© Rowena Morrill: Isaac Asimov | Quo vadis, humunculus?

Während ich mir immer noch nicht im Klaren darüber bin, was jetzt mit dem Esprit passiert (ich habe gestern Nacht ungelogen sehr schlecht geschlafen deswegen, im Gegensatz dazu schlief ich beim Hauskauf wie ein Baby – sic!), dreht sich die Welt weiter und wird immer verrückter und aufregender.

Der ein oder andere hat sicherlich die letzten Tage dieses äußerst beeindruckende und teilweise irgendwie gruselig wirkende Video hier gesehen:

Es handelt sich dabei um eine Tochtergesellschaft der aus Google entstandenen Holding „Alphabet“ namens „Cyberdyne Systems…“ äh „Boston Dynamics“, die u.a. natürlich auch für die Rüstungsindustrie forscht. Sofort drängen sich filmische Endzeit-Assoziationen auf – ist ja auch sehr naheliegend. Während man sich das so anschaut und die unterschiedlichen Ansätze der Robotik (und ihren immer größeren Einsatz) mit Staunen wahrnimmt, könnte man konkrete Fragen stellen. Dazu später mehr.

Schaut mal, was in den letzten Jahren schon so schleichend passiert ist:

  • Autonomes Fahren wird mittlerweile nicht mehr diskutiert, sondern umgesetzt. Die ersten Prototypen haben bereits vor Jahren ihre Runden gedreht und die ersten Großserienhersteller bereiten sich auf den breiten Einsatz in wenigen Jahren vor
  • In der Fliegerei ist das Thema auch sehr stark diskutiert, Tendenz siehe Fahrzeuge
  • Nach einem Rasenmäher-Roboter kräht kein Hahn mehr, und die autonomen Staubsauger werden mittlerweile scheinbar auch immer besser
  • Tja und jetzt diese „Kerlchen“ hier, die sich nicht mehr so unbeholfen verhalten wie noch vor wenigen Jahren die Sony / Honda-Roboter

Wir haben das Privileg bei der Geburt einer neuen Spezies anwesend zu sein, und hierbei die Hebamme zu spielen. Eltern sind die Ingenieure unserer Zeit, die Informatiker und Programmierer, die wir auf dem Schulhof gemieden haben…
Es ist sicher keine prophetische Leistung, die folgenden Dinge in unserer Lebenszeit vorauszusehen:

  • Roboter im Stadtbild (tatsächlich wie bei iRobot, oder Isaaks Original „I, Robot„). Diese werden folgendes tun: Reinigen, Einkaufen, Botendienste erledigen, Transporte und einfache Handwerks/Wartungsarbeiten ausführen. Ich kann mir hier, ähnlich wie bei Star Wars, durchaus völlig verschiedene Bauformen vorstellen, die für unterschiedliche Zwecke entwickelt wurden (Mensch-Maschine Interaktion, Transport, handwerkliche Arbeiten)
  • Kriegsführung mit und durch Roboter (hierzu bitte die eingängige Filmographie Hollywoods heranziehen), ich bin sicher hier werden Asimovs Grundsätze schneller gebrochen werden als man „Terminator“ sagen kann…
    (Randnotiz: Israel setzt bereits seit einigen Jahren einen bewaffneten Roboter zur Grenzsicherung ein…)
  • Aufgabe der menschlich gesteuerten, maschinellen Fortbewegung (das hat eine Tragweite, die man sich derzeit – glaube ich – nicht wirklich klar macht): Es bedeutet unter anderem ein Ende des jetzigen Geschäftsmodells der Autohersteller. Denn wer benötigt schon ein gekauftes, großes Auto in der Garage, wenn es direkt vom Autohaus für den Trip in den Urlaub vorfährt und danach wieder dorthin zurückkehrt? Es gibt mittlerweile Start-ups, die selbststeuernde Drohnen für den Transport von Menschen entwickeln, zum Beispiel für den städtischen Nahverkehr (Dreh, bitte melden!)… Zitat Doc Brown 1985: „Straßen? Wo wir hingehen brauchen wir keine Straßen…“
  • Eure Ideen hier einfügen: …

Wirklich spannend wird es aber dann, wenn die sogenannte Singularität eintritt, bzw. die Zeit kurz davor. Mit Singularität wird im Prinzip der Zustand beschrieben, in dem Roboter zum ersten Mal mit den kognitiven Fähigkeiten des Menschen gleichziehen und diese schließlich übertreffen werden. Ob wir(!) das erleben, weiß ich nicht, aber sicher ist, dass die zunehmende Vernetzung und Datenmultiplikation sicher dazu beitragen werden, denn die dafür notwendige Rechenkapazität muss ja nicht zwangsläufig in der „Entität“ des Roboters stecken. Hier hat die Science-Fiction Literatur bereits in den 80er mit William Gibsons „Neuromancer“ und den 2 Nachfolge-Romanen einiges vorweggenommen, insbesondere in Bezug auf künstliche Intelligenz und den „Cyberspace mit virtueller Realität„, der gerade „zufälligerweise“ jetzt zeitgleich zu den Fortschritten der Robotik aus der digitalen Mottenkiste gekramt wird. Alles ziemlich schaurig schön, oder?

Nun ein paar „nette“ Aspekte, die mir zu dem Thema eingefallen sind. Ich gebe zu, unter dem oben gezeichneten Gesamtbild hier ist das schon bizarrst ins Detail gegangen, aber dennoch mal als Gedankenexperiment erwähnenswert:
Was passiert eigentlich, wenn ein Roboter (noch bevor die vollständige Singularität eintritt), zu einem sehr qualifizierten Fachmann wird? Ich meine so im Stile eines begnadeten Automechanikers, der kein Privatleben führt? 🙂 Sehen wir mal von hunderttausenden Arbeitslosen ab (das ist eine gesellschaftliche Frage, die noch nicht wirklich diskutiert wurde – außer in der Science-Fiction), er würde:

  • hundertprozentig Kompetent sein (durch Zugriff auf Datenbanken, Reparaturhandbücher und Erfahrungen anderer Roboter – Stichwort Vernetzung)
  • arbeiten ohne Murren, auch unangenehmste Reparaturen eingeschlossen
  • sich mit jedem Fahrzeugmodell auskennen, inkl. aller Untervarianten
  • Ersatzteile organisieren und selbstständig bestellen
  • in der Lage sein, Form- und Spezialteile herzustellen (Stichwort: 3D-Druck)

Natürlich ist das jetzt ein Punkt, der so einigen Fuelbrothers gut gefallen würde, deswegen schreibe ich es ja auch: „Mein eigener Edd China!“. Aber wenn man mal dieses Detail alleine in den Kontext stellt und mit anderen Bereichen vergleicht: Ist es nicht erschreckend, wie viele Menschen arbeitslos werden (würden)? Jeder Einzelne sollte sich die Frage stellen, ob sein Beruf nicht in Bälde „obsolet“ sein könnte. Was kann man tun – kann man überhaupt etwas tun – sollte man das?

Die Antworten hierauf wird die Gesellschaftspolitik bieten müssen, allerdings ist die schon bei vermeintlich lösbaren Aufgabenstellungen des Tagesgeschäfts heillos überfordert. Keine besonders guten Aussichten also?