Der Sommer, mit seinen heißen und schwülen Anwandlungen, macht Mensch und Maschine zu schaffen. Letzte Woche kotzte sich Carl Gustav auf der örtlichen Hauptstraße die Seele aus dem Leib, als der Heizungskühler versagte und schlichtweg eine Arterienruptur produzierte. Heiße Füße und dunkel-blauer Asphalt bei 35° im Schatten, mitten im Berufsverkehr: DingDingDing – Jackpot! Dirk-sei-Dank fand sich meine Unterstützung mit quietschenden Reifen keine 15 Minuten später ein, und kippte nach grummelnder Diagnose und einer Schlauchschellen-Reparatur russischer Bauart 3 Flaschen H2O auf den Kopf, äh Kühlwasserbehälter.

Als ich mir dann zeitweilig auch den Wasserhaushalt des Esprit ansah, bekam ich (zu Recht) schlechte Laune. Porös, mineralisiert, undicht oder gleich ganz kaputt. Beide Veteranen sind also fußlahm zum „Ritter mit dem glänzenden 13er-Schlüssel“ gehumpelt und verstecken sich gerade verschämt auf und neben der alliierten Hebebühne. Kein gutes Vorzeichen für unser Treffen, immerhin ist das Schuhwerk geflickt und neu gewienert, sprich: Felgen wurden überholt und neuer Kautschuk schmückt das Horn.

Das sind dann so die Momente, in denen man sich einfach ein neues, modernes und zuverlässiges Auto wünscht. Jetzt muss ich gestehen, exakt jenes kürzlich verkauft zu haben: Judith Rakers ist weg, sie war zu langweilig.
Passender Ersatz ist immer noch nicht gefunden und eigentlich hatte ich auf mehr Zuverlässigkeit aus Schweden gehofft, ich denke, das kann ich mir wohl altersbedingt abschminken.

Wie in einem meiner letzten Artikel angedeutet, wäre ein junger 911er eine mögliche Option. Jetzt bin ich gerade zufällig über einen aktuellen Artikel im Handelsblatt gestoßen, welcher mir im Einheitsrauschen des Blätterwaldes auffiel. Seit dem 996.2 / 997 gefallen mir 911er optisch wieder recht gut, die Größe passt für den Alltagsnutzen (ein hoch auf die Rücksitze), und auch wenn ich das Thema „Image“ nicht ausblenden kann, überzeugt den Laien doch der Nimbus teutonischer Qualität und Alltagstauglichkeit.

Wie entsetzt war ich, aus nicht nur einem Munde über die Probleme mit den Lokasil-Motoren zu hören, die die Kernkompetenz der Zuffenhausener fundamental unterminierten. Berichte über undichte Kurbelwellen-Simmerringe, häufige Motorschäden und Maximal-Laufleistungen von gemutmaßten 120.000km erschütterten mein Weltbild von Porsche und beraubten mich letzter Illusionen. Sollte ein Engländer mit Toyota-Motor wirklich die bessere Alternative sein? Andererseits, noch ein potentielles Problemkind in der Familie…?!

Jetzt hat natürlich jede Geschichte 2 Seiten und Porsche hat nachgebessert. Seit 2009 gibt es das Facelift-Modell vom 997(.2), welches eine neue Motorengeneration inklusive Direkteinspritzung, exklusive schönem Sound spendiert bekam (man soll die Dinger wohl wegen Kehlkopfdiphterie besser mit Sportabgasanlage kaufen). Möglicherweise werden die 911er-Porsche von 2009 bis 2015 mal wieder „die letzten“ einer Ära sein, denn der nächste, diesmal politisch motivierte, Schwachsinn bahnt sich seinen Weg:

  1. Porsche streicht in Zukunft 2 Zylinder und stattet die Basislinie seiner Sportwagen mit 4-Endern aus. Ich behaupte: Das ist nur der Anfang…
  2. Das Gros der Autos bekommt Turbolader.

„Halt!“ – mag der ein oder andere aufmerksame Leser rufen: „Du fährst doch selber Turbos und schwörst darauf!. Ja, das stimmt. Alte Turbomotoren. Mit Nackenschlag, Loch und Geheule. Mit Drama, Gefahrenpotential, Traktionsverlust und Schub bei Drehzahl. Aus einer Zeit, in der das Turbo-Emblem noch für prä-potenten Wahnsinn stand und mit Stolz Top-Modelle schmückte, möglichst sichtbar für die Angstgegner. Das, was heute in den meisten Fahrzeugen eingesetzt wird, hat mit den Turbos der 80er und frühen 90er nichts mehr zu tun.

Heutige Fahrzeuge sind von medial gehirngewaschenen Marketingleuten entwickelt, die Mutti Müller und Papa Paul als Zielgruppe haben. Die Benzin-Turbos der Neuzeit fahren sich wie Diesel ohne Nageln, dafür mit höherem Verbrauch. Wer will sowas? Genau. Deswegen werden extrem wenig davon verkauft, je größer der Motor, desto weniger. Schaut euch mal die Zulassungszahlen von Audi, BMW und Mercedes an, kaum noch Benziner. Das ist übrigens ein Grund für das Aufkündigen meiner C-Klasse gewesen. Alle Nachteile eines Benziners ohne die Vorteile! Seelenlos = Sinnlos. Dann lieber gleich Heizöl verbrennen.

Und jetzt kommt Porsche, die Peter-North-Marke der Saugmotoren (siehe die letzten 50 Jahre, legendäre Allmachts-Turbos ausgenommen), und schmeißt mutwillig die letzten Reste Charakter aus dem 11er raus und baut diese sicher (lies: langweilig, mies) abgestimmten, neuartigen, kleinen Turbos ein. Lest den Handelsblatt-Artikel, Zitat:

„Damit dürfte der neue Motor eine schaltfaule Fahrweise ermöglichen; die Kehrseite, so Zöllter, ist der über 5.000 U/min nachlassende Schub. Und wer das Fahrzeug per Hinterachse in die Kurve eindrehen lassen möchte, sollte tunlichst darauf achten, den Ladedruck aufrechtzuerhalten.“

->what the fuck, und zwar ausgeschrieben!?!

Baut doch direkt einen Diesel ein?! Erspart uns dieses Rum-ge-Eier! Der Hybrid ist schon in Planung, lese ich da… überspringt doch diesen Mist und kauft lieber gleich bei Tesla die Motoren! Da lernt ihr vielleicht noch was über Beschleunigung! Viel wichtiger sind natürlich die BESCHISSENEN Assistenz-Systeme, die der Porsche-Fahrer unbedingt im Dutzend braucht, denn sein übermotorisierter Rollator könnte sich ja bei artgerechter Nutzung um den nächsten Weidezaun wickeln (man will ja den zwangsweise darauf folgenden Facebook-Shitstorm eines Lokal-Zeitungsartikels unbedingt vermeiden: „Herne: 54-jähriger Arzt verliert auf gerader Strecke Kontrolle über seinen Sportwagen“, hübsch garniert mit Foto von abgerissenem Heck, leider deutlich genug als 911er erkennbar…).

Weiter im Text des Artikels:
Mit dem kleineren, per „Sound-Symposer“ klanglich optimierten Motor fallen die 911-Einstiegsmodelle nicht nur auf dem wichtigen Exportmarkt China in eine erheblich günstigere Steuerklasse, sie konsumieren auch weniger Sprit. 

Also der „Sound_SymPOSER(!)“, die klangliche „Optimierung“ des Motorsounds ist natürlich bei so einer Grütze extrem wichtig.

Damit man den Kastratenfurz einer von 6-Euronormen verstopften Abgasanlage (+Ekel-Turbo) künstlich hörbar machen kann. TOLL! Wenigstens ist dann die chinesische Steuerklasse niedrig, denn das ist ja die primäre Zielsetzung bei der Entwicklung eines legendären Sportwagens: Chinas Millionärs-Söhnchen, die das Ding um Shanghais-rush-hour herum im Stop-and-go an der Ampel immer mit aktiviertem „SOUND-IM-PO-ser“ zur nächsten Karaoke-Bar quälen. Denen ist die Steuerklasse und der Verbrauch von 7.5L natürlich enorm wichtig, sicher Dicker. Man fragt sich wirklich, ob so etwas dem Hitze-Delirium geschuldet, oder mehr so „aus Versehen passiert“ ist.

Was stimmt nicht mit der Welt? Was soll das? Sind denn alle verrückt geworden?

Mund abwischen, weiter geht’s: Ich kann mir sehr gut den 997.2 & 991.1 als wieder mal „letzten seiner Art“ vorstellen. Nach dem Optik-Tief der aufgeschlagenen Spiegeleier und dem Qualitäts-Tief der Schoko-Motoren ein möglicherweise sehr interessantes Auto.

Es kann nur noch schlechter werden.

Werde ich mir einen kaufen? Ehrlich gesagt – ich weiß es nicht. Ich bin am WE mit einem Ford Focus(…ja ich weiss!) 1000km gefahren, er hatte allen Komfort, den ein Wagen haben kann. Für 70€ Leihgebühr (inkl. Mwst und 2. Fahrer!). Spitzen-Navi, Prima-Entertainment, Eiskalte-Klima, etc. Um damit am Kreuz Karlsruhe im Stau zu stehen, reicht’s völlig!

Mit Diesel.

Für alles andere habe ich meine Klassiker, auch wenn die sich ab und zu übergeben müssen.

P.S.: Der Cayman GT4 rettet Porsche für mich. Ein absoluter Traumwagen. Leider für mich unerschwinglich und auch schon ausverkauft.