Lamborghini Countach & DC9

When style could be bought… Countach | © Creative Commons: Flickr & Kemon01

Es gab in den glorreichen, frühen 80er Jahren eine Phase, in der aus dem klassischem Sportwagenbau heraus eine neue Disziplin erstarkte: Die Supersportwagen. Und Junge, waren da faszinierende Exemplare dabei. Ich will sie alle gar nicht aufzählen, aus scheinbar allen Ecken sprossen bei Etablierten und Exoten wilde Exemplare aus dem Boden.

Schaut man sich den Zeitgeist dieses Jahrzehnts an, so fällt einem dazu auf, dass es eine Phase des Überflusses und der „Dekadenz“ war. Der Westen hatte sich scheinbar trotz Ölpreisschock und Dollarkrise zu neuen Höhen aufgeschwungen, die Wallstreet versank in Koks und Nutten (ich erinnere an Dokumentarfilme mit Michael Douglas und Charlie Sheen), ein späteres Meisterwerk mit Christian Bale über diese Zeit skizziert wunderbar die Exzesse in Satireform.

Jener Zeitgeist steigerte sich nach dem Sowjet-Ende bis zur DotCom-Blase in ein Furiosum, bis endlich 9/11 dem Treiben ein Ende setzte und andere Protagonisten in den Fokus der Öffentlichkeit rückte. Erneuerbare Energien, Peak Oil, Hybridautos und „der Krieg gegen den Terror“ sollten Nachhaltigkeit suggerieren. Der Internethype und Facebook erledigten den Rest, Supersportwagen waren „irgendwie out“, Tesla, Twitter, Genderstudies und Energiesparlampen (mit Quecksilber!) in.

Tja – nicht so ganz. Denn ich erkenne langsam aber sicher Parallelen zu den 80ern. Die Wallstreet hat, trotz Eurokrise ein „alltime-high“ geschafft (wenn auch nicht inflationsbereinigt), Bankster sind besoffen vor Geld, Koks und Macht, lachen sich ins Fäustchen und warten auf eine Fortsetzung von American Psycho fürs Poesiealbum. Im Hinterhalt wurde weiter „Geld gemacht“, das ein Ventil sucht. Auch die Dekadenz erreicht einen neuen Höhepunkt – denn wie sonst soll man eine Gesellschaft erklären, deren Probleme sich in Nerds äußern, die im Parlament eine Toilettenanlage für Transsexuelle per Dekret erlassen? Gibt es keine dringlicheren Probleme? Jaja, ich weiß, über Sportwagen zu schreiben bringt die Welt auch nicht weiter…

Sei es drum: Konsequenterweise entstehen auch wieder neue Supersportwagen, die aber für mich leider wenige Parallelen zu den 80ern besitzen.

Sie sind irgendwie völlig aus dem Leim gegangen. Die eigenen Vorgänger der 80er werden karikiert, es wird dem Diktat des „immer mehr“ – „immer schneller“ – „immer breiter“ sklavisch gefolgt. Auch wird sich – und hier sehe ich einen Kontrapunkt zu den eighties – kaum noch an damals erkennbare Designkonventionen und ästhetische Prinzipien gehalten. Proportionen geraten völlig durcheinander, der Einsatz edler Materialien wird nicht selektiv und gezielt betrieben, sondern sie werden im Überfluss in den Innen- und Motorraum „gekippt“. Schade!

Pagani Zonda

Heck eines Pagani Zonda: Ohne Worte. © Creative Commons | Author: banz

Neben dem bemerkenswerten Design des Zonda wirkt der Spyker wie eine Adaption des Themas in den Innenraum. Geht es nur mir so, oder ist da wirklich was über’s Ziel hinausgeschossen?

Spyker Interior

Spyker Interieur: Too much bling!? | © Flickr: Ciorra Photography

Natürlich gab es diesen Trend schon in den 80ern – wer unbedingt kaspisches Ziegenlammleder und kandierte Otternasen im Innenraum wollte, konnte auch damals schon bei den Haustunern der Scheichs vorstellig werden. Grausam verunstaltete Karosserien und Innenräume sind heute noch Mahnmale dieser Zeit, so sie denn einen Zweitbesitzer mit schrägem Geschmacksempfinden finden konnten (es gibt hierzu übrigens die fantastische Seite, geeignet für humorvolle Abende: 1000SEL).

Mercedes Benz 1000 SEL SGS tuning

Mercedes Benz 1000 SEL interieur by SGS tuning © 1000SEL.com

Aber: Die meisten Hersteller haben sich damals damit zurückgehalten, diese Geschmacksverirrungen „von Haus aus“ zum Konzept des Wagens zu verklären. Man hatte seine Abteilungen für diese Schmuddeljobs, hängte es aber nicht so an die große Glocke.

Die Frage ist: Wie geht es weiter? Naheliegend sollte man ja denken, dass die Designstudien von Giugiaro oder Pininfarina aus den 70ern Visionen unserer Zeit sein sollten. Ähnlich weit daneben wie die Herren damals lagen (wenn auch auf eine sehr attraktive weise), werden vermutlich zeitgenössische Studien unsere Zukunft unvollständig vorhersehen.

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die heutigen Modelle ähnlich attraktiv altern werden, wie ein Testarossa, Countach oder M1. Was meint Ihr? Hängen sich Kiddies heute einen Zonda an die Wand, so wie wir früher den Countach?

Der Trend ist für mich klar: „Stil“ im Sinne unserer Väter ist out – lang leben die Geissens!

„ROOOBÄÄÄÄÄRCHT!!!