Hallo Freunde,

aus gegebenem Anlass möchte ich alle, die es interessiert heute mal wieder mit einer Story a la „Lord Hellmchen- Dilettant an der Hebebühne“ belustigen.

Die Vorgeschichte ist bekannt: Seit X Monaten fahre ich ja bereits mit einem eigentlich tadellos funktionierenden Sportwagen durch die Gegend. Trotzdem lasse ich mir das Vergnügen nachhaltig von einer gewissen Diagnosesoftware verderben, die unabbringbar der Meinung ist, dass mit meinem Express etwas nicht stimmt. Der (berechnete) Zylinderfüllungswert ist für den gegebenen Ladedruck angeblich zu hoch.

Resultat: Die Einspritzdüsen, äh düsen an der maximal möglichen Fördermenge, ich habe statt Ölverbrauch eine Art „Ölgewinn“, weil es sich nach und nach mit unverbranntem Sprit anreichert und die Sache mit meinem schwarzen Heck kennt Ihr auch aus einigen meiner Wehklage-Threads.

Daraufhin machte sich der Hellm auf ausgiebige Internetrecherche und führte folgende Versuche zur Abhilfe durch:
1. Neuer Luftmassenmesser
2. Neue Lambdasonden
3. Neue Benzinpumpe und Filter
4. Zündkerzen neu
5. Komplette ca. 7m (!) Druckverrohrung mehrfach auf Leckagen geprüft
6. Neue Schlauchschellen für Druckverrohrung verbaut
7. Neue Software mit aktuellem Kennfeld installiert
8. Sämtliche Ladedruckfühler und Elektronik wie Boostcontroller wurden mit teilweise abenteuerlichen Methoden (Manometer mit Schlauch von Melkmaschine durchs offene Fenster und dann Vollgas) überprüft.

Auf den Messfahrten nach jeder dieser Maßnahmen zeigte mir die Software dann erneut den Stinkefinger in Form eines wie in Stein gemeißelten Füllungswertes. Es hatte nichts gebracht.

Der nächsten Schritt in einer gestörten Beziehung: Ignoranz. Die Karre fährt doch! Was interessiert mich irgendein blöder Wert auf dem Laptop!? Es ist nur ein Auto und wenn was kaputt geht, geht es eben kaputt (ha ha).

Darauf reagierte meine japanische Diva dann allerdings wie alle Frauen: Hysterie! Parkplatz vor dem Baumarkt, einige Sekunden mit 2000 Umdr. im ersten nach freier Lücke gesucht, BLAUER QUALM aus allen Rohren. Panik, Herzstillstand beim Hellm. Als ich in den folgenden Tagen dann drauf achtete, war klar, es muss was passieren, denn die Rauchzeichen häuften sich.

Unter Anbetracht der Rauchfarbe und der obigen Liste der bereits abgearbeiteten Fehlerquellen blieben eigentlich nur noch die Turbos als Übeltäter. Ist hier was undicht und kaputt, wird Öl verbrannt und Ladeluft geht verloren.
Erste Sichtprüfungen ergaben auch Öl am Verdichtergehäuse und deutliche Kampfspuren an den Ladern. In der Druckverrohrung auf der einen Seite stand Öl in den Leitungen.

Wie immer versuchte der Hellm natürlich zunächst, mit Werkstatthandbuch und jeder Menge Enthusiasmus bewaffnet, selbst der Sache die entscheidende Wendung zu geben und sich an den erforderlichen Ausbau der Gebläse zu machen.


Der Ausbau ging in die „Verlängerung“

Sehr lustig. Nach 3 Std. war mir bereits 2x der Schraubenschlüssel auf den Kopf gefallen, eine klaffende Wunde blutete an der (zweiten) linken Hand und ich konnte gerade mal die Turbinen sehen. Diese hatten auch wirklich recht viel Spiel. Das Werkstatthandbuch taugte eigentlich auch nur als Unterlage zum Draufstellen und stellte sich als absolut Nutzlos heraus.

Nettes Detail: Hellmchen baute das Kardangelenk der Lenkung aus, ohne die Position zu markieren 😯 Wird dies jetzt um einen Zahn versetzt wieder eingebaut, was durch die fehlende Markierung nicht unwahrscheinlich ist, denkt die Hinterradlenkung ständig, lenken zu müssen und die zuständige Hydraulikpumpe geht hops. Klasse Bertie! Klasse!

Der hinzugebettelte Meister brauchte dann mit Lehrling einen ganzen Tag bis die Turbos endlich draußen waren. Um die Vorderachse nicht ausbauen zu müssen, wurde unter anderem ein Schraubenschlüssel zersägt, um an einige der Schrauben zu kommen. Beide Helden brauchen jetzt wohl Urlaub. Wackelt man jetzt im ausgebauten Zustand an der Welle des rechten Laders, ist ein Spiel von ca. 1 mm spürbar, verbunden mit einem schmatzendem Geräusch. Ich habe auch mal hineingepustet und alle anderen Öffnungen zugehalten…mhmmm.


T2/t25 Garrett-Twins auf Wohnzimmertisch, BH sehr sauer 🙂


Aha!?

Auf diese Weise seiner Testikel gewaltsam beraubt, hängt der Ninjakrieger nun also als Eunuch über seinem Krankenbett und wartet auf die Transplantate. Nur die sind schwer zu bekommen: Garrett stellt diesen Typ nun schon seit ein paar Jahren nicht mehr her. Originale sind bei Nissan nicht verfügbar und stehen mit über 1800€ EK pro Stück(!) in der Preisliste. In Amiland werden nur chinesische Plagiate zu verdächtig niedrigen Preisen feilgeboten und für aftermarket Tuninggebläse mit Kugellagerung konnte ich mich auch nicht erwärmen, da man hierfür das ganze Auto umbauen muss und die Haltbarkeit auch Mist ist.

Also wieder Internetrecherche und Telefonate. Nun habe ich einen Experten gefunden, der in der Turbo-Entwicklung eines großen deutschen Sportwagenbauers sitzt und nebenbei für Freaks wie „Dr. Z“ und Co Gebläse aufbereitet, konfiguriert und sogar extra baut. Eigene Umfragen ergaben hohe Zufriedenheitsgrade bei den letzten Kunden und die Kosten halten sich halbwegs im Rahmen.


Abgasturbine

Dorthin schicke ich nun also meine Hoden, lasse neue Rumpfgruppen einbauen, alles überholen, abdichten und das ganze optimal einstellen. Sämtliche Peripherie der Gebläse ist bereits bestellt. Dann „nur noch einbauen“, ha, ha!

Ob ich danach die Diagnosesoftware jemals nochmal anschließe, weiß ich noch nicht.

Hierzu empfehlen wir folgendes: