Wir müssen reden.

Es ist ein schwieriges Thema für uns. Ähnlich einer Darmspiegelung oder dem Urologen. Jeder ahnt es, viele sehen die Vorboten und wehren sich mit immer größerer Selbstdarstellung dagegen, aber in Wirklichkeit sind das alles Rückzugsgefechte eines bereits verlorenen Krieges. Ich spreche von selbstfahrenden Autos. Also dem AUTO-mobil im engsten Wortsinn. Das, was eigentlich schon immer die logische Konsequenz war, aber jetzt kurz vor der Verwirklichung steht. Die Synthese aus These (Individueller Verkehr) und Antithese (Bus, Bahn, etc.). Auf die ideologischen Aspekte dahinter dazu komme ich später zurück.

Vielleicht hilft ein Blick in die Vergangenheit, um die Zukunft deuten zu können. Schauen wir uns mal an, wie die Menschen früher gelebt haben. Beginnen wir vor rund 200 Jahren. Jemand, der etwas war, hatte ein Pferd. Begrifflichkeiten wie „Ritter“, „Kavalier“ entstammen daher. Verbunden war damit einhergehend die persönliche Freiheit – man war kein Sklave, kein Gesinde(l) oder Lehnsmann. Also im Idealfall „sein eigener Herr“ und entschied wohin die Reise führte.

Als vor gut 100 Jahren die ersten (motorbetriebenen Land-) Fahrzeuge aufkamen, teilten diese sich die Straßen noch mit Pferden(& Kutschen). Interessantes Detail: Damals wurden die Verkehrsregeln aufgestellt und ein Leitsatz, den noch mein alter Herr auf dem Land lernte war: „Hott vor Mot!“. Heißt: Pferde(-wagen) haben Vorfahrt. Aus Sicherheitsgründen, natürlich, denn ein Pferd ist einfach schwieriger zu bremsen als ein Auto, und seien die damaligen Trommelbremsen noch so schlecht.

Die Leute haben damals, ähnlich wie wir heute, mit stark gemischten Gefühlen auf die stinkenden und lauten, neuartigen Maschinen im Straßenverkehr reagiert. Man war oft „not amused“ und die Risiken eines Unfalls sind stark gestiegen. Natürlich ist auch vorher schon der ein- oder andere Verkehrsteilnehmer niedergetrampelt worden, doch die steigende Geschwindigkeit und Verkehrsdichte waren doch ein anderes Kaliber.

An dieser Stelle muss man kurz innehalten und sich die heutige Situation anschauen: Eine neue Technologie steht vor ihrem Einsatz. Ihre vordergründigen Ziele sind vor allem: Steigerung der Verkehrssicherheit, weniger Staus, geringere Emissionen. Parallel dazu verlieren die Fahrzeuge ihren Explosionsantrieb und somit ein Ära-prägendes Element. Lauter Verbesserungen gegenüber der letzten Zeitenwende: Laut, gefährlich und stinkend vs. leise, sicher und sauber. Kann doch keiner was dagegen haben, oder?

Das Auto 2.0 steht vor der Tür und wird all das ablösen, was uns (Fuelbrothers & allen anderen Petrolheads) wichtig ist. Das ist keine Drohung, sondern Fakt.

Natürlich kommt jetzt das „Aber“. Ich will gar nicht gegen die technologisch zweifelsfreien Fortschritte schreiben, schon gar nicht als technik-affiner Mensch. Technologie ist jedoch immer nur so gut, wie das System, in dem sie eingesetzt wird. Die Unterscheidung zwischen Gebrauch und Missbrauch ist oft nur Definitionssache der politischen Windrichtung.

Ihr kennt mich – ich will auf das Thema: Kollektivismus vs. Individualismus hinaus. Überspringen wir direkt den Bodensatz der Niederungen von Argumenten über „totale Kontrolle“, „Einschränkung persönlicher Freiheiten“ usw., der selbstredend bei solchen Entwicklungen herabfällt. Reden wir über den Verlust der mobilen Selbstbestimmung. Über den Beschnitt und die Abgabe der individuellen Hoheit über seine Bewegung in Raum und Zeit.

Das Kollektiv übernimmt also die Kontrolle, nachdem es schon medial und politisch regiert, nun wird auch die Mobilität assimiliert. Es gab (gibt), bis heute die Wahl: Zug/Bahn/Bus/Flugzeug (fremdgesteuert, Gruppen) oder Auto (selbst-gesteuert, Individuen). Scheingefechte verschiedener Ideologen haben die Diskussion am Leben gehalten – bis zuletzt. Jetzt hat das Auto verloren – es wird zu einer Art „Bahn“ auf Asphalt.

Ich spinne mal weiter und erinnere an ein paar Punkte, die Ayrton schon im Privaten dazu beigetragen hat:

– Versicherungsprämien werden günstiger für autonome (sic!) Fahrzeuge
– Später: Individuelles Fahren nicht mehr versicherbar (oder sehr teuer)
– Identifikation des „Fahrers“ nur noch über biometrische Daten (Sicherheitsaspekt…)
– „Lustfahrten“ werden verboten
– Dadurch: Markt für diese Fahrzeuge bricht zusammen
– Das Starten ohne Zieleingabe wird unmöglich gemacht,
– digitales Fahrtenbuch Pflicht (anlog schon jetzt bei Selbständigen ohne 1%-Regel)
– denkt euch weitere 1984-esque Ideen aus, sie werden kommen, garantiert.

Wo endet das? Bei Orwell sowieso. Nein, ich meine, schaut euch mal an, was aus den Pferden wurde: Sie werden auf die Weide gestellt, wo sie ein wenig grasen können (wenn sie Glück haben). Andere werden in Rollcontainern auf Reitturniere gefahren (was für eine Ironie), um dort schlechterdings (zu Schanden?) geritten zu werden. Ein Sport für wenige, die es sich leisten wollen (und können).