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Smart – aber nicht Clever: Crossblade


Veröffentlicht am 29. Oktober 2012, von D.C. in / Fahrberichte. 3 Kommentare

Smart Crossblade

Es gibt auch in der aktuellen, automobilen Zeitgeschichte die seltenen Augenblicke, in denen Vorstand, Designer und Ingenieure komplett durchdrehen und sich was trauen. Diese Momente können die Geburtsstunde von Großartigem sein (z.B. dem BMW Z1), oder man vergisst sie besser wieder (Renault Sport Spider).

Woran es liegt, dass manche dieser Wagnisse erfolgreich sind und andere nicht, hat auch sicher viel mit dem Selbstverständnis der jeweiligen Zeitgenossen zu tun. Ich persönlich glaube, dass ein Team von motivierten, jungen Ingenieuren mit Motorsportaffinität sicher „handfesteres“ auf die Straße bringt, als eine Gruppe von bekoksten Jungdesignern im Gestaltungsdelirium. Das hat viel mit der Herangehensweise zu tun – Stichwort: Top down versus bottom up.

GANZ SCHLIMM enden solche Experimente oft dann, wenn man versucht aus einer mittelmäßigen Basis mit „geringem“ Aufwand etwas „aufregendes“ zu erschaffen um einen PR-Stunt hinzulegen. Solche Fahrzeuge enden dann als „Editionsmodelle“ oder „Messeschaustücke“ und zieren Internetseiten und Marketingprospekte um „den Nimbus der Marke zu transportieren“.

Man darf den Protagonisten aber nicht zu viele Vorwürfe machen, sollte so ein Experiment in die Hose gehen – immerhin zählt hier auch schon der Versuch. Denn: Der automobile Einheitsbrei ist in Zeiten von erbsenzählenden Controllern (Sorry Ayrton) so fade geworden, dass einem beizeiten Speiübel werden kann. Die Vertretersozialisierung mit mausgrauen, geleasten A4 TDI’s kann einem auf der Autobahn wirklich den letzten Nerv rauben, so dass man sich geradezu schon freut einen bunten, gepimpten 3er zu sehen.

Diese Zeilen sind also mit einem wohlwollenden Zwinkern zu verstehen, denn alleine schon die Skurrilität des vorgestellten Fahrzeugs ist mindestens einen Bonus-Gummipunkt wert. Worum es geht? Um den Smart Crossblade. Jetzt bekommen natürlich (zurecht!) die PS-verwöhnten Mitleser Schnappatmung. Um dem entgegen zu wirken will ich sofort liefern: Ja, das Auto fährt sich grausam.

Smart Crossblade

Positiv: Man sieht, wo man demnächst mal mit einem ‚richtigen‘ Auto entlangkacheln sollte.

Ich glaube wir haben uns hier in unserem Blog sehr selten in den sedimentösen Niederungen automobiler Fahrkultur bewegt, daher bleibt uns solch technischer Unrat meist erspart. Durch einen familiären Zufall darf ich hin und wieder auf einen Crossblade zurückgreifen, daher musste ich diesen Artikel mal los werden. Denn: Nicht jeder von uns hat so viel Glück wie Dr. Dreh, dessen Onkel sich mal schnell was Anständiges rauslässt

Ich habe immerhin 2 Jahre gebraucht, um diesen Artikel anzugehen, denn ich wollte etwas Distanz zwischen das Erlebte und mich bringen, bevor ich meinen Sermon spreche. Aber wo fängt man an, wenn so vieles nicht stimmt? Vielleicht am besten bei der  Grundfunktionalität des Automobils, dem motorisierten Fahrverhalten:

Die Leistung des 3-Zylinder Rasenmähermotors entfaltet sich ähnlich explosiv wie die einer Fähre von Thassos nach Kavala. Nach kurzem Rumpeln und einer Geräuschkulisse, die an einen defekten Mixer erinnert, erfolgt der Versuch einer Beschleunigung. Dem arbeitet mit großem Erfolg eines der vermutlich schlechtesten Automatik-Getriebe der Neuzeit entgegen. Offenbar mit seltsamer Übersetzung versehen, ist das mittlerweile legendäre ‚Smart-Kopfnicken‘ Spiegelbild von Schaltzeiten, die in Lichtjahren gemessen werden müssen.

Diese geniale Konstruktion teilen sich übrigens alle Smart der ersten Generation, und auch bei der 2. Serie soll es nicht viel besser sein, habe ich mir sagen lassen. Warum man nicht ein kleines Schaltgetriebe bevorzugt hat, erschliesst sich mir überhaupt nicht. Denn: Weder finanziell noch technologisch kann dieses Desaster einen Vorteil gehabt haben. Dem Fahrspaß jedenfalls verhilft das Ensemble zu ähnlichen Erfolgen, wie Katy Perry im Jungeninternat als Ersatz für den Mathelehrer eine Stunde vor der Prüfung unterrichten zu lassen.

Nun, leider hängt einem im Smart nicht Katy Perry am Getriebe, sondern völlig überdimensionierte Rad-Reifen-Kombinationen, die jegliche Grenzbereichserfahrungen vereiteln. Vermutlich ist das aber auch völlige Absicht, denn mit der grundsätzlich spannenden Paarung aus Heckmotor und Heckantrieb wäre das Auto ähnlich zickig bei Nässe wie ein alter 911er ohne ESP. Sollte es mal schütten wie aus Kübeln, hat man jedoch andere Probleme…

Womit wir auch schon beim nächsten Thema wären: Der Fahrerkabine und dem nicht vorhandenen Dach. Besonders ‚lustig‘: Die ‚Blades‘, also diese Achterbahn-Bügel, die einem suggerieren sollen, man hätte eine seitliche Begrenzung. Während bei Autos wie einem Super-Seven Derivat oder dem Z1 der Fahrgastraum trotz aller Experimente irgendwie notfalls verschlossen werden kann, ist das hier nicht möglich, nichtmal optional. Die Krönung: Legt man irgendwas auf den Boden des Beifahrer-Fußraums, fliegt einem das gerne mal in schneller (höhö) Kurvenfahrt aufs Bankett oder die Hauptverkehrskreuzung. Also besser nicht mit dem Crossblade in den Sexshop, denn nichts ist peinlicher, als neben dem Eimer herumkrabbelnd den Verkehr zu blockieren und dabei hektisch die auf die Abbiegespur gerollte Gummivagina in die braune, unbeschriftete Tüte zurückzustopfen. 😯

Mit diesem Bild lasse ich euch nun alleine und beschließe diesen Artikel passend zum kommenden Heidenfest ‚Helloween‘ zu posten. Ich will gar nicht erst auf das Design eingehen, die Bilder sind Strafe genug. Die Oberflächen sind wirklich aus diesem Kunststoff, den man Kärchern kann, denn das Auto hat ja einen Dachschaden und irgendwie muss man die Vogelschei$$e ja wieder vom Cockpit (sic!) bekommen…

Sollte jemand ernsthaft erwägen ein solches Auto zu kaufen, empfehle ich unbedingt vorher einen MRT-Scan oder gleich direkt eine Lobotomie.  In minder schweren Fällen empfiehlt sich zur Therapie die Probefahrt in einem der genannten Alternativfahrzeuge (Lotus Elise, BMW Z1, Caterham, Herrgott – selbst  im verdammten Renault Sport Spider) , da sie alles besser können, aber nichts schlechter.

Allen militanten Smart-Fans, die nach diesem Artikel waidwund um sich schlagen nur dies: Heult doch! 😀

Nachtrag und kleine Geschichte am Rande: Mein Schwiegervater in Spe, dem dieses Fahrzeug gehört (nein, er braucht keine Lobotomie, er nutzt das Auto als motorisierten Rollstuhl, siehe Lenker-Bild mit Gestänge) plant ein paar dieser Dinger zu kaufen, um sie allesamt in Texas als Golfkarts (!) zu verkaufen. Daher auch der Heckaufbau. :mrgreen:

Hierzu empfehlen wir folgendes:




    News Foren Smart – aber nicht Clever: Crossblade

    Dieses Thema enthält 3 Antworten und 3 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  D.C. vor 5 Jahre.

    Ansicht von 3 Beiträgen - 1 bis 3 (von insgesamt 3)
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    • #11485 Antwort

      Lord Hellmchen
      Mitglied

      😯 😯 😯 😯 😯 😯
      Um mich zu outen: Ich bin Fan vom Grundkonzept des Smart, weil ich finde, dass es einfach irgendwie richtig ist. Leider ist es schon beim „normalen“ fortwo nicht befriedigend umgesetzt (Getriebe, Kosten, Verbrauch, Optik). Vorallem GETRIEBE! WTF?!

      Aber DAS Ding da…ähm…Nein, never mind, kein Kommentar.

      Ich bin neulich den Nissan Leaf, erstes serienmäßiges Vollelektroauto auf der Autobahn probegefahren. Meine Mum hat die erste Starkstromtankstelle Norddeutschlands bei sich aufgestellt. Angesichts Deines Artikels, D.C. soll ich jetzt auch darüber etwas schreiben?? :mrgreen:

      #11486 Antwort

      Lord Hellmchen
      Mitglied

      Ach komm, ich kommentiere das Auto jetzt doch (ab 6:20 kommen bewegete Bilder):

      #11487 Antwort

      D.C.

      …hehe – also diese Motorrrad-Projekte sind sehr spaßig, die gehen voll in die Richtung der Minis mit Hayabusa-Motor. Ist natürlich weitab vom Schuss und hat mit dem Smart nichts mehr zu tun.

      Natürlich sollten wir solche Dinge wie einen Leaf nicht kommentieren – wie Beamer schon mal richtig gesagt hat – das ist nicht unser Niveau. Dem Gegenüber ist der Smart immerhin noch mit Turbolader und Heckantrieb ausgestattet, also 1000% besser. 😆

      Hmmm.. Warte. Eigentlich sollten wir es doch tun. Und zwar auf die folgende Art. Um via Schramm Papst Gregor zu zitieren:

      „Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht“

      :mrgreen:

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    Antwort auf: Smart – aber nicht Clever: Crossblade
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