Ich weiß gar nicht wann das bei mir angefangen hat. Wahrscheinlich frühkindliche Prägung auf den Rücksitzen alter 911er. Der Geruch von Öl und Leder, der Schub… das Gefluche meiner Mutter, die den Alltag mit zwei Kindern und Getränkekisten in alten Autos ohne Kofferraum meistern musste. Autos bei denen es auch mal passieren konnte dass bei strömendem Regen und zwei Kindern auf der Rückbank ein Seitenfenster spontan in die Tür fiel (und dort blieb). Spätestens als mein Vater mich auf einem Autobahnparkplatz von der Rückbank holte um mir einen rotglühenden Lader zu zeigen, war ich dann endgültig angefixt. Wie ein Motor funktionierte wusste ich dann bevor ich richtig schreiben konnte, mein erstes Mofa (Piaggio Ciao) hab ich mit 11 zerlegt, als ich den Auspuff im Garten ausgebrannt hab stand die Feuerwehr vor der Tür…

Dann folgte eine klassische (auto)mobile Karriere mit allen Höhen (Porsche 944 SII) und Tiefen (Corrado G60 aka „Corradostrophe“). Nachdem mich die ewigen Porschefahrer-Witze genervt haben hab ich meinen letzten, treuen 944 während dem Studium verkauft und mir einen „seriösen“ BMW gekauft. Den hätte ich vielleicht noch etwas behalten, aber dann bin ich vom Mountainbike gefallen. Querschnitt. 6 Monate Krankenhaus, Reha… Rollstuhl.

Als ich mir dann gerade wieder selbst die Schuhe zubinden konnte hab ich schweren Herzens das Coupe verkauft…weil ich dachte nie wieder ein Auto mit Handschaltung fahren zu können. Einige Wochen später hab ich Fahrstunden genommen- in einem auf Handbedienung umgebauten 1,6l Astra G mit Automatik. Grauenhaft!

Danach musste dann dringend wieder ein Auto her- was vernünftiges…Kombi oder so! Also hab ich mir einen Porsche 964 angeschaut. Mit Tiptronic, der ein paar Kilometer weiter bei einem Jaguar-Händler stand. Der Händler war…ähem…erstaunt, als ich dann mit riesiger Halskrause, Schnellfi#*er-Hose und Rollstuhl bei ihm ankam- direkt aus dem Krankenhaus. Wichtigstes Kaufkriterium war, dass ein Beifahrer plus der Rollstuhl in den Innenraum passt, und das hat geklappt! Auf der Rückfahrt im Taxi hab ich dann realisiert dass ich gerade einen 911er gekauft hab, dessen Unterhaltskosten mich wahrscheinlich auffressen werden, für den ich meine gesamten Ersparnisse rausgehauen hab….ein Auto unpraktisch wie die Nacht dunkel. Ich war jetzt offiziell verrückt! Das zeigten mir auch die Reaktionen meiner Freunde (/des Astra-G-Fahrlehrers) in den kommenden Tagen: von entsetzt bis besorgt…aber eigentlich hauptsächlich entsetzt.

Das Auto ging dann sofort zum Umbauer der es auf Handbedienung umgebaut hat, und was soll ich sagen: der 911er ist das perfekte Auto…wann immer es mir schlecht ging oder ich Schmerzen hatte hab ich einen Tank leergefahren und bin lachend heimgekommen- Öl, Leder, Schub, Wahnsinn!

Mein Schwäche für turbos und Schaltgetriebe hat dann 2 Jahre später wieder zugeschlagen. Der 911 war gerade überall akzeptiert, da bin ich bei der routinemäßigen mobile-Durchsuchung über eine Anzeige gestolpert: genau ein Bild und drei Zeilen Text: 924 turbo, stand 17 Jahre, Eigentümer verstorben…yayy! Um es kurz zu machen: am nächsten Abend war das Auto meins, wir haben es aus dem Schuppen gezerrt (Getriebe steckte im 5. Gang, alle Bremsen waren fest), den wundervollen Hagelschaden und die Rattennester im Innenraum bewundert, den Brief bei der lokalen Sparkasse ausgelöst (die hatten den als Sicherheit (haha) für ein Darlehen des verstorbenen Vorbesitzers) und es dann auf den Hof meiner Lieblingswerkstatt geschleppt.

Der Chef war hocherfreut („samma geht´s noch“) an diesem wundervollen Auto („…Kernschrott!“) arbeiten zu dürfen („…bestenfalls erschießen…“). Und falls irgendjemand das mal plant: Krümmerdichtungen an einem 924 turbo zu wechseln bekommt einen top-ten-Platz unter den ekligsten Reparaturarbeiten! Um das hier schon wieder abzukürzen: es floss viel, also viel zu viel, Geld in die Reparaturen. Und dann kam noch der Umbau auf Handbedienung…kleiner Exkurs Handbedienung: bei einer Automatik gibt es einen Hebel der über ein Gestänge auf die Pedale wirkt. Man kann am Hebel ziehen (Gas!) oder ihn nach vorne drücken (Bremse)…das macht man mit der rechten Hand. Mit der linken lenkt man. Bei einem Schaltgetriebe muss man jetzt noch kuppeln und schalten, das geht indem man den Hebel in der Mitte abknickt (Kupplung offen) und dann den Gang wechselt…also Zusammenfassung: mit links lenken, mit rechts Gas geben, bremsen, kuppeln, schalten. Und ja: es funktioniert mit etwas Übung wirklich gut.

Leider hat mir das der Mann beim TÜV nicht geglaubt und mir eine Fahrprüfung aufgehalst, was mich zu einer der absurdesten mir bekannten TÜV-Geschichten bringt. Der TÜV-Fahrprüfer weigerte sich eine Fahrprüfung ohne Fahrlehrer an Bord durchzuführen. Also hab ich Astra-G-Automatik-Bernd (siehe oben) angerufen. Der war nicht begeistert, weil er in meinem 924 (ein anderes „Fahrschulauto“ gab es ja nicht) keine doppelte Pedalerie hatte um eingreifen zu können…sogar die Handbremse ist links neben dem Fahrersitz. Er hat sich dann damit getröstet dass er im Notfall ja den Gang rausreißen könnte, und ich hab ihm versichert dass das bestimmt helfen würde einen drohenden Unfall abzuwenden. Also bin ich eine Stunde mit Bernd durch die Gegend gefahren. Nachts natürlich, das wäre sicherer. Nachdem ich ihn davon überzeugt hab dass das alles 1a funktioniert sind wir eine Woche später gemeinsam zum TÜV gefahren um den Fahrprüfer einzusammeln.

Der hat sich dann die Handbedienung angeschaut, die Funktionsweise nicht kapiert und sich geweigert einzusteigen. Bernd hat ihn dann im TÜV-Warteraum (Jalousien zugezogen, wie im Film…) 20min überredet es wenigstens mal zu versuchen. Also Fahrprüfer wieder im Boot, er wollte aber unbedingt versuchen mein Auto selbst zu bewegen. Hat er nicht geschafft, also Fahrprüfer wieder weg. Erneute 10min Diskussion später ließ er sich dann auf eine Runde ums TÜV-Gebäude ein….falls er kein gutes Gefühl gehabt hätte wäre er dann sofort ausgestiegen. Nach wie vor bestand er aber auf einen Fahrlehrer im Auto, was die Situation in einem 2+“2“-Sitzer nicht entspannte. Also Beifahrersitz bis ans Armaturenbrett vor, Fahrschul-Bernd in Froschhaltung mit Knien am Kinn, Fahrprüfer hinter ihm mit abgeknicktem Hals, maximal angezogenen Beinen und eingeklemmten Füßen. Jetzt geht´s los! Motor an, Gang rein und…“wo ist denn hier der Gurt“ von hinten. Ähm, ja…Gurt ist auf der Rückbank nicht. Also wollte der Fahrprüfer wieder raus, aber Fahrschul-Bernd hat ihn nicht gelassen… das Ende vom Lied war dann dass Bernd sich todesmutig auf die Rückbank geklemmt hat und der Prüfer vorne saß. Alles in allem waren das sicherlich nicht die besten Vorzeichen eine Fahrprüfung zu bestehen, und das hat der Prüfer mich auch spüren lassen: 1h durch die Stadt, rückwärts einparken am Berg und mehrere Vollbremsversuche (bei denen ich lachen musste, weil Bernd-ohne-Gurt dabei jedesmal die Rückenlehne vor ihm geküsst hat). Danach wurde der Prüfer entspannt, interessierte sich für das Auto („gehen Sie in dem Tunnel mal vom Gas, da patscht er so schön…“) und bescheinigte mir dann- wieder vorm TÜV- dass er keinerlei Bedenken hätte mir ein positives Gutachten auszustellen!

Mit dem Fahrprüfer-Gutachten hat der TÜV-Mann mir dann die Handbedienung endlich eingetragen, aber die Geschichte werd ich wohl nie mehr vergessen. Und der 924 wurde seitdem regelmäßig bewegt. Irgendwann ist mir dann mal eine Dichtung am Tank geplatzt und 60l Super+ auf dem Parkhausboden haben einen Einsatz der Werksfeuerwehr ausgelöst (der zweite Feuerwehreinsatz den ich in meinem Leben in einem Parkhaus verursacht hab), aber das ist eine andere Geschichte.

2 Jahre später hat mich dann ein Freund mit einem Alfa GTV6 total infiziert, aber das würde jetzt wirklich den Rahmen sprengen…