Vier Freunde, zwei Tage und 5 Pässe. Kombiniert mit zwei alten Autos,  Bier und Italien war das eines der besten Wochenenden des Jahres. Route und Hotels waren schnell geplant, dann noch kurz einen neuen Auspuff unters Auto um Ohren und Nerven zu schonen und los. Treffpunkt war Lindau am Bodensee. Nach einem – versehentlich veganen- Essen fuhren wir weiter nach Feldkirch (Ö) ins Hotel.

Alfa Bertone GT

Lange Tunnel, laute Autos….erst als die Polizei überholt hat war Ruhe. Copyright@fuelbrothers.de

Nach einer eher üblen Nacht (Hochzeit im Haus, kotzender Zimmernachbar…) ging es dann am nächsten Tag erstmal in Richtung Timmelsjoch. Natürlich hat es geregnet, und natürlich waren wir zu spät dran, was die Auffahrt etwas nervig gestaltete: Rennradfahrer en masse, Busse, Skodas….

Alfa Bertone GT

So eine Art Standardmotiv am Timmelsjoch…viel Verkehr, wenig Platz zum überholen. Copyright@fuelbrothers.de

Stelvio

Wie Naturschützer immer auf die Idee kommen dass sich Tiere durch Motorenlärm stören lassen? Kühe zumindest interessiert das mal überhaupt nicht.  Copyright@fuelbrothers.de

Irgendwann über 2000m hatte ich mit massivem Leistungsverlust und Überfettung (nicht ich- das Gemisch…) zu kämpfen. Mit überholen war dann nichts mehr. Der Regen wurde kälter und bei einem kurzen Stop auf der Passhöhe (warum hatten eigentlich alle anderen daran gedacht Jacken mitzunehmen?) hatten wir dann die Gelegenheit die Rennradfahrer zu bemitleiden die völlig fertig bei gefühlten 5° in kurzen Hosen rumstanden.

Timmelsjoch

Das obligatorische Pass-schild Foto. Copyright@fuelbrothers.de

Die Abfahrt war dann eher ätzend- mit Starkregen und Nebel…gekrönt wurde das Ganze durch einen Fiat Doblo dessen Fahrer NIE, aber auch garNIE schneller als 30km/h fuhr und sich auch durch geschätzte 40 Autos hinter ihm nicht dazu bewegen ließ kurz anzuhalten und die Kolonne vorbeizulassen. Stau ist scheinbar lustig, wenn man ganz vorne ist.

In Meran angekommen haben wir den Nachmittag dann erst in einer schlechten und danach in einer besseren Bar verbracht, der Regen wurde langsam wärmer. Also noch schnell Bier gekauft und weiter in Richtung Etappenziel.

Alfa Bertone GT

Mist, verfahren und nicht sofort zugegeben dass man keine Ahnung hat wo´s langgeht. Copyright@fuelbrothers.de

Genauergesagt nach Sulden am Ortler am Fuße des Stilfser Jochs. Ein winziges Kaff das hauptsächlich aus Hotels besteht. Lustigerweise waren wir nicht die einzigen Gäste, Angela Merkel verbrachte Ihren Urlaub gleichzeitig ein paar Häuser weiter. Wir haben sie nicht getroffen.

Solda Alfa Bertone GT

Sulden? copyright@fuelbrothers.de

Am nächsten Morgen stand dann das Stilfser Joch an- von Sulden nur wenige Minuten entfernt. Da wir relativ früh starteten war wenig Verkehr unterwegs- sogar die Radfahrer haben scheinbar größtenteils noch gepennt. Das Stilfser Joch ist anfangs eher harmlos: langgezogenen Kurven, Galerien, ein paar Serpentinen….

Stelvio

Stelvio- der entspannte Teil. Copyright@fuelbrothers.de

…um dann plötzlich in einen völligen Serpentinen-Wahn auszubrechen. Sowohl die Kulisse als auch  die Straße sind atemberaubend, die Serpentinen snd steil und werden zunehmend enger. Was anfangs noch im 2ten mit etwas Schwung geht wird dann zu 1ter Gang Kurven, als Fahrer kommt man leider kaum dazu aufs Panorama zu achten.

Stelvio Alfa Bertone GT

Jetzt eher stressig…der obere Teil des Stelvio. Copyright@fuelbrothers.de

Dazu kam, dass auf einmal überall Motorradfahrer im Weg rumstanden. Im Schrittempo, mit Füßen auf dem Boden um die Ecken trippelnd oder auf der Gegenfahrbahn um die Kurve eiernd, um dann auf der Geraden auf einmal den Gasgriff wiederzufinden. Da mein Auto -mittlerweile auf über 2500m- lief wie ein Sack Nüsse fiel das Überholen immer schwerer.

Stelvio Motorradfahrer

Motorradfahrer sind irgendwie auch nicht mehr was sie mal waren…hier ein Exemplar im Sicherheits-Komfort-Overall mit beheizbarer Gesäßeinlage, integrierter Airbagweste und Urinbeutel. Copyright@fuelbrothers.de

Alfa Bertone GT Gletscher

Bertone vor Gletscher in Salzlake- eher seltenes Motiv. Copyright@fuelbrothers.de

Oben angekommen war es zuallererst mal wieder so richtig kalt. Nach dem standardmäßigen Passschild-Foto und einem Espresso ging es deshalb sofort weiter in Richtung Bormio. Kaum waren wir in Italien (ok, offiziell sind wir ja schon länger in Italien, die Südtiroler sehen das aber etwas anders) flippten die Rennradfahrer die uns entgegenkamen völlig aus: erhobene Daumen und „bella, bella“-Rufe. Ich vermute es ging um die Autos…

Bormio

Copyright@fuelbrothers.de

Von Bormio ging es dann in Richtung Livigno- sehr schön zu fahren übrigens- und weiter über den Passo di Forcola in Richtung Bernina-Pass. Rückblickend war das die schönste Strecke: superflowig und relativ wenig Verkehr, außerdem hat das Wetter halbwegs mitgespielt. Ab der Passhöhe des Bernina-Passes waren wir in der Schweiz, der Tempolimit-Terror hatte begonnen.

Alfa Bertone GT

Bernina? Oder Forcola?? Egal, hat Spaß gemacht. Copyright@fuelbrothers.de

Der einzige Vorteil an der Schweiz war übrigens, daß es wieder Super+ (in Italien eher rar) gab. An St.Moritz vorbei fuhren wir in Richtung Albula-Pass, dem letzten Pass des Trips. Leider hab ich die Auffahrt größtenteils vergessen (was ein Indiz dafür ist dass es gut zu fahren war),

Alfa Bertone GT

Kurzer Motorradjagd-Aussetzer….aber natürlich sofort wieder ans Tempolimit erinnert!  Copyright@fuelbrothers.de

Alfa Bertone GT

Auf der Türklinke um die Kurve. Copyright@fuelbrothers.de

ab der Albula-Passhöhe schlug das Wetter dann aber vollends um: Regen und extrem dichter Nebel, so dass es auf einmal wirklich anspruchsvoll zu fahren war. Taschenlampen-Abblendlicht, spillerige Mini-Scheibenwischer und eine Lüftung wie ein asthmatischer Schlumpfhuster machten die Situation nicht besser. Entgegenkommende Autos erkannte man teils erst wenige Meter im Voraus, was bei einspurigen Straßen natürlich unvorteilhaft ist. Zum Glück hab ich ja (fast) keine Außenspiegel.

Ohne Vignette (ich werf denen keinen Euro hinterher..halt, Euro nehmen die ja nichtmal…) und im Dauerregen führte die letzte Etappe dann durch Liechtenstein und Österreich zurück nach Lindau und für mich noch fast 4h weiter bis nach Hause. 2km vor der rettenden Tiefgarage dann noch die Mutter aller Gewitterregen incl. nasser Schuhe und einem Reserveradwannen-Aquarium.

Beide Alfas haben die 1300km übrigens ohne das kleinste Problem durchgehalten.

Alfa Bertone GT

Retrospektive. Copyright@fuelbrothers.de

Rückblickend betrachtet war es eines dieser unbezahlbaren, nie-zu-vergessenden Wochenenden….die Planungen für 2015 laufen!