Endlich: nach (viel zu) langer Zeit bin ich nun auch ein Autobesitzer geworden. Wenn mir jemand im Alter von 9 Jahren erzählt hätte, dass ich dies erst im fortgeschrittenen Alter von 31 Jahren werde, hätte ich sicher energisch mit dem Kopf geschüttelt und demjenigen absolute Realitätsferne attestiert. Wenn mir jemand mit 22 Jahren erzählt hätte, dass mein erstes Auto ein 10 Jahre alter PKW mit 100.000km ist, hätte ich sicher mit dem Kopf geschüttelt und demjenigen meinen Kaufvertrag für eine E-Klasse, 320CDI gezeigt. Tja, aber dann kam doch alles ganz anders.

Die meisten hier kennen ja meine Mercedes-vorgeprägte Geschichte. Alle Familienmitglieder arbeiten/arbeiteten bei Mercedes, natürlich Abteilung Maschinenbau. Und nach meinem Maschinenbaustudium und meiner kurzen Zugehörigkeit zu dem Konzern habe ich Ende 2000 tatsächlich eine E-Klasse bestellt (im Firmenangehörigengeschäft). Damals kam die neue E-Klasse heraus und das Kontingent für Firmenwagen ist in so einem Fall immer begrenzt. Ich durfte eine bestellen und hatte mich für einen schwarzen E320CDI entschieden (W211). Damals war das der stärkste Seriendiesel bei Mercedes (204PS), den 400CDI gab es leider nicht direkt zum Zeitpunkt der Markteinführung. Die Ausstattung: Fully loaded. Außer Navigationssystem war alles drin was drin sein konnte. Statt dem üblichen Wurzelnussholz für die Zierleisten hatte ich Vogelaugenahorn bestellt. Der Wagen war komplett schwarz, mehr schwarz ging in der Serie nicht. Das Auto wurde für mich produziert und bereitgestellt, ich bekam den entsprechenden Brief, dass ich ihn in Sindelfingen abholen könne. Aber dazu kam es nie.

Wie die meisten hier wissen entschied ich mich dann noch mal zu studieren: Architektur! Ich bestellte den 320CDI ab (ich musste 200DM Stornogebühr zahlen, weil er bei Mercedes wie von mir bestellt auf dem Werksgelände stand).
Mit dem Entschluss nochmal zu studieren kam auch der logisch Entschluss den Familienzweitagen GolfII weiterzufahren bis nichts mehr geht. Anfang 2008 ging wirklich nichts mehr und er wurde für 200EUR verscherbelt. Dann war ich auf Leihwägen und den ÖPNV angewiesen. Doch der Wunsch nach einem eigenen Auto wuchs und wuchs. Dank Beamer und Designfighter war mir klar: es muss ein Cabrio sein. Meine weiteren Randbedingungen (die hier schon einige Male ausführlich diskutiert wurden) machten die Suche nicht einfacher. Zuerst schien es ein Z3 zu werden. Aber schließlich bin ich zu den Familienwurzeln zurückgekehrt. Es musste eben doch ein Mercedes sein: Schließlich war das erste Cabrio in dem ich je saß eine G-Klasse (da war ich 8 Jahre alt)!

Man kann über Mercedes sagen was man will, auch wenn einige hier im Forum der Marke eher kritisch gegenüberstehen, es gibt durchaus gute Autos, die auch nach nicht Mercedes-Typischen Kriterien gut abschneiden. Der SLK hat den Cabrio-Markt, der lange Zeit im Volumensegment von Mazda dominiert wurde, wieder aufgemischt. Ich erinnere mich noch an die Weltpremiere der Studie: Er wurde in der Late-Night Show von Thomas Gottschalk von Dieter Zetsche präsentiert (damals stellvertretendes Vorstandsmitglied). Es war das erste Mal, dass es eine PKW-Weltpremiere von Mercedes gab, die nicht auf einer Internationalen Automobilmesse stattfand, sondern im Fernsehen, ohne Vorankündigung. Ich saß damals mit 16 Jahren mit offenen Mund vor dem Fernseher und wusste: Das wird mein erstes Auto! Gut, ich ging davon aus dass dies mein erstes Auto mit 18, 19, sagen wir 20 Jahren wird. Und natürlich ein Neuwagen oder von mir aus ein Jahreswagen…. aber die Geschichte habe ich ja schon oben abgehandelt. Die Studie die damals präsentiert wurde, wurde von Zetsche als „sehr seriennah“ dargestellt. Gottschalk fragte noch was das denn heißen soll und Zetsche sagte: Alles was man jetzt von außen sieht, wird auch in der Serie so aussehen. Damals dachte ich mir dass dies wieder mal nur leere Mercedes-Versprechungen sind. Mir war klar: Die Powerdomes kommen niemals so in die Serie. Aber er hatte recht. Alles was damals zu sehen war, war auch beim R170 so in der Serie. Einzig die Form der Scheinwerfer wurde leicht modifiziert.

Soviel zur Vorgeschichte. Denn so revolutionär der SLK für Mercedes war, so problematisch war das Zusammentreffen dieses Autos, das für eine junge Käuferschicht gemacht worden war, mit den tatsächlichen Käufern.

Ein Problem beim R170 sind die Erstkäufer. Damals war silber die Farbe für einen Mercedes. Na gut, ist nicht so mein Ding, aber wäre ok gewesen. Aber die Käufer haben sich in den 90igern zusätzliche zu der Außenfarbe von den Mercedes-Designern dazu überreden lassen eine rot-schwarze Lederkombination zu bestellen. Hinzu kommen die falschen CFK-Verkleidungsteile im Interieur: Sieht „jung“ aus, sieht nach „echtem Motorsport“ aus. Pustekuchen!

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„Sportliches“ SLK-Interieur: Man beachte das rot-schwarze Lenkrad und die Kunststoffteile

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Ein Mercedes?

Ein Mercedes ist und bleibt ein Mercedes. Es ist kein kompromissloser Rennwagen. Es ist immer noch ein komfortables, edles Auto. Manchmal auch mit viel PS. Aber selbst wenn man einen CL600 fährt: es ist kein Sportwagen, auch wenn er 0-100 in 4,6s macht. Er fährt sich so butterweich und versucht durch ActiveBodyControl die Fahrdynamik für den Fahrer nicht (!!!) erlebbar zu machen, so dass 4,6s wieder komfortabel sind: Ich bin mal mit einem CL500 120km/h gefahren war aber absolut sicher dass es 60 oder 70km/h waren, bis mein Beifahrer mich leicht nervös darauf aufmerksam gemacht hat.

Daher hat sich die Suche lange gezogen. Es gab immer einen Haken: Leder rot-schwarz war immer ein Ausschlusskriterium. Vor dem Facelift bedeutete das auch noch ein zweifarbiges Lenkrad. In einem Mercedes! Der Kauf war dann ein Zusammentreffen von vielen Zufällen. Ich war über Weihnachten im Ruhrpott und Bonn. In Mobile.de sah ich das Angebot. Es war wirklich bemerkenswert. Aussenfarbe schwarz. Innen schwarzes Leder. Zierteile aus Vogelaugenahorn (schwarz). Ein Fahrzeug aus dem Jahr 2000, also Facelift: schöneres Lenkrad, 6 Gänge statt der hakeligen 5-Gang-Schaltung vor dem Facelift. Der 230Kompressor mit 197PS ergibt ein Leistungsgewicht von 7,030 kg/PS, damit liege ich leider hier im Forum ganz weit abgeschlagen, aber gut, ein Mercedes muss eben kein Sportwagen sein.
Da ich sowieso in der Nähe war habe ich beim Verkäufer angerufen. Hat sich nicht gemeldet, ich habe ihm dann auf die Mailbox gesprochen. Am Tag drauf bin ich planmäßig wieder zurück nach Stuttgart. An diesem Abend meldet er sich dann: er habe den Anruf verpasst, war außer Haus. Wir haben über den Wagen geredet, es hat alles einen guten Eindruck gemacht. Aber: Stuttgart – Ruhrpott nur um ein Auto zu besichtigen? Nein. Am selben Abend rufe ich eine Freundin an um was trinken zu gehen, sie kann aber nicht weil sie am Tag drauf nach Bochum fährt: Starlight Express. Also ich: alles klar, ich komm mit bis Bochum. Am nächsten Tag Geld abgehoben hochgefahren. Für eine Rückfahrt ohne SLK hatte mir auch der Zufall zugespielt: Atze wollte am folgenden Tag von Bochum nach Zürich fahren. Bei dem konnte ich pennen. Wir sind leider erst abends in Bochum angekommen, es war schon dunkel, mit Atze bin ich zu dem Besichtigungstermin gefahren. Der SLK-Verkäufer hatte für den folgenden Tag schon einen Termin mit einem anderen potentiellen Kunden (angeblich). Also habe ich mir das Auto nur im Tankstellenlicht angeschaut (ich weiß: so was macht man nicht!!!). Aber ich war schon vom ersten Moment an hin und weg als er den Wagen aus der Garage gefahren hat: In dem Moment wusste ich schon dass ich den Wagen kaufen würde, ich glaube ich hätte den Wagen selbst dann mitgenommen wenn das Tankstellenlicht kaputt gewesen wäre.

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Das Interieur: Ein Kaufgrund, schließlich hat man es permanent vor Augen! (copyright AL)

Der Wagen ist bis auf zwei Einträge immer bei Mercedes beim Kundendienst gewesen. Der Innenraum war so gepflegt wie ich es noch bei keinem SLK (oder Z3) gesehen habe. Kaum Sommersprossen (abgeplatzte Kunstoffoberflächen im Innenraum), Ledersitze in einem Superzustand. Einzige Mankos aus meiner Sicht: der Heckdeckel öffnet nicht komplett von alleine, die Dämpfer müssen erneuert werden. Und während der Probefahrt auf der Autobahn gab es aus meiner Sicht erhöhte Windgeräusche ab 130km/h. Ich habe mit der Hand die Scheiben während der Fahrt abgefahren aber nicht gespürt dass irgendwo Wind hereinkommt. Nach der Probefahrt habe ich einen Kumpel angerufen mit dem ich die letzte SLK-Probefahrt durchgeführt hatte. Ich hab ihm von den Windgeräuschen erzählt und er sagte mir dass ich bei der Probefahrt auch die Windgeräusche beanstandet hätte: Also vielleicht einfach normal beim SLK? Ist ja schließlich immer noch ein Cabrio! Ich habe es nun erst mal so hingenommen. Weitere Mankos: das Auto ist nicht ganz Serie: etwas tiefergelegt mit einem Eibach-Federsatz (angeblich sind die AMG Federn auch Eibach Federn, konnte ich bisher aber noch nicht eindeutig verifizieren), sowie Distanzscheiben, da im Moment vorne und hinten die gleichen Reifen drauf sind. Und das Original Radio wurde durch ein Kenwood ausgetauscht. Allerdings hat das Kenwood eine Bluetooth Freisprecheinrichtung (sowas ist echt praktisch!) und hat einen USB Anschluss. Die Original Federn habe ich beim Kauf mitgenommen. Das Original Mercedes-Radio habe ich nicht mitgenommen, das ist beim verhandeln weggefallen. Aber das kann ich im Zweifelsfall auch bei Ebay nachkaufen. Und das gute an dem Kenwood Radio: ich konnte nach dem Kauf direkt meinen USB-Stick anschließen und direkt beim „Aus-der-Ausfahrt-Fahren“ folgendes laut aufdrehen:

Und sonst? Ich war etwas enttäuscht von den 197PS auf der Probefahrt. Ich hatte das Gefühl, dass der SLK200 Kompressor R171 (SLK zweite Generation) von einem Freund, den ich zwecks Überführungsfahrten im Frühjahr und Herbst immer ein paar Wochen fahre, besser zieht obwohl der nur 163PS hat und (ich glaube) etwas mehr wiegt. Allerdings muss ich sagen ich bin noch nie nach einer Probefahrt aus einem Auto ausgestiegen und habe gesagt: „Wow der zieht ja echt!“. Das ist wahrscheinlich auch eine Tatsache die meiner automobilen Vergangenheit geschuldet ist…… aber dazu kommen wir später nochmal.

Nach der Verhandlung, bei der ich nur 5% rausschlagen konnte kam aber noch ein weiteres Problem auf: Die Sommerreifen auf Mercedes-Alufelgen passten natürlich nicht in den SLK. Mit den Original Mercedes-Federn im Kofferraum passte kaum ein (!) Reifen in den Kofferraum. Daher haben wir die Reifen erst mal in Atzes Citroen Berlingo geladen und sind dann mit beiden Autos zu seinem Vater gefahren. Mittlerweile war es schon 22Uhr. Ich habe den Kumpel der den R171 besitzt angerufen. Er arbeitet bei einer LKW-Leasinggesellschaft und hat gute Kontakte im LKW-Bereich, ich dachte vielleicht könnte er mir weiterhelfen. Da die LKWs dort verleast werden haben die nur alle 2 oder 5 Jahre mit ihren LKWs wirklich was zu tun, eben wenn ein Leasingvertrag beginnt oder ausläuft. Ich hatte gehofft über seine Kontakte könnte ich einen Transporter billig mieten, aber nein, die hatte er nicht, dafür etwas anderes. Zufällig lief am nächsten Tag der Leasingvertrag von 2 Sattelzugmaschinen mitsamt Auflieger aus, Standort der LKWs: Herne! Die beiden LKWs sollten abgeholt werden und leer nach Süddeutschland in die Zentrale gefahren werden. So kam es dass Atze und ich uns am nächsten morgen um 8Uhr auf einem LKW Parkplatz wiederfanden. Der SLK nur mit den Federn im Kofferraum, der Citroen mit den Sommerreifen. Als dann die beiden Sattelzugmaschinen auf dem Parkplatz auftauchten um meine 4 Reifen mitzunehmen war das schon ein geiles Gefühl: Türen auf und die 4 Reifen in den komplett leeren Laderaum rein. Und dann mit dem (fast) leeren SLK ab gen Süden.

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Sommerreifen werden verladen (copyright AL)

Ich habe dann einen Zwischenstopp in Bonn eingelegt (Freundin besuchen) und Koblenz (Mittagessen + D.C. leider verpasst).

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SLK in Koblenz (copyright AL)

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(copyright AL)

Auf der Autobahn hat es in Strömen geregnet und ich musste schon das erste Problem feststellen: Ab 130km/h tropft es im 10Minuten Takt an der Fahrerseite an einer bestimmten Stelle herein (allerdings war der Regen wirklich heftig, D.C. kann berichten, war zu der Zeit ja auch auf der Autobahn). Ich habe mich allerdings schon im SLK-Forum kundig gemacht, es gibt bestimmte Punkte die ich überprüfen muss (geht aber nur mit offenem Dach und im Moment ist es vereist). Vielleicht sind nur ein paar Abflüsse verstopft, das wäre dann einfach zu beheben. Von der Leistung bin ich immer noch nicht ganz überzeugt, allerdings muss ich sagen dass er bei 160 noch ganz mühelos auf 200 kommt (eingetragen ist 240). Mehr wollte ich bei dem Wetter nicht fahren, aber ich muss demnächst Testen ob er wirklich auf die 240 kommt.

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Strömender Regen auf der Überführungsfahrt (copyright AL)

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Ohne Nummernschilder bei der Zulassungsstelle (copyright AL)

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Im Alltagseinsatz…. (copyright AL)

Auf der Fahrt habe ich mit D.C. telefoniert, ich habe mich über die Windgeräusche beschwert und er hat meinte nur ich muss mich nun einfach mal auf einen Gebrauchtwagen einlassen. Es ist nun mal kein Neuwagen. Auf den letzten Kilometern nachhause musste sich dann aber doch meine Mercedes-Vergangenheit vor mir aufbauen: Vor mir fuhr ein leicht getarnter SLS AMG Versuchswagen her, fast bis vor die Haustür.

AL

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