Es deutete sich schon vor ein paar Wochen mit einem lauen Lüftchen an,  manifestierte sich in einem rasanten Temperatur- und Tageslichtanstieg vor einigen Tagen und spätestens der Blick auf den Kalender nebst Osterwochenende machte selbst meinem eingefrorenem Hirn klar:

Wahnsinn!

Das Jahr ist bereits 4 Monate alt! Frühling! Die Knopsen springen auf! :mrgreen: Jacke aus! Der Fuelbrother streckt das kalkweiße Näschen in den Frühlingswind. Wagen fertigmachen!

Also dachte ich mir, daß das besagte Osterwochenende genügend Zeit für diesen lange ersehnten Vorgang bereithalten würde, nachdem die allseits bekannte Völlerei und die durch den Garten Rennerei beendet sein würde.

Das erste Hindernis stellte sich schnell in den Weg.  Eine Woche zuvor hatte ich bereits die Abdeckung aus japanischem Sperrholz (Serie !) im Beifahrerfußraum entfernt und das darunterliegende Steuergerät nach Hamburg zwecks Umbauvorbereitung geschickt. Da der Umbau auf ein ordentliches Abgassystem mit leichter Ladedruckerhöhung natürlich bis zum Treffen abgeschlossen sein soll und das Umpopeln des Steuergerätes am meisten Zeit in Anspruch nimmt,  sollte das vorab erledigt werden. Natürlich deckte sich der Rücksendetermin nicht mit meinem anvisierten Einbautermin, kurz: Das Steuergerät lag in Hamburg rum.

300 ZX - Holz

Nur das beste für die Füße: Japanisches Holz als Fußraumabdeckung…

300 ZX TT Steuergerät

…darunter Raumschiff Enterprise

Wie gesagt, aufspringende Knospen, Verschiebung der Aktion kam nicht in Frage, also nach Hamburg gebrettert. Den Besitzer der Tuningschmiede zuhause aufgesucht:

Hinterhof, irgendwo Hamburger Umland. Etliche dahinsiechende Autoleichen zwischen einigen bösen Opelz, irgendwo sägt eine Flex ächzend durchs marode Blech. Eigentlich nicht so mein Ding, aber ist wohl nur der örtliche Schraubertreff da und nicht die „richtige“ Werkstatt.  Nach ein einigen Metern in Richtung Flexgeräusch treffe ich auf ein paar Typen, die in einer schmierigen Werkstatt an einem gedopten Supra schrauben. Auf der Werkbank liegt ein Turbolader in Pflanzkübelgröße.

Nach kurzer Begrüßung  und Einweisung ( Das Steuergerät besitzt jetzt einen Schalter, mit dem zwischen Super, Super-Plus und „Hotelpagenmodus“ umschalten kann, dieser muss in bestimmter Art und Weise ans Bordnetz geklemmt werden) steige ich wieder in den Micra und bügel die 150km wieder zurück. So weit, so gut.

Ostersonntag. Nach dem Eiersuchen-Pflichtprogramm und Brunch stehe ich endlich vor meinem Wagen. 1 Stunde später ist das Steuergerät nebst neuer Verkabelung wieder an seinem Platz hinter der Holzplatte. Um den neuen Schalter unaufällig zu positionieren habe ich mittlerweile fluchend die komplette Mittelkonsole auseinandergenommen. Wo ich es grade in der Hand habe, halte ich einmal das Multimeter an die Batterie: 6Volt, na klasse! Nicht nur, das ich Idiot das Abklemmen des Saftspenders vor dem Einmotten vergessen hatte. Das Aufladen der letzten Tage hatte anscheinend auch keinen Erfolg. Also hänge ich den Block nochmal ne Stunde ans Ladegerät und schlage die Zeit mit dem Nachschauen von Kleinigkeiten am Auto tot.

Um es kurz zu machen:  Ja, die Batterie war platt, das teilte mir der Magnetschalter unmißverständlich mit. Klicker, klacker, was haben wir gelacht. Überbrücken hatte auch keinen Sinn, die Batterie nahm keinen Saft mehr an. Also ab ins Lager, Batterie aus dem Regal gewuchtet und eingebaut. Danach der große Moment. Klack, kicher, kicher… WRRUUUUMM! Lebenszeichen! Yes!

Aber sofort stockt mir der Atem: Aus Richtung Maschinenraum ertönt ein lautes Klickern aus Richtung Kopf, welches mit wärmer werdenen Motor immer vordergründiger zu werden scheint (Nein, kein Ventilklickern, viel lauter und langsamer).

Panik! Motor aus.

War das Motorklopfen? Was haben die mit meinem Steuergerät gemacht? Nochmaliges Starten und länger Laufenlassen macht es nur schlimmer. Nach einigen Telefonaten, Rumgefummel mit dem neuen Schalter und 3 halben Nervenzusammenbrücken fahre ich völlig erledigt nach hause. Mit dem Micra.

Die Nacht verbrachte ich mit Grübeln und das böse Klickern verfolgte mich in meinen fiebrigen Träumen.

Ostermontag. Nach einem weiteren Osterbrunch-Pflichtermin inkl. Kinderbespaßung halte ich es nicht mehr aus. Bewaffnet mit Laptop, Diagnosesoftware und Multimeter fahre ich zu Werkstatt. Bestes Hemd und feine Schuhe lasse ich an, werde ihn ja sowiso nicht zum Laufen kriegen. Aber den Fehlerspeicher kann ich ja auslesen. Mittlerweile war ich fest davon überzeugt, daß durch den anderen Chip die Zündung verstellt war o.ä. und es der Meister am Dienstag richten muss. Peinlich und ärgerlich zu  gleich („was hast den da fürn Pfusch eingebaut?“).

Also schraube ich wieder meine Holzplatte auf, rüttel nochmal an allen Steckverbindungen und teste, ob Saft drauf ist. Nach Anschluss des Laptops drehe ich den Zündschlüssel in Erwartung des garstigen Geräusches vom Vortag, starre gleichzeitig auf die Anzeige des Fehlerspeichers und: Er läuft perfekt! Sattes Surren, tiefes Brummen aus den Tüten, kein Qualm! Keine Fehler im Speicher. Unfassbar. Die später per Mail eintreffende Erklärung des Experten: Die selbst nachstellenden Hydrostößel klappern nach über 4 Monaten Standzeit, ist normal. Oder ein Stecker war nicht richtig drin. Aha.

300 ZX TT Anzeigen

Diagnose-Software: Tausend Möglichkeiten, Null Ahnung

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Der nachfolgende Ölwechsel mit freiem Oberkörper ( ich hatte ja nur mein bestes Hemd dabei) und die Fahrt nach hause waren mein ganz persönliches Osterfest, denn was feiern wir Ostern noch mal?

Richtig, Auferstehung!

P.S. Habe jetzt das empfohlene 10W60 Castrol Supi-Dupi-Öl drin, selbst Nissan rät vom 0W…-Öl ab, da mein Motor relativ heiß wird und eh nie im Winter gefahren wird. Erstes Fazit: Öldruck ist höher (logisch) und er läuft etwas „schwerer“. Dafür muss das Öl im Sommer nicht an seine Grenzen gehen. Mal sehen.

P.P.S. Ganz vergessen, meine V-Max Begrenzung ist durch die o.g. Aktion schonmal weg! :mrgreen: