Design ist ein schwieriges Wort. Jeder versteht etwas anderes darunter, in verschiedenen Sprachen wird es für teilweise recht unterschiedliche Tätigkeiten benutzt und der Beruf des ‚Designers‘ sagt ersteinmal nichts über die eigentliche Tätigkeit des betreffenden aus. Womit wir auch schon beim Kernproblem des Artikels ankommen. In Zeiten, in denen jede Putzfrau eine ‚facility-cleaning assistant-manager‘-in ist und ’nail & french-designerin‘ zur ernsthaften 1-Euro Job-Alternative für abgehalfterte, rauchende Vokuhila-Blondinen aus den 80ern geworden ist, kann also jeder ‚Designer‘ sein.

Wer hat mit diesem Unsinn eigentlich angefangen? Waren es die ach so hippen ‚art-directoren‘ in den Werbeagenturen der 80er, die sich mega-wichtige Titel untereinander geben wollten, oder doch die dot-com-Blase mit den ganzen IT-Architekten und database-specialist-analyst-desigern. Klar, klingt hipper als ‚Datenbank Administrator‘ oder ‚Informatiker Fachrichtung Programmentwicklung‘. Sicher Dicker.

Ein ‚Webdesigner‘ gestaltet also heute Internetseiten (gerne auch mal mit Frontpage und Coreldraw), ‚Hairdesigner‘ kämmen gern‘ mal durch und bei manchen Autofirmen hat man den Eindruck, dass die Buchhaltung auch mal den Stift für das neue Modell in die Hand bekommt. Als ‚car-designer‘.

Eine Automarke, bei der ich diesen Verdacht habe, ist die, deren Autos ich immer auf dem Weg in meine Muckibude ertragen muss. Ich habe mich seit Carlos Sainz und einem Modell namens ‚Supra‘ nicht mehr mit dem Label beschäftigt, zu nichtssagend und unauffällig sind die Produkte. Nicht ein Punkt, an dem man sich aufhängen kann. Keine Linie oder Kurve, die etwas in einem auslöst. Keinerlei Historie in der Gestaltung, keine Identität, kein Charakter, nichts, ausdruckslose Augen (äh, Scheinwerfer) blicken einen hundertfach an, automobile Zombies sozusagen.

Ein Vergleich mit den Figuren aus ‚Die Körperfresser kommen‚ ist durchaus angebracht und scheint legitim.

Irrwitzigerweise hat der Konzern dieser Fahrzeuge auch eine „Premiummarke“ auf den Markt gebracht, die es mit Charakterköpfen wie Jaguar, BMW und Mercedes (ja immerhin!) aufnehmen soll. Und jetzt kommts: Auch hier – nichts. Die Autos sind noch gefälliger, noch austauschbarer, noch … mir fehlen die Worte, aber es hatte was mit sanitären Anlagen und der Kanalisation zu tun.

Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen: Diese Marke baut einen der teuersten und aufwändigsten Supersportwagen aller Zeiten. Mit – genau (!) – dem gleichen generischen Design. Beziehungsweise der Vorstellung von etwas „aufregendem“, wie sich ein Buchhalter eben kreativ etwas „aufregendes“ ausdenkt. Nichts gegen Buchhalter, aber Designer sind ja bekanntlich auch oft schlecht mit Zahlen, daher…

Tja, ein gutes hat die Marke, sozusagen ein ‚Bleibe- und Existenzrecht‘. Sie bauen recht brauchbare und zuverlässige Motoren. Auch wenn es in letzter Zeit etwas Wirbel gab, wegen Amerikanern, die Gas und Bremse verwechselt haben (und das ist wieder eine andere Geschichte). Aber ob das reicht?!

Nein.

Nicht-Design

©Thomas Dörfer | creative commons