Frage: Was haben Skyrim, mein Lotus in Schwarz und Megan Fox gemeinsam?

Lotus Esprit S4

Um dieses Wirrwarr zu lösen muss ich etwas ausholen.

Startpunkt der Gedankengänge ist ein Essay, dass ich vor einigen Jahren für ein Buch eines Freundes geschrieben habe. Es handelte sich dabei um eine fiktionale Beschreibung einer nahen Zukunft, in der so ziemlich alles mit allem vernetzt ist. Diese Zukunft ist mittlerweile fast eingetreten und war auch nicht besonders schwer vorauszusagen. Im Ergebnis führt das zu einer abstrahierten (Existenz-)Ebene, in der alles irgendwie auch virtuell nochmal vorhanden ist. Jedenfalls war im Spiegel heute ein Artikel, der im Wesentlichen die gleichen Punkte anspricht, inklusive der Probleme, die das mit sich bringt.

Tja, und schon sind wir bei Skyrim, einem derzeit höchst erfolgreichen Computer-Rollenspiel. Selbstredend spiele ich es auch. Was bei Rollenspielen so reizvoll ist, im Gegensatz zu allen anderen Genres, ist (abgesehen von Drachen, Magie und knapp bekleideten Barbarinnen) die Möglichkeit der „Persönlichkeitsveränderung“.

Mann kann durch die digitale Abstraktion ‚in eine Rolle schlüpfen‘ und hierbei ein komplett anderes Verhalten an den Tag legen. So kann man zum Beispiel auch gerne mal zum Meuchelmörder werden. Was das über die Psyche des Spielers aussagt, sei mal dahingestellt…

Durch die modernen Möglichkeiten der Computer macht das natürlich auch vor der Optik nicht halt. Die ‚Erstellung‘ des Spielcharakters lässt sich komplett frei von Gesichtszügen, über Statur bis hin zu den Haaren einstellen. Es machen sich einige sogar einen lustigen Sport daraus, die so generierten Charaktere berühmten Personen nachzuempfinden, mit teilweise erstaunlichen Ähnlichkeiten.

Das ist nicht Megan Fox!

So läuft man also als muskelbepackter, blonder, langhaariger Nord durch die Lande und spaltet Drachen den Schädel, während hinter der Maskerade ein schwächlicher Nerd mit Rückenproblemen von Megan Fox träumt, die ihm, in einem zukünftigen Spiel mit Multi-User-Umgebung, sicher dort auch begegnen wird. Also als Spielfigur, natürlich. Ob dahinter dann eine fette Schachtel mit Pickeln sitzt oder ein lüsterner Mitt-Fünfziger sei mal dahin gestellt. *brr*

Schnellvorlauf wieder in die ‚Realität‘:

Viele Autohersteller forschen an der Möglichkeit die Fahrzeuge adaptiver zu gestalten. Adaptivität bedeutet vereinfacht: „Anpassung“. Heißt: Das Auto verändert je nach Laune (des Fahrers!) seine Lenkkräfte, Fahrwerkseinstellung, Kennfelder im Motor usw. Das gibt es schon heute. Stichwort: Sporttaste bei Porsche. Frank Rinderknecht forscht hierzu seit vielen Jahren und stellt immer wieder bemerkenswert geschmacklos gestaltete Studien vor, die aber alle den genannten Punkt ansprechen:

In der Zukunft soll daraus natürlich die totale Flexibilität werden, bis hin zur sich selbstständig wechselnden Lackfarbe. Wer weiß, was sonst noch möglich wird? Radstand? Karrosserie? Es gibt ja die Studie von Chris Bangle (Gina), bei der die Karrosserie als ‚flexible, textile Haut‘ fungiert und die Scheinwerfer beispielsweise wie Augen geöffnet werden (übrigens eines der wenigen automobilen Produkte von Bangle, die ich wirklich spannend, schön und innovativ finde – aber ich bleibe dabei: Er wäre ein besserer Architekt).

Man umgibt sich also wieder mit einer alternativen und alternierenden Hülle, die sich auf die Bedürfnisse des Fahrers anpasst. Will man auffallen und Beachtung geschenkt bekommen: Ferrarirot, Sounddesign und flache Silhouette liefern den Rest. Heute mal entspannt reisen? Kein Problem: Mausgrau, mit leichtem Schmutzeffekt fährt es sich entspannter durch Südfrankreich.

Wohin das führt? Interessante Frage. Es gab einen recht neuen Film mit Bruce Willis, der mal so ein paar Gedanken hierzu anregt. Letztlich sind das alles Auswüchse von Sehnsüchten nach einem gesteigerten Selbstwertgefühl durch ‚window dressing‘ – wie der Amerikaner sagt. Narzissmus? Vielleicht. Klar durch Triebe gefördert. Wer träumt nicht ab und zu von sexy Megan (…wegen mir auch Lana del Ray) – während man selbst gern Hugh Jackman wäre…