#Japan: Lost in confusion

Von |2014-12-11T16:22:03+00:0011. Dez. 2014|/ Essays|4 Kommentare

Japan! Was hatte ich keinen Bock auf Urlaub in Japan….12h Flug, 8h Zeitverschiebung und dann 2 Wochen in Tokyo, Kyoto, Hiroshima. Asien hat mich noch nie interessiert, außer ein paar Tagen in Singapur und dem obligatorischen Thailand-backpacking war ich auch noch nie in asiatischen Ländern unterwegs und hab es auch nie vermisst. Aber meine BH blieb hartnäckig, solange bis ich mich darauf eingelassen hab. Der trade-off war eine Woche Sommerurlaub in Italien (steht sie nicht drauf- zu langweilig) um dann Anfang November für zwei Wochen nach Nippon zu fliegen- leider ausgerechnet während das „Akademische“ in Hockenheim stattfand, aber das ging nicht anders.

Der Fuji.Viele Touristen behaupten es gäbe ihn nicht weil er nur selten zu sehen ist- scheinbar hatten wir großes Glück mit dem Wetter. copyright@fuelbrothers.de

Tokyo bei Nacht. Mieses Handyfoto, aber man kann sich ungefähr vorstellen dass es beeindruckend war. copyright@fuelbrothers.de

Also ging es Anfang November ab Frankfurt los…mit ANA „All Nippon Airways“ direkt nach Tokyo. 12h später standen wir am Flughafen Haneda und haben uns sofort die volle Breitseite gegeben: mit der U-Bahn durch die rush-hour in Richtung Hotel. Und rush-hour in Tokyo ist nicht wie die rush-hour in deutschen Großstädten, nein das sind nicht abreißende Ströme von Menschen die sich unaufhaltsam in eine Richtung bewegen. Stehenbleiben, den Strom verlassen oder sogar kreuzen ist fast unmöglich, die letzten paar hundert Meter bis zum Hotel waren dann auch ein ziemlicher Kampf. Müde, hungrig und maximal verspult (ich gehöre zu den Menschen die eine Zeitverschiebung immer völlig umnietet, weil ich keinerlei Verständins dafür habe weshalb und wie Zeit verschoben wird, und warum heute irgendwo anders jetzt gestern ist- oder andersrum) bin ich dann sofort eingeschlafen….und war ab 3:00 morgens hellwach, hab meine letzte deutsche Zeitschrift auswendig gelernt und japanische Samurai-Telenovelas angeschaut.

Ab 5:30 konnte ich dann im angrenzenden Park die Rentner bei ihren Feng-Shui Übungen beobachten, um 6:30 waren wir die ersten Gäste beim Frühstück.

In den folgenden 3 Tagen haben wir dann Tokyo erkundet: Shinjuku, Harajuku, Central Tokyo……unglaublich! Beeindruckend, überwältigend. Modern und traditionell,  hektisch und ruhig, häßlich und schön…..ich kann das gar nicht beschreiben, aber in diesem gigantischen Dschungel aus 50-stöckigen Wolkenkratzern, taghellen Neonreklamen und einer Dauerbeschallung aus Gefahrenhinweisen, Werbebotschaften und künstlichen „Enstspannungs“tönen (Vogelgezwitscher incl. Kuckuck in der U-Bahn) gibt es dann auf einmal wieder einen riesigen grünen Park mit Tempelanlagen. Zwischen Banken und Großkonzernen stehen kleine Holzhäuser in denen Handwerker Messer schmieden. Und obwohl ich alles versucht hab: meine Überredungskünste haben nicht für einen Besuch bei Nakai-san von Rauh Welt Begriff (RWB) gereicht….schade. Dafür hat sich nach ein paar Tagen ein gewisser Tempel-overload eingestellt: kennst Du einen, kennst Du alle.

Der Park des kaiserlichen Palastes. Sämtliche Pflanzen hier werden mindestens drei mal täglich mit der Nagelschere geschnitten. Im Hintergrund die Tokyoter Skyline. copyright@fuelbrothers.de

Ein weiterer Tempel, im Hintergrund der Tokyo-Tower, eine weiß-rote Kopie des Eifelturms. Bis zum letzten Tag war mir übrigens nicht klar ob Japaner auch von mir erwarten dass ich in Tempeln die Schuhe ausziehe…copyright@fuelbrothers.de

Essen war immer eine kleine Herausforderung. Wenn man nichts lesen kann, kein Wort versteht und bestenfalls raten kann was man gerade bestellt gibt es zwangsläufig die eine oder andere Überraschung…..“Beef-Tendon“ ist beispielsweise kaum vergleichbar mit „Chicken Teriyaky“, vielmehr sind es angebratene Rindersehnen. Ich hab es – unter strenger Beobachtung des versammelten Restaurant-Personals- tapfer gegessen. Zmindest bis ich bemerkt hab dass die dazu servierten „Röstzwiebeln“ allesamt Augen hatten. Eingelegte Seidenraupen.

Kleiner Snack? copyright@fuelbrothers.de

copyright@fuelbrothers.de

Was mir übrigens aufgefallen ist (und das ewige Rätsel des Firmennamens Rauh-Welt-Begriff löst), ist dass Japaner total auf europäische Namen stehen. Und wenn ein Japaner seinen gewünschten Firmennamen dann mangels Fremdsprachenkenntnis mit google translate in deutsch, französisch oder italienisch übersetzt kommt dabei sowas wie die Bäckereikette „Backen Mozart“, die Fahrradmarke „Wachsen“ oder die Trattoria „venere venere“ („kommen kommen“) raus. Und jetzt wirkt „Rauh-Welt-Begriff“ schon viel weniger seltsam.

Neben Tokyo waren wir noch in Kyoto (sowas wie das japanische Heidelberg) und in Hiroshima. In Kyoto gibt es 2000 Tempel und Sehenswürdigkeiten an wirklich jeder Ecke, während sich in Hiroshima alles um die Atombombe dreht: peace memorial, peace park, A-Bomb-Dome und Atombombenmuseum (bedrückend!).

Der A-bomb-dome in Hiroshima. 600m über diesem Gebäude wurde die Atombombe gezündet und hat alles in einem Umkreis von 4km in Schutt und Asche gelegt. Wer dieses Inferno überlebt hat ist an furchtbaren Verbrennungen oder den Spätfolgen der Strahlung gestorben. copyright@fuelbrothers.de

„Rambi“ das Terror-Reh. Klaut Dein Essen, frisst Deinen Müll und sabbert Dir dann auf den Schuh. copyright@fuelbrothers.de

Außerdem wollte ich das Mazda-Museum in Hiroshima sehen, was allerdings an den seltsamen Öffnungszeiten (Mo-Do 9-11:00) gescheitert ist. Immerhin gab´s dann einen Kaffee in der Lobby des Mazda headquarters.

Spyshot aus der Mazda Lobby- copyright@fuelbrothers.de

Bewegt haben wir uns ausschließlich mit Zügen: Shinkansen und Metro, und das ist was ganz anderes als in Europa: extremst pünktlich! So pünktlich dass wir uns dran gewöhnen mussten und anfangs alle Züge verpasst haben. Was allerdings nicht weiter schlimm war, da nach ein paar Minuten ja schon der nächste kommt. Außerdem waren alle Züge unvorstellbar sauber. Und „sauber“ ist auch noch so ein Stichwort: ich hab in den zwei Wochen nirgendwo Müll rumliegen sehen….nichts! Nirgendwo! Einmal hat ein Japaner im Bus ein Kaugummipapier verloren…..kaum war er ausgestiegen hat sich der nächste Passagier gebückt, es diskret aufgehoben und entsorgt.

Shinkansen copyright@fuelbrothers.de

Und das ist wohl auch eine Charaktereigenschaft der Japaner: Sie kümmern sich. Es ist ihnen eben nicht egal wie vollgemüllt oder versifft sie einen Ort verlassen, oder wie mies und schlampig sie ihre Arbeit erledigen. Das tun sie nämlich sehr gewissenhaft, das merkt man an jeder Ecke, spätestens aber wenn irgendwo ein Gullydeckel ausgetauscht wird: die beiden Bauarbeiter werden dann von einem Supervisor, einem Security-Officer und zwei menschlichen Warnlampen flankiert. Allesamt tragen Uniformen mit Rangabzeichen, goldenen Kordeln und Fantasie-Orden, und während die Arbeiter zu zweit den Gullydeckel schleppen steht der Supervisor mit seinem Klemmbrett daneben und gibt Ihnen wichtige Hinweise („nicht aus dem Rücken heben“ oder so…), während die beiden Straßensicherungs-experten mit ihren Warnlampen zum rhytmischen Trillerpfeifen des Security-Officers eine perfekt eingespielte Warn-choreografie rund um den offenen Gullydeckelschacht aufführen. Ich bin mir sicher dass es in der Geschichte Japans noch nie einen Unfall im Zusammenhang mit einem offenen Gullydeckelschacht gegeben hat!

Wireless-Toilettensteuerungseinheit. Was die oberen Knöpfe bedeuten kann man leicht erraten, weiter unten lässt sich dann die Sitztemperatur und der Wasserhärtegrad einstellen. Incl. Memory-Funktion! copyright@fuelbrothers.de

Auto-und Motorradmäßig (und darum geht es hier ja schließlich) war es leider nicht wirklich interessant. Tagsüber sieht man ausschließlich Schuhschachtelartige Micro-Vans und Toyota Crown Taxis auf den Straßen, nachts dann auch eine handvoll europäischer Limousinen und ab und zu einen alten 911 oder einen britischen Roadster . Ansonsten hab ich exakt einen Ferrari 430 mit bunter Frittentheke und einen Gallardo in metallic-orange gesichtet. Keinen Skyline, keine Supra, keinen GT-R.  Nachts hört man dann tatsächlich hin und wieder einen 12-ender durch die Straßenschluchten brüllen, das war´s aber auch schon. Ab und zu hab ich sogar mal einen Alfa entdeckt, das sind dort absolute Exoten.

Ein 156 in Tokyo. Sehr selten in Japan. Und daneben der obligatorische Getränkeautomat den es alle 50m gibt….es gibt sowohl eiskalten Calciumsaft mit Grünteegeschmack als auch warmen „Kaffee“ aus der Dose. copyright@fuelbrothers.de

Ok, einen Exoten hab ich doch gesehen: ein Lancia Hyena…..davon wurden 24 Stück bei Zagato gebaut, Basis: Delta Integrale. copyright@fuelbrothers.de

Keine Ahnung was genau das ist, aber die Kiste hat einen beachtlichen Ladeluftkühler und eine GFK-Haube mit Schnellverschlüssen…eher ungewöhnlich für 4-türige Limousinen. copyright@fuelbrothers.de

Mein Fazit: unbedingt machen wenn man irgendwie die Möglichkeit bekommt nach Japan zu reisen. Ich bin nachhaltig beeindruckt. Und unmittelbar nach der Landung in Frankfurt kam mir selbst der Fraport unglaublich leer und leise vor…

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Ansicht von 4 Beiträgen - 1 bis 4 (von insgesamt 4)
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  • D.C.
    Beitragsanzahl: 0

    Hi Felix – Spitzenbericht! Vieles erinnert mich an Shanghai. Ich finde es übrigens traurig, dass wir als Deutsche mittlerweile ins Ausland fahren müssen, um Sauberkeit wahrzunehmen. Es gab mal Zeiten, in denen war das bei uns auch so. Aber das ist ein anderes Thema.

    Die Japaner sind ein sehr vielschichtiges Volk und der Spagat zwischen Tradition und Moderne wird wohl am Besten zwischen den Tempeln und den Hochhäusern sichtbar.

    Die Exoten, von denen es dort mangelt, sind sicher gut versteckt und mit 12 Schichten Wachs in irgendwelchen Schuppen verstaut – nur wirklich reiche können sich große und/oder teure Autos dort leisten – alleine schon wegen der für uns absurd teuren Parkplatznachweise in Tokyo (5-stellige Summen…)

    Mir macht es aber Lust da hin zu fahren – ich würde nichts lieber erleben als mal Nachts durch die Clubs von Tokyo oder Osaka zu treiben…

    Kampfhamster
    Beitragsanzahl: 0

    Geiler Bericht, danke Felix!
    Der weisse 4-Türer auf dem letzten Bild könnte ein Toyota Chaser X90 sein, bin mir aber nicht zu 100% sicher.

    Ayrton
    Mitglied
    Beitragsanzahl: 1460

    super Bericht, danke dafür!

    Ayrton
    Mitglied
    Beitragsanzahl: 1460

    “ ich würde nichts lieber erleben als mal Nachts durch die Clubs von Tokyo oder Osaka“ die Weiber da stehen auch nicht auf alternde Gaijins :mrgreen:

    ich wurde gerne nach Daikoku in Yokohama fahren
    http://www.speedhunters.com/2014/03/meet-hunting-move-daikoku/

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