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Burnout


Veröffentlicht am 5. Juli 2017, von Kampfhamster in / Kurzmeldungen. 4 Kommentare

So langsam beginne ich ernsthaft zu zweifeln, ob ich für das Autohobby wirklich geeignet bin.

Es fing alles mit dem Volvo 850 T5-R an. Bei der Gebrauchtwagenbesichtigung hatte ich einen Bekannten dabei, der den ganzen Tag nichts anderes macht als in seiner Werkstatt alte 850er herzurichten; er nickte den Wagen ab, und schon auf der Heimfahrt gab das ABS-Steuergerät seinen Geist auf. In den folgenden 2 Jahren floss der Kaufpreis nochmal für Reparaturen in den Wagen. Ich habe den Kasten wirklich geliebt, aber irgendwann war der Punkt erreicht, wo er mehr Frust als Freude brachte und gehen musste. Ich hab der Karre wortwörtlich hinterhergeheult, als sie endgültig von Hof fuhr.

Dann kam der geerbte Mercedes 560SEC. So schön und imposant die Karre war, sie hatte die Liste „Was verursachen 2 Jahre Stillstand in einer feuchten Tiefgarage für Standschäden“ sehr gut studiert und Punkt für Punkt abgehakt. Nachdem Das Biest tiefe Löcher in meinen Geldbeutel gerissen und sowohl bei den Fehlerbehebungen und dem Verkauf meine Nerven überstrapaziert hatte, führte ich einen Freudentanz auf, als er endlich weg war.

Dann kam der 300 ZX Twin Turbo. Die Fairlady. Mein absoluter Traumwagen, seit ich 15 war. Die ersten 1 1/2 Jahre waren fantastisch – der Wagen ging wie die Pest, hatte keine Mühe, auf der Bahn an Hellmchens Fezza dranzubleiben und machte keine grossen Zicken. Die Autowelt war für mich wieder im Lot, ich war im siebten Youngtimer-Himmel.

Dann liess ich einen TwinChip einbauen. Für alle, die damit nicht vertraut sind: Vor X Jahren beschloss ein ZX32-Enthusiast, das Motorsteuergerät der Fairlady aufzupimpen, um die Soft- und Hardware hochzurüsten, die Motorüberwachung zu erweitern und damit Motorschäden entweder von Vorneherein zu verhindern oder Probleme schneller zu identifizieren. Klingt gut, funktioniert einwandfrei – aber in meinem Fall war es (um Hellmchen zu zitieren), als hätte ich wie Neo in „Matrix“ die rote Pille genommen…

Der TwinChip öffnete für mich die Büchse der Pandora. Plötzlich wurde offensichtlich, warum der Z so gut ging. Irgend ein Vorbesitzer oder dessen Hinterhoftuner hatte manuell den Ladedruck erhöht. Damit die Motorsteuerung nicht in den Panikmodus fällt, den Safetymodus aktiviert und der Z dann plötzlich keine Leistung mehr hat, wurden einfach die Ladedruckregelventile, die im Notmodus den Ladedruck massiv reduzieren und so den Motor vor Schaden bewahren, stillgelegt. Will heissen, ich war fröhlich eineinhalb Jahre im Safetymodus durch die Gegend gebrettert, ohne etwas zu merken. Ganz doll. Ein Wunder, dass mir der Motor noch nicht um die Ohren geflogen war.

Doch das war erst der Anfang. Je tiefer ich in die Fehlersuche und den bis auf den letzten Quadratzentimeter ausgenutzten Motorraum des Z eintauchte, desto mehr Abgründe taten sich auf. Jede zweite Schraube am Motor war nicht mehr original – da war wohl schon mal einiges auseinandergebaut und nur schlampig wieder zusammengeschraubt worden. Der Motorkabelbaum war an mehreren Stellen zusammengefrickelt worden – dem optischen Anschein nach von einem blinden Elektriker und dessen spastischem Lehrling. Alle Stecker waren ausgerissen und nur mit Kabelbindern an ihren ursprünglichen Halterungen befestigt. Dann lief der Motor immer wieder zu heiss, der Einbau eines Hochleistungskühlers, neuer Kühlschläuche und eines frischen Thermostats brachten keine Abhilfe. Und der Motor verbraucht Öl und Kühlwasser – was der VG30DETT normalerweise überhaupt nicht tut.

Und über den weiteren Verlauf meines Planes, mir einen Nissan 100NX GTI zuzulegen und ihn herzurichten, damit ich wenigstens einen fahrtüchtigen und eher pflegeleichten Youngtimer vor der Tür stehen habe: Das Projekt ist schon im Ansatz gescheitert, die ganze Geschichte steht momentan vor der Rückabwicklung oder geht zum Anwalt, wenn der Verkäufer weiter mauert.

Es war – und ist – frustrierend. Vor allem beim Z. Die Fehlersuche und -behebung bei einem 24 Jahre altem Japaner, für die es in Deutschland vielleicht noch 3 bis 5 Personen gibt, die sich wirklich damit auskennen, brachte und bringt mich an den Rand des Wahnsinns. Der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war das Alpenglühen 2017.  Monatelang vorbereitet und geplant, ewig drauf gefreut – und dann fängt der Z am Vorabend vorm Tourstart wieder zu kochen an. Und das, nachdem die 10 Tage davor mit langen Abenden und Nächten im und unter dem Wagen damit verbracht wurden, alle Fehler (vermeintlich) zu beheben. Die Tour dann nur vom Beifahrersitz zu erleben (wobei ich das Penser Joch im Cupra 290 selber fahren durfte – an dieser Stelle ein fettes V-V-T für das entgegengebrachte Vertrauen an meinen BFF Andy) war wie ein Saufgelage mit guten Freunden in einer Whiskeydestillerie zu organisieren, um dann danebenzustehen und an einer Limo zu nippen.

Ich hatte die Schnauze gerissen voll. Nach der Tour wollte ich noch die Front demontieren und nochmal die Wasser – und Ladeluftkühler zu checken und gegebenenfalls zu reinigen. Auf halben Weg verabschiedete sich eine Schraube in die Tiefen des Motorraums und machte es sich auf der Oberseite der unteren Motorverkleidung gemütlich, unerreichbar für Endoskop und Teleskopmagnet. Ich warf nur noch die losen Schrauben von der Front in den Fahrerfussraum, schloss den Z ab und zog das Carcover über die halb auseinandergerissene Karre. Seitdem habe ich den Z nicht mehr angesehen, geschweigedenn angerührt. Ich kann mich nicht mal mehr dazu aufraffen, den Innenraum auszusaugen, oder das Schlachtfeld „schleichender Motorschaden“ systematisch anzugehen, weil ich nicht mal mehr ein letztes Quentchen Motivation dafür aufbringen kann. Der Gedanke, mich von dem Schätzchen zu trennen, treibt trotzdem noch meinen Blutdruck in die Höhe, egal, welche Argumente die BH vorbringt. So sieht also das automobile Burn-Out-Syndrom aus…

Ein kleines bisschen neidisch schaue ich da auf BFF Andy, der erst seinen Mazda 3 MoPS und jetzt den Seat Leon Cupra 290 jahrelang ohne irgendwelche Probleme durch die Weltgeschichte jagte. Neuwagen eben. Und die letzten Fahrzeuge, mit denen ich sorgenfreien Spass hatte, war der Corolla TS (gekauft als Neuwagen) und der aktuelle Familienkombi V70 (übernommen als junger Gebrauchter). Der tut immer noch klaglos seinen Dienst, feiert demnächst sein Zehnjähriges und den Durchbruch der 200.000-km-Schallmauer. Und ich verstehe D.C. jetzt um einiges besser, dessen Trennung von der Traumkiste Sire Slutpot und dem Drang zu einem jungen Gebrauchten letztes Jahr noch für mich völlig unverständlich war.

Keine Ahnung, wohin die Reise mit der Lady noch gehen wird. Momentan bin ich auf Abstand – nix schrauben, nix putzen, nix machen, Beziehungsstatus „Es ist kompliziert“. Aber die Flamme brennt noch etwas – ein Bekannter hat angerufen und mir gesteckt, dass in Unterfranken ein Unfall-Z steht, seit 20 Jahren tot wie der beim Crash umgekommene Fahrer, aber in dem Riesenklumpen Altmetall sollen noch ein guter Motor und Getriebe mit niedriger Laufleistung stecken, und das zum akzeptablen Preis. Mal sehen, eventuell schaue ich mir den nächstes Wochenende mal an…

 




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    Dieses Thema enthält 4 Antworten und 3 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Lord Hellmchen vor 4 Monate, 3 Wochen.

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    • #30231 Antwort

      Kampfhamster
      Mitglied

      So langsam beginne ich ernsthaft zu zweifeln, ob ich für das Autohobby wirklich geeignet bin. Es fing alles mit dem Volvo 850 T5-R an. Bei der Gebrauc… [Vollständigen Artikel lesen unter: Burnout]

      #30232 Antwort

      D.C.

      Hamster, ersteinmal vielen Dank für den tiefen und schrecklichen Einblick in Deine geschundene Autoseele. Wenn das einer verstehen kann, dann ich, da hast Du recht. Ich möchte jetzt nicht in Wunden bohren, aber um es mal so zu sagen – das ist bei Deiner Kauf-Systematik irgendwie leider abzusehen.

      Ich habe mal irgendwann den Spruch gehört, dass man immer den besten Zustand kaufen soll, den man bekommen kann. Der absolute Kaufpreis inkl. der anstehenden Reparaturen und dem nicht einzuschätzenden Ärger ist dann grundsätzlich kleiner, als wenn man anfangs meint ein Schnäppchen zu machen.

      Dass Dein BFF sorgenfrei lebt hat etwas mit seiner Fahrzeugwahl zu tun. Ich vermute die Autos waren grundsätzlich viele Jahre jünger und hatten eine deutlich nachvollziehbare Historie – das ist einfach ein wichtiger Punkt.

      Ich werde aber jetzt die Klappe halten, denn ich mache gerade (also ich meine in diesem Moment!) eventuell auch eine Riesendummheit, die Zeit wird zeigen, ob mein Plan aufgeht.

      #30233 Antwort

      Kampfhamster

      Sich das alles von der Seele zu schreiben war schon mal eine Erleichterung.
      Die NX-Geschichte war sehr heilsam – ich werde in Zukunft einen grosse Bogen um die Karren machen, die üblicherweise bei mir den Helfer-Komplex auslösen. Und richtig, billig kauft man immer zwei mal – wobei der Preis für den Z damals angemessen war, dem äußeren Zustand entsprechend.
      Mein Hauptproblem bei der Lady: ich hatte eineinhalb sehr schöne, ereignisreiche Jahre mit ihr. Eine schöne Urlaubsfahrt bis an die Nordsee mit BH und zwei Kindern, zwei FB-Treffen, mein erstes FoJ, und gut 5000 Kilometer Fahrspass pur, auf denen ich langsam lernte, den Z immer weiter auszureizen, mit Hacke-Spitze und Linksbremsen mich ans Limit ranzutasten und jede Minute in der Karre zu geniessen. Jetzt ist das Verhältnis durch die ganzen Macken getrübt, ich will aber die schönen Zeiten wiederhaben! Nur wird es bis dahin ein langer, steiniger und teurer Weg werden…
      Aber egal, dann komme ich eben mit dem Volvo zum nächsten FB-Meeting. Mein Vorschlag: wenn Vachti auch mit seinem Ingolstädter Pampersbomber kommt, packen wir die ganze Truppe in die beiden Kombis und drehen eine Runde über den Ring! Was die Engländer in ihren Rover 75-Stretchlimos (nur echt mit Nordkoreanischer Standarte!) können, können wir schon lange!

      #30234 Antwort

      D.C.

      Es ist so! Wenn das Geld nicht drängt und Platz da ist, leg eine Kreativpause ein. Bei mir gammelt jetzt seit 1 Jahr der Saab rum und sollte dringend bewegt werden, was ich auch machen werde, genau aus dem Grund. Er ist im Prinzip alles fertig, aber das Getriebe ist immer noch nicht richtig dicht. Das geht nur mit einem Ausbau – und das scheue ich gerade (sowohl finanziell, als auch zeitlich und von der Motivation ganz zu schweigen…)

      Daher – keep calm – enjoy your life (und damit meine ich alles andere…). Der Rest kommt dann – oder Du entscheidest Dich dagegen, aber mach Dich nicht fertig. Been there, done that.

      #30235 Antwort

      Lord Hellmchen
      Mitglied

      Been there, done that.

      Genau. Ich wage zu behaupten, dass jeder hier schon einmal in Deinem Zustand war. Ich persönlich habe beim Z irgendwann einfach aufgegeben. Ich wollte nicht mein Lebensglück von so einem Blechhaufen abhängig machen. Noch dazu weil er eigentlich lief und nur so ein Wert auf der TC Talk Anzeige nicht ganz toll war. Was solls? Wir haben doch die Karren, um damit Spaß zu haben. Man muss sich entkrampfen.

      Jetzt habe ich wirklich Spaß- mit beiden Autos (Oh Gott, wenn ich das so lese, was für ein unfassbarer Luxus). Wenn ich keinen Bock auf das eine habe, nehme ich halt das andere oder auch mal gar keins. Ayrton hat schon recht, ein funktionierendes Gefährt sollte man schon haben, aber das ist halt meine Alltagsgurke. Das Zauberwort ist vielleicht – in jeder Hinsicht- UNabhängigkeit!

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