Nachdem letztes Jahr der Motor im 11er überholt wurde lief die Kiste wirklich excellent: mehr Druck in allen Lagen, über 6000/min bis zum Begrenzer hat der Motor nochmal ein richtiges Feuerwerk abgebrannt. Schub war also da, und auch sonst war alles gut: 2015 hab ich knapp 10tkm mit dem 964 gesammelt.

Noch bevor der Motor überholt wurde hatte ich mich beim Getriebespezialisten vorgestellt: irgendwie war da dieses Geräusch vom Wandler, und die Schaltvorgänge waren manchmal etwas zu „verschliffen“, was bei einem Automaten kein gutes Zeichen ist…..außerdem würde der Motor samt Getriebe ja sowieso bald rauskommen, deshalb wäre es ja sinnvoll sich auch das Getriebe anzuschauen. Der Spezialist hat abgeraten: eine ZF4HP ist unkaputtbar, meine schaltet wunderbar, im Öl ist kaum Abrieb. Also nur ATF und Filter gewechselt. Hab ich wahrscheinlich mal wieder nur das Gras wachsen gehört….das klopfende Geräusch vom Wandler hab ich mit dem Radio eliminiert.

Ende August, 34°, Stau auf der AB….der Stau löst sich auf, aber der 11er fährt nicht los: kein Kraftschluss. Dann doch Kraftschluss aber wilde Gangsprünge, es riecht nach verbranntem Öl. Was dann kommt kennt ihr alle: Standstreifen, „schwarze“ Ausfahrt, ADAC, nachts um 11 vor der Werkstatt abladen. Besonders schön sind die Kommentare pensionierter Oberstudienräte & Konsorten wenn ein 11er auf den Abschlepper gezogen wird- das ist für die wie Geburtstag und Weihnachten zusammen: „kommt davon wenn man so ein Auto fahren muss“.

Die „Obduktion“ am nächsten Tag war wie erwartet ernüchternd: alles voller Abrieb und auch Späne….so viel dass der Filter verstopft war und die Ölpumpe keinen Druck mehr aufbauen konnte. Das Getriebe musste raus und mangels Zeit meiner Werkstatt zum Automatikspezialisten (Tip aller Taxifahrer in der Region). Dessen Fazit war noch etwas ernüchternder, das Telefonat begann mit „sieht man so nicht alle Tage…“- neben allen Kupplungslamellen an der Verschleißgrenze hatte sich ein Rollenlager zerlegt und war nach und nach durchs Getriebe gewandert ( Stichwort „klopfendes Geräusch“). Ein Planetenradsatz war ausgeglüht. Immerhin war alles überholbar, sogar der Wandler konnte gerettet werden (auch die Kupplung im Wandler war bis auf´s Metall runter). Tip im Nachhinein: Automatikgetriebe hassen es bei hohen Temperaturen ewig in „D“ im Stau zu stehen. Ab und zu mal in „N“ schalten senkt die Temperatur im Getriebe wohl enorm.

Was genau passiert ist, ist unklar: entweder ist das Getriebe zu heiß geworden (zugesiffter ATF-Kühler) und daraufhin haben die Kupplungen sich aufgelöst, den Filter blockiert, das Lager zerstört oder andersrum und das Lager ist zuerst kaputtgegangen und hat so die hohen Temperaturen verursacht. Ist schlußendlich ja auch egal…

Beim Einbau kamen dann noch die üblichen Kleinigkeiten: der Anlasser wurde überholt, die Ventildeckel abgedichtet, das Ventilspiel eingestellt, Ölwechsel…..dann ist die Leitung zum ATF-Kühler zerbröselt, der ATF Kühler selbst wurde auch ersetzt (war mir zu riskant den alten zu verwenden- war als original Porsche ET sogar erstaunlich günstig) und dabei ist auch klar geworden weshalb der 11er immer etwas zu heiß geworden ist: der ATF-Kühler sitzt direkt (5mm) vor dem Motorölkühler im vorderen, rechten Radhaus. In den Spalt läuft Öl (weil die Schläuche chronisch undicht sind), Dreck kommt von vorne sowieso dazu und dann bildet sich eine teerartige Siffe-Schicht zwischen den Kühlern…ganz übel. War wohl eine eklige Arbeit das wieder sauber zu bekommen.

Nach 8 Wochen in denen der motorlose 964 im Hinterhof der Werkstatt Moos angesetzt hat war endlich wieder alles fertig: Auto läuft und das Getriebe schaltet 1a! Die Saison ist noch nicht ganz vorbei und ich nutze den 964 jetzt so lange es geht noch als Alltagsauto. Rein interessehalber hab ich mal geschaut was mich ein zweiter Radsatz mit Winterreifen kosten würde…