copyright Robert B. Little (robertlittle.us)

Wenn es meinen Traumarbeitsplatz geben würde, dann wäre das irgendwann in den 70ern, in den Hallen von Autodelta, der (anfangs inoffiziellen) Rennsportabteilung von Alfa Romeo. 1963 von Carlo Chiti nach dessen Rauswurf bei Ferrari und einem leider erfolglosen Intermezzo mit ATS (nicht die Felgen…“Automobili Turismo e Sport“) gegründet, entstanden dort Rennsportkaliber wie die Giulia TZ, die Giulia Sprint GTA (später dann der GTAm) und der Tipo 33.

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Obwohl die GTA serienmäßig bei Alfa vom Band liefen, wurden sie in den Hallen von Autodelta wieder komplett zerlegt und für die Rundstrecke vorbereitet. Die TZ (tubolare zagato) und Tipo 33 waren eigene Entwicklungen. Damals wurde die Aerodynamik noch mit auf die Karosserie geklebten Wollfäden erprobt, und die Motoren wurde auf den Autobahnen rund um Mailand eingefahren…wahrscheinlich eskortiert von begeisterten Polizisten in 1600er Giulias.

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Im Bild oben rechts werden die Abgasanlagen für den Tipo 33TT12 gebaut- ein Geduldsspiel und sicherlich eine Kunst für sich, die wahrscheinlich die Gefahr birgt irgendwann mal verrückt zu werden.

Autodelta baute aber nicht nur Rennwagen für den eigenen Bedarf, sondern bereitete auch Kundenfahrzeuge vor- stets darauf bedacht den eigenen Vorsprung nicht aus der Hand zu geben, und die letzten paar PS ausschließlich den Werkswagen vorzubehalten. Der selbst entwickelte „testa stretta“, ein Zylinderkopf mit engerem Ventilwinkel und somit einer günstigeren Brennraumform wurde von Carlo Chiti nur an einen handverlesenen Kreis von Privatfahrern vergeben- den Berichten zufolge musste man persönlich beim Chef vorstellig werden und ihn davon überzeugen dass man die Werks-Teile benötigt um Rennen zu gewinnen. In Kombination mit einer Einspritzung (Lucas oder SPICA), Flachschieber-Drosselklappen, Doppelzündung und einer Abgasanlage die in einer Sidepipe unter der Fahrertüre endet (und höllenlaut ist…) waren so beim GTA Junior bis zu 160 PS (anscheinend mit einem späteren 16V-Kopf bis zu 180 PS) möglich- aus 1,3 l Hubraum!

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Oben: ein breiter GTA Junior wartet auf seine Fertigstellung- links davon steht ein Montreal mit getuntem V8. Unten werden 2liter-GTVs für eine Rallye vorbereitet. Im Hintergrund ist die Berlina von Carlo Chiti höchstselbst zu sehen. Man beachte auch die im Regal gelagerten Teile, u.a. oben links ein paar Tipo 33 Chassis´. Besser ist nur noch der „Müllberg“ im Bild ganz unten…

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…alleine der monoliner-2l-Block vorne links neben der blauen Kiste wäre heute ein Vermögen wert- er war die einzige Möglichkeit den Hubraum der 1750er Motoren die in den GTAm eingesetzt wurden auf 2l zu vergrößern. Damit wurden deutlich über 220PS erreicht und die Kisten wurden dann von Toine Hezemans (dessen Auto hier gerade „Pfötchen gibt“), Andrea de Adamich oder der holländischen Kollegin Liane Engmann – die nicht nur auf Motorhauben liegen sondern auch fahren konnte- (von oben nach unten) über die Pisten geprügelt- meist im Rahmen der europäischen Tourenwagenmeisterschaft ETTC.

Leider musste der GTAm aus homologationsgründen auf die beim GTA eingesetzten Karosseriebleche aus Aluminium verzichten, und war somit locker 150kg schwerer und nicht so konkurrenzfähig wie seine Vorgänger.

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Hier wird gerade ein T33 für die Targa Florio vorbereitet. Der Patrone höchstpersönlich überwacht die Arbeiten, während im Hintergrund ein GTAm (in giallo ocra- der geilsten Farbe überhaupt) auf seinen Einsatz wartet….getestet und trainiert wurde übrigens im normalen Straßenverkehr. Also Slalom um Eselskarren und Fiat 500…nur am Renntag wurde die Strecke gesperrt. Man vergleiche das mal mit aktuellen Serien wie der DTM (gähn…) oder der WTCC.

Zuletzt noch ein Bild das zeigen sollte wie tierlieb Carlo Chiti war…anscheinend sammelte er jede Menge Straßenköter ein und hielt sie auf dem Gelände von Autodelta. Eigentlich geht es hier wohl um den Hund, mir ist aber zuerst das Dach des Zwingers aufgefallen:

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Ich muss mir gerade vorstellen wie sehr man wohl gefeuert werden würde, wenn man bspw. bei Porsche auf die Idee käme in Weissach eine Hundehütte aus Verkleidungsteilen des 919 zu bauen…

Autodelta wurde Anfang der 80er nach einem nur mäßig erfolgreichen Engagement in der Formel 1 durch Alfa Romeo verkauft. Chiti trennte sich wohl 82 (oder 84- je nach Quelle) von Autodelta, und starb 1994 in Mailand. Die Rennsportaktivitäten von Alfa wurden unter dem Namen Alfa Corse weitergeführt, die heute existierende „Autodelta UK Ltd.“ hat übrigens nichts mehr mit der ehemaligen „Autodelta S.p.A“. in Settimo Milanese zu tun.

Die meisten dieser Bilder kommen übrigens von der Seite eines Mr. Robert B. Little , der Anfang der 70er Jahre als Aushilfe bei Autodelta in Settimo Milanese gearbeitet hat, und jede Menge Bilder aus dieser Zeit dort veröffentlicht hat. Die Seite ist mehr als empfehlenswert!! Wer sich auch nur ein Bißchen für Alfa Romeo oder Rennsport interessiert läuft allerdings Gefahr mehrere Stunden dort zu verbringen…

Robert Little hat mir übrigens persönlich die Verwendung seiner Bilder für diesen Artikel genehmigt- ihm liegt viel daran dass die glorreichen Zeiten von Alfa Romeo und Autodelta nicht in Vergessenheit geraten.