Direkt am Anfang stelle ich hier eine Sache klar und deutlich fest: Neue Autos interessieren mich nicht.

Wir haben uns schon öfter darüber unterhalten, dass der Trend zu immer weniger Freiheit und größeren Emanzipationsanstrengungen seitens der Autos selber gegenüber dem Fahrer, im Sinne von unaufgefordertem eingreifen durch Bordelektronik auf Fahrerbefehle von uns unerwünscht sind. Aber darum geht es mir nicht so wirklich. Ich wollte nur wissen warum die Autos, die es heute neu zu kaufen gibt, mich nicht ansprechen?

Thematisiert haben wir auch schon, dass aufgrund von Gesetzgebung und anderen Sachzwänge (Verbrauch und Aerodynamik), freiere, innovativere Formen und Elemente nicht mehr möglich sind – so wie bis tief in die 80er hinein. Ich gehe nicht soweit zu sagen, dass alle Autos gleich aussehen weil das so nicht wirklich stimmt.

Wenn ich mir den 3er BMW als Beispiel nehme, ich habe mich damals nie wirklich für den E46 als Coupe interessiert und für den E92 auch nicht, obwohl ich ihn schon schön fand. Mittlerweile ist der E92 fast am Ende seines Lebenszyklus und er fängt bei mir an, an Attraktivität zu gewinnen. Schon komisch, da ich mich für alternde Frauen nicht wirklich interessiere :mrgreen:…

Kleiner Exkurs: Der neue 3er als Coupe wird eigentlich 4er heißen, um sich von den Massen der 3er Vetreterkarren abzusetzen, oder gar, um noch größer zu werden?

Ich habe eine Theorie: Autos müssen reifen. In einer Welt, in der man alles bekommt, und eine Flut an neuen, besseren Produkte jeden Tag auf dem Markt kommt, ist das Neue nicht wirklich aufregend und wird schnell durch das neue „Neue“ ersetzt.

Und dann passiert etwas interessantes.

Erst nach einigen Jahren merkt man dann, was sich durch die Zeit hinweg bewahrt hat. „Stand the test of time“ wie die Briten sagen. Was sich nicht bewährt, wird vergessen und verschwindet. Wie viele Kadett D gibt es heute noch und wie viele davon werden gepflegt und verehrt? Und vergleicht das mal mit einem Dreier der zweiten Generation (E30?).

Etwas neues kann sich jeder kaufen. Um etwas älteres muss man sich kümmern, Geduld haben, Aufwand treiben, Liebe spenden. Dadurch bekommen die Dinge einen Charakter und werden „lebendig“.

Alte Autos haben ein Schaltgetriebe. Schaltgetriebe erfordern auskuppeln, Gang wechseln, einkuppeln, eine Interaktion mit dem Fahrzeug die uns durch die Sinne belohnt, insbesondere wenn der Schaltvorgang perfekt gelingt. Schaltwippen kann jeder und es gibt einem kein Feedback, keine Belohnung.

Neue Autos sind anspruchslos. Etwas das anspruchslos ist, ist auch langweilig. Was auch vielleicht erklärt warum italienische Autos trotz all ihrer Macken eine enorme Fangemeinde haben. Mein GTV-Wrack steht seit über 10 Jahren in einer Halle und ich kann den Wagen nicht verkaufen, weil ich weiß, dass so ein Auto nie wieder, bis zum Ende aller Ewigkeit, gebaut werden wird. Das ist eine verdammt lange Zeit…. Denkt mal dran: Nie wieder, das ist so… absolut und endgültig.

Ältere Autos sind frei vom Marketing Bullshit, und nicht mehr „trendy“, wer will sich noch mit einem E46 zeigen?

Bin ich der Gefangene, der sich in Plato’s Höhlengleichnis befreit hat und die wahre Welt jetzt gesehen und lieben gelernt hat, oder bin ich einfach ein mieser Luditt, ein Realitätsverweigerer, ein Technikfeind? Das Leben als „Untergrundkämpfer“ ist nicht leicht, vielleicht sollte ich einfach kapitulieren und nach dem Prinzip „go with the flow“ leben und mich von dem ganzen Kram vereinnahmen lassen. Das wäre doch der Schlüssel zum Glücklichsein.

Ich glaube ich fahre gleich zum Opel Händler, um mir den neuen Opel Cascada anzuschauen…

P.S.: Liebes Produktplaner- und Marketing-Pack von BMW, Mercedes und Co.: Ein Coupé hat 2 Türen, niemals 4. Ein „Shooting Brake“ ist ein Kombi mit 2 Türen nicht 4. Ein GT ist ein sportlicher, in der Regel großmotorisierter Zweitürer, und niemals eine Missgeburt mit pachydermischen Dimensionen. Bitte mit all dem Marketing-BS um die Namen aufhören.