOCHMAL! 🙂

Der Beweis: Man muss bekloppt sein für dieses Hobby | © Motor Presse Stuttgart

Die Fotos durften wir dann auch unter freundlicher Genehmigung der Motor Presse Stuttgart für unseren Blog verwenden, und einen Stapel Zeitungen gab es natürlich auch zur Erinnerung. Ich sehe dem kommenden, verregneten Wochenende mit Freude entgegen, denn in kleiner Runde wird jetzt ein wenig gefeiert!

Noch ein paar Scharten müssen raus | © Motor Presse Stuttgart