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Es gibt im Leben einige Konstanten, die sich in der jüngeren Vergangenheit zerlegt haben. Dazu gehört die psychisch und physisch klare Unterscheidbarkeit zwischen Mann und Frau, politische Ausrichtungen von Parteien und nicht zuletzt: Das Markenverständnis und Produktangebot von Autoherstellern.

Ich muss den Leser jetzt nicht sooo furchtbar weit in die Vergangenheit entführen, um ein gewisses „Bauchgefühl“ für bestimmte (Auto-)Hersteller aufkeimen zu lassen. Die späten 80er und frühen 90er werden vermutlich in einer nicht allzufernen Zukunft einmal als „das goldene Zeitalter“ der jüngeren Vergangenheit gelten. Vieles war „noch in Ordnung“, der Feind saß im Osten und die Geschlechter waren getrennt. Ging man in dieser Zeit in ein Autohaus, wusste man ganz klar, was einen dort erwartet.

Bei BMW – zum Beispiel – erwartete einen ein technisches Ambiente, der Filterkaffee der Empfangsdame und wunderbar männlich gezeichnete Karosserien – gepaart mit leistungsstarken Motoren. Diesel gab es zwar auch, aber die waren eher für die grauen Buchhalter und galten als „Notlösung“. Der Motor saß vorne, die Antriebsachse hinten und der Klang musste sich nicht verstecken, ganz im Gegenteil. Wenn man die finanziellen Mittel hatte, musste es ein Sechszylinder sein.

Ich will jetzt nicht in den Tonfall des „früher war alles besser“ verfallen, sondern nur darum bitten mir gedanklich zu folgen.

Worum geht es eigentlich? Um KLARHEIT. Eindeutigkeit. Aussage. Diese Eigenschaften fehlen heutzutage nicht nur Autoherstellern, sondern man trifft sie in leider sehr vielen Lebensbereichen NICHT mehr an. Ecken und Kanten sind nicht erwünscht. Äußert man sich politisch unkorrekt, ist man gemieden. Kleidet man sich komisch, ist man ein Freak. Raucht man, ist man entweder asozial oder ein Idiot, am liebsten gleich beides. Karriere macht man nicht mit einer Meinung, sondern durch das Fehlen von Aussagen. Unsere blasse, politische „Führungsspitze“ ist da Paradebeispiel. Franz-Josef Strauss? Heute undenkbar.

Zurück zum Auto. BMW stand einmal für etwas, und zwar für eine ganze Menge: Fahrdynamik. Starke, klangvolle Motoren. Heckantrieb. Benzin. Motorsport. Erfolg. Männlichkeit. Ingenieurskunst. Autobahn. Deutsche Wertarbeit (darf man das heutzutage überhaupt noch schreiben???!).

In einer Zeit, in der sich Paradigmen ändern und vieles, was über Jahrzehnte gegolten hat plötzlich „falsch“ oder „deplaziert“ wirkt, sind einige der genannten Attribute fast schon anachronistisch.

An diesem Zeitenwechsel leiden viele – nicht nur Menschen, auch Unternehmen. Für mich befindet sich BMW in diesem Zusammenhang an einem totalen und existentiellen Scheideweg. Hop oder Top. Die derzeitige Produktpolitik lässt einen „Traditionalisten“ völlig verwirrt auf den Showroom blicken. Ökomobile mischen sich mit Dieselcoupes, „Geländewagen“ mit „M-Label“ treffen auf „Supersportler mit 3-Zylindern“.

Und dann das.

Quo vadis BMW? Ich hoffe als Fan auf Schärfung des Markenprofils, das bewusste Auslassen von Lücken, die man besser nicht besetzen sollte und ein klares Antriebskonzept. Kann man die Experimente der i3 und i8 Modelle noch mit einer ingenieurgetriebenen Flucht nach vorne rechtfertigen (wenn auch unter Schmerzen), so ist das tolerierbare Maß für die Aushöhlung eines Markenkerns irgendwann voll.

Der „2er Active Tourer“ (alleine der Name!) ist eine Schande für BMW.

Weg damit, aber schnell!