Und wieder ein schönes Wochenende vorbei. Leider, leider – aber so ist das im Leben nun einmal. Die schönen Dinge gehen viel zu schnell vorüber. Danach folgt eine kurze Phase der Glückseligkeit und die erneute Vorfreude auf das nächste Mal. Kommt euch bekannt vor? Mir auch, war lange genug Single. Führt aber am Thema vorbei – oder doch nicht?

Vergangenes Wochenende war eines von der Sorte, auf das man sich freuen durfte und die Vorfreude hat sich wieder einmal gelohnt. Lothar (an dieser Stelle mal von mir Papa Lothar genannt), der ’spiritus rector‘ des Elisezirkels rund um Koblenz und Mitsch ‚Kamikaze‘ haben mal wieder eine schöne Tour rund um den Rhein zusammengestellt.

Treffpunkt war der malerische Aussichtspunkt ‚Rittersturz‘ in Koblenz, unmittelbar über der Königsbacher Pantscherei, ein unter studentischen Fummlern (mit KFZett) beliebtes Ausflugsziel (äh, der Rittersturz, nicht die Kupferkessel). Viele Koblenzer haben hier ein ‚erstes Mal‘ verbracht, daher muss man sich diesem Ort mit dem nötigen Respekt nähern, also möglichst lauthals oder ganz leise, je nachdem was man vor hat, hähä.

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place of fulfilled desires - Koblenz Ritterstrunz

Ich tat ersteres, war ja auch mitten am Tach, und siehe da, mich begrüsste ein knallbunter Haufen junger Engländerinnen (keine über 20!) mit männlicher Begleitung. Der Mini sticht etwas heraus, ich weiß, aber als Coopers S Works der neuen Serie darf man das auch. Da keine Elly rot war und mein grüner Esprit komplementär dagegenhielt, markierten wir beide sozusagen optisch die Extreme der Gruppe.

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Papa L. hatte sogar Käsehäppchen dabei (!) und eine Kühlbox voller Kaltgetränke nach Wahl! Unfassbar. Jetzt verstand ich auch den Mini! Er wurde zum Lastesel umfunktioniert. Da sein Fahrer ohnehin (Hallo Steffen!) die Klimaanlage volle Pulle laufen ließ, hätte man die Kühlbox sowieso kaum gebraucht.

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Nach dem obligatorischen, gegenseitigen Angeschnüffel und Schultergeklopfe dann eine wunderbare Hatz durch den Westerwald und gen Süden. Ich weiß gar nicht mehr wo wir überall waren…

Dafür gab es lustige Ereignisse während der Fahrt. So zum Beispiel das Dreiergrüppchen attraktiver Mädels an der Bushaltestelle, welches dem Korso (ich bilde mir ein, mir direkt?) zuwinkte und quikte. Ich dachte schon an Anhalten, aber dann fiel mir ein: Junge! Du bist mittlerweile in einem Alter wo man schon doppelt so alt sein kann wie das weibliche Gegenüber! Und da das aber evtl. trotzdem noch nicht zur Legalität reicht (*räusper* „Kann ich mal Deinen Ausweis sehen, bitte“ *grins*) sollte man schnell älter werden, damit man auf der sicheren Seite ist! Oder so… jedenfalls weiß man bei den Dingern heutzutage oft ja wirklich nicht ob, die 16 oder 26 sind…naja.

Dann der Mini. Ich bin ja mal einen probegefahren (huch, hatte ich ja noch gar nicht erwähnt!?) . Es ist doch in höchstem Maße irritierend, wie sich so ein bayrischer Terrier pietätlos an das Heck eines Esprit S4 hängen kann. Sicher, Autobahn und lange Gerade, werden jetzt alle rufen -> da biste weg. Ist ja auch so. Aber versucht mal auf einer kurvenreichen Landstraße so einem Ding (v.a. in der JCW-Ausführung) Paroli zu bieten! Is‘ nich! Der verbeisst sich sowas von in den Arsch, da helfen auch Powerslides aus schnellen Kurven nicht mehr viel. Klar, zwischen den Autos sind 16 Jahre und die Technik bleibt nicht stehen, aber trotzdem – Respekt!

Mini Cooper Works

Achtung - heiß! Die Dinger sind wirklich schnell! ©GNU-Wikimedia Commons

Man muss hinzufügen: Der Fahrer hatte es auch drauf, im Gegensatz zu mir. Ich bin nun einmal kein somderlich guter Fahrer und im Zweifelsfall auch einfach zu alt für waghalsige Manöver. Da ist mir das Wohl um Mensch und Maschine wichtiger. Bei ihm war ich mir da manchmal nicht so sicher…

Witzig auch das kollektive Auflaufen auf ein Audi Cabrio (die Serie von Wu!). Leider habe ich das nicht pittoresk kommentieren können (Beifahrer fehlte hier), aber es war köstlich. Nichts böses wollend, liefen Mitsch und Lothar als Pacemaker irgendwann auf so ein Teil auf (in Rot). Darin: Ein Mann mittleren Alters am Volant (ergraut), daneben Gattin. ‚Der Alte‘ hatte offenbar Streckenkenntnis und sah sich durch das Rudel Engländerinnen wohl drastisch verjüngt (Bauch einziehen!). In jedem Fall hat er seinem Papamobil derart die Sporen gegeben, dass ‚meine Gattin‘ mir sicher eine runtergehauen hätte. Ich bin mir sicher, Seine hat das nachher auch getan, hähä. Als es uns und den Pacemakern dann irgendwann zu bunt wurde und die Gelegenheit günstig schien: Vorbei.

Böser Fehler.

Papa fühlte sich jetzt gekränkt und tief in seinem Stolz verletzt. Da hat man sich vor 15 Jahren für teuer Geld einen 6-Zylinder gekauft und jetzt überholen einen so ein paar Rotzlöffel aus GFK mit 4-Zylinder Kreissägen.

Papa schaltete also auf Stur und wollte partout den Mini nicht vorbeilassen. Dessen Fahrer, mit allen Wassern gewaschen, nutzte dann sportlich eine Verkehrsinsel zur Überrumpelungstaktik und ging vorbei. Bei der nächsten Geraden dann auch der Rest der Bande, inklusive mir, Fehlzündung beim hochschalten inklusive. Herrje, Papa war sauer. Mit Lichthupe und Horn hintendran und weiter am Gas geben. Da aber vor uns endlich ein paar lange Geraden lagen, löste sich das Gezeter und Gejammer im tosenden Fahrtwind langsam in Wohlgefallen auf. Herrlich.

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Lach- und Sachgeschichten an der Tanke

Jedenfalls sind wir nach mehreren Zwischenstationen und kleinen Tankstopps („…meiner verbraucht weniger als Deiner!“)  in Wiesbaden angekommen, wo es einen kleinen kulinarischen Stop auf einem Rheinschiff gab. Als ich ausgestiegen bin, fiel mir eine tote (!) Fliege auf meiner Beifahrerlehne in Fensterhöhe auf (wer das nachmachen kann bekommt von mir ein Gratiswochenende im Esprit) -> ich habe mir das bezeugen lassen aber leider hab ich’s nicht geknipst, ich Depp!

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Tja, das Bild sagt alles... Polizei und Notarzt an der richtigen Stelle.

Nach dem Essen waren dann alle derart müde, daß wir beschlossen gemütlich am Rheinufer zurück nach Koblenz zu trudeln, Sightseeing der Loreley inklusive. Wunderbar entspannend und absolut damentauglich! In Koblenz, zum Ausklang, prollig durch die Fußgängerzone im Korso (Yeah!), Polizei hats nicht gejuckt, die hat sich das zwar angeschaut aber nichts gesagt. Klassiker: Eisleckend vor dem Auto stehen und Passanten beobachten. Da man nicht direkt vor den Autos stand, konnte man schön die Reaktionen genießen.

Kleiner Junge, auf Esprit zeigend: „Papa, ist das etwa auch ein Lotus?“

-> da wurde mir schwer ums Herz. Wir haben also automobile Kulturhistorie betrieben! Gut so.

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Danach ein Typ mit Fahrrad, dabei ein weiterer Begleiter und ein Mädel: „Nä, also so einen Schrott tät ich nicht holen, da wär mir mein Geld zu schade für,…brabrabla..“ Das ging dann so weiter und kurz bevor die vorbei war’n, das Mädel: „Also den gelben da, den find ich süß!“ Zack! So schnell war die Meckertour beendet, haha.

Irgendwann ist auch der schönste Ausflug rum, und so war es dann auch. Müde, ‚gerädert‘ nach Hause, Füße hoch und einen schlechten Film reingezogen – schlafend. Ich freu mich schon aufs nächste Mal.