Nachdem Arese direkt auf dem Urlaubs-Rückweg lag hat es sich angeboten einen kurzen Zwischenstop im Museo Alfa Romeo zu machen. Leider hat das nicht jeder im Auto so gesehen, und es hat einige Überredungskünste gekostet („…sowieso mal ne Pause machen…“, „…waren doch auch in allen Schuhläden!“, „letze Chance vor der Schweiz noch zu tanken“ etc.) bis wir tatsächlich abgefahren sind. Das Museum liegt tatsächlich keine 3 Minuten von der Autobahnabfahrt entfernt, auch wenn ich es nicht auf Anhieb gefunden habe, weil- Schock- auf dem Schild „Alfa Romeo & Jeep“ steht. Jeep. Jeep!!! Tatsächlich fährt man dann auf´s Werksgelände und parkt auf einem riesigen, brandneuen Parkplatz. Sowieso ist alles neu incl. „Catewalke“, einer Art überdachtem Laufsteg der ins Gebäude führt.

GTAm und GTAm Junior copyright @ fuelbrothers.de

Der Eintritt ist nicht ganz gratis (16€), das Gebäude ist etwas unübersichtlich. Ich frage die Hostess auf perfektem italienisch nach dem Aufzug, sie erklärt mir auf englisch (wie demütigend…) meinen Weg durch die Ausstellung.

Die Ausstellung ist auf vier Stockwerken untergebracht, und beginnt von oben mit Nachkriegs-Serienmodellen bis hin zur Giulia. Beeindruckend ist, dass die ausgestellten Fahrzeuge m.E.  unrestauriert sind und mit wenigen km auf dem Tacho und original Bereifung im Museum stehen. Schön zu sehen wie der Lack damals war, wie Spaltmaße ab Werk ausgesehen haben und wie schmal Reifen damals wirklich waren. Weniger schön ist die Vorliebe der Italiener für silbernen Spraydosen-Lack, der sich auf jeder wahrscheinlich ehemals rostigen Oberfläche (Abgasanlage, Bremstrommeln…) befindet und mit dem auch die zahlreichen Motor-Exponate verschönert wurden.

Eine Ebene tiefer geht es mit Montreal, Alfetta, Alfasud (mit 0km und Rost!!), 75 und 156 weiter, zu jedem Auto gibt es eine interaktive Infowand mit der Geschichte zum Auto auf italienisch und lustigem Englisch. Der Arna fehlt leider. Wurde bestimmt versehentlich vergessen.

GTA in der Straßenversion- damals ein verdammt schnelles Auto und nach einer Kur bei Autodelta renntauglich. Im Spiegelbild ganz links: eine Giulia Super TI- das erste Sportmodell der 105er Serie. Copyright @fuelbrothers.de

Auf Ebene 2 fängt meine BH an ungeduldig zu werden und das Tempo zieht etwas an. Jede Menge Studien von Bertone (Carabo), Italdesign (Iguana) und Zagato…auch hier wieder: alles unrestauriert, so wie es auf der IAA oder dem Genfer Salon  1975 stand. Nur halt mit silbernem Auspufflack.

P3 Copyright@fuelbrothers.de

Dann ein kleiner Raum mit Filmvorführungen (Filme in denen Alfas eine Hauptrolle spielen- also hauptsächlich „the graduate“) und dann ein Highlight:  die Sportmodelle der 60er und 70er in Reihe Giulietta Sprint, Giulietta SZ, Giulia TI, Giulia TZ…und natürlich eine Giulia Sprint GTA. Eine weitere TZ 2 steht einen Stock weiter unten bei den Rennfahrzeugen, und spätestens hier ignoriere ich jegliche Ungeduld meiner BH und auch die etwas alberne „Marken-DNA-Multimedia-Videoprojektion“ um mich herum. Weil ich völlig fasziniert bin: P3, Bimotore(!), 6C, 33 Stradale, 33 TT12, 33/3, GTAm…ich könnte Stunden in diesem Raum verbringen und jedes noch so kleine Detail betrachten.

33 Stradale….unglaublich wie klein die Kiste in echt ist. Ungefähr so wie ein 4c. Copyright@fuelbrothers.de

Insbesondere die TZ2 und der 33 Stradale gehören in meinen Augen zu den schönsten je gebauten Autos. Den Zeitverzug müssen wir dann aufholen indem wir das 4D-Kino auslassen, was wahrscheinlich verschmerzbar ist. Im unvermeidbaren Museums-Store kaufe ich noch ein Buch und verabschiede mich dann in perfektem italienisch von der Hostess an der Kasse. Sie wünscht mir auf englisch ein schönes Wochenende und eine gute Heimreise nach Deutschland.

Giulia TZ: ein kompromissloser Rennwagen der damals wie ein Serienauto verkauft wurde- incl. Bedienungsanleitung und Serviceheft. Je nach Rennstrecke waren TZ enem 250 GTO ebenbürtig. Mit 1,6l Hubraum! Copyright@fuelbrothers.de

Auf dem Weg nach Arese liegen übrigens Grimsel-, Susten-, Nufenen- und S.Bernadino-Pass. Wenn man es geschickt macht auch noch Mandello del Lario (Museo Moto Guzzi)…nur mal so als Denkanstoß.

 

Wann fahren wir?