Honda NSX 2015

Der neue Honda NSX 2015 | © autoevolution.com

Nun ist er also raus. Der Wagen, der für Honda einen historischen Punkt markiert – die Rückkehr ins Segment der Supersportwagen. Auf den Spuren von Toyota mit dem LF-A und mit viel Rückenwind der eigenen Tradition (der alte NSX ist eine Legende…) versucht sich Honda nun an einer Neuauflage am obersten Ende der automobilen Fresskette.

Die Enttäuschung konnte für mich nicht größer sein, als ich die ersten Bilder des neuen NSX gesehen habe. Während zeitgleich Ford (die Firma, die eigentlich gerne immer wieder für gruseliges Design im Mainstream bekannt ist, Stichworte: New Edge, Innenräume, Aston Martin Grill auf einem Fiesta, etc. pp.) einen neuen GT auflegt, der einem förmlich die Falten aus dem Sack zieht, leistet sich Honda einen fulminanten Schlag ins Wasser.

Der alte NSX hat es geschafft, durch eine elegante, schörkellose aber dennoch unverwechselbare Form einen Platz in der Geschichte der begehrenswertesten Sportwagen aller Zeiten zu erhaschen. Nicht nur wegen seiner damals herausragenden Technik und Ayrton Senna als Patron – sondern auch wegen seiner Form. Die typische und prägnante Seitenlinie mit einem etwas zu lang wirkenden Hinterwagen löste beim Betrachter alle positiven Assoziationen aus, die ein Mittelmotor-Sportler nur erzeugen kann.

Honda NSX

Bild aus geschmackvolleren Tagen: Honda NSX vor Facelift | © classics.honestjohn.co.uk

Wie generisch, wie über-bemüht Alle und gleichzeitig Keinen zu zitieren, wie mutlos und geradeheraus fragwürdig (vor allem die Front, soll das das neue Markengesicht sein?!) ist bitte dieses neue Auto gezeichnet. Und dann der Innenraum: Sitze mit schwarz-rotem Bi-Color-Leder direkt aus der Gruselkammer der späten 90er-Jahre Zubehörkataloge. Was stimmt nicht mit Euch, Honda-Designer? Wo kommt ihr her, wo wollt ihr hin?

Während die meisten westlichen Hersteller sich bemühen, so etwas wie eine Konsistenz und evolutionäre, markenprägende Entwicklung der Außenhülle zu betreiben (manchmal auch etwas übertrieben – Porsche 911), so ist diese Idee bei den meisten Japanern scheinbar Teufelszeug. Nur so ist zu erklären, warum immer wieder mal sehr gelungene Designprodukte entstehen (NSX I, 300Z,…), singulär, quasi „aus Versehen?“, während in der Regel Charles Manson den Zeichenstift schwingt.

Hat sich einer von Euch mal die aktuellen Modelle von Honda, Toyota und Nissan genauer angeschaut? Nein? Soll ich euch auch sagen warum? Weil es nicht geht. Man bekommt Augenschmerzen von dem Versuch des Sehapparates einen Punkt zu finden, an dem man sich „festgucken“ kann. Irgendeine Linie zu einem Ende führen, eine Aussage treffen, ein Gesicht schaffen kann doch nicht so schwer sein?

Ich habe einmal ein Interview mit einem japanischen Autodesigner gelesen, das vielleicht ein Stück weit Erklärungsansätze liefern kann. Ich glaube es ging um den Designer des damals „neuen“ Honda Civic (der sehr futuristisch schien). Sinngemäß sagte er: „wir versuchen immer wieder etwas neues zu schaffen und die Zukunft nicht mit Zitaten aus der Vergangenheit zu belasten“. Also ein sehr radikaler Ansatz, der das Neue dem Vorhandenen vorzieht und es sogar negiert. Ein für unsere Augen und Designphilosophien sehr schwer nachzuvollziehender Ansatz.

Warum muss man in einem Land, dessen vermeintlich höchstes Ziel ist, menschenähnliche Roboter zu erschaffen, das Automobil so schlimm versachlicht und neutral halten? Kann mir jemand diesen Widerspruch erklären?

Schlimmerweise passt die Technologie überhaupt nicht zum Design. Die ist nämlich allerhöchste Spitzenklasse.

Man stelle sich vor, Honda (eine Firma übrigens, die einen exzellenten Ruf besitzt), hätte in der Automobilsparte so etwas wie eine eigene Designsprache, die, gerne Asiatisch (!), sich evolutionär entwickelt und zum technisch sehr hohen Anspruch der Marken passt? Gute Nacht USA. Fürchte Dich, Deutschland. Aber so…

Hier gehts zur Galerie des neuen NSX auf Spiegel Online