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Jaguar E-Type Series I


Veröffentlicht am 6. Oktober 2009, von D.C. in / Fahrberichte, Jaguar. 12 Kommentare

Es gibt Tage, an denen will man gar nicht vor die Tür. Man riecht komisch, die anderen riechen komisch, die Milch für den Kaffee ist alle und überhaupt ist schon wieder ein Brief vom Finanzamt und der GEZ gekommen (manchmal habe ich den Eindruck, die schreiben voneinander ab :mrgreen: ).

Letzte Woche Freitag war so ein Tag. Eigentlich ja unter einem guten Stern, denn man hatte sich mit seinem ältesten Freund zu einem überfälligen Treffen verabredet. Ein Auftrag seinerseits war auch auf der Tagesordnung. Immerhin besserte sich die Stimmung dann auf der Autobahn Richtung süden, denn das Wetter wurde besser und eine süße Blondine grinste mich an der Ampel an. Immer wieder sind die Langstreckenqualitäten des Esprit zu lobpreisen, wenn nur das vermaledeite Glasdach nicht wäre. Man hat ab 180 das Gefühl bei Sturm im Spinnaker zu hängen. Vielleicht leiste ich mir irgendwann noch das Carbondach dazu…

Lotus Esprit S4 top

Dieses Wochenende bei besagtem Freund ließ mich ein wenig in die sorgenfreie  (heutzutage im Bildungspräkariat kaum vorhandene) Wohlstandsgesellschaft eintauchen. Bundesrepublik 1985: „Ich heirate eine Familie“-Atmosphäre mit Jakobs- Krönung-Verwöhnaroma. Das gibt es also doch noch! Zumindest wenn man bei der Berufswahl alles richtig gemacht hat und nicht nur mit dem ‚Mir macht das andere aber mehr Spaß‘-Gehirnteil gewählt hat.

Mit anderen Worten: Zahnarzt statt Grafiker. Dummerweise spielte Peter Weck damals jedoch einen Grafiker, also hat sich scheinbar einiges verändert. Hmm – merken: Dem eigenen Nachwuchs bei der Berufswahl später ins Gewissen reden…

Jaguar E-Type Serie 1

Jaguar E-Type Serie 1

Wenn man also alles Richtig gemacht hat, steht man irgendwann also vor einem E-Type und fragt sich ob man eine Runde dreht (damit er sich nicht feststeht). Denkt man dann noch an seinen besten Freund von Anno dazumal, nimmt man diesen mit und lässt ihn ein paar Fotos machen ist jeglicher Unbill überstanden…

Jaguar E-Type Serie 1

Lange Rede, kurzer Sinn: Irgendwann standen wir also vor dem E-Type, der seines Zeichens ein frühes Modell in Originalzustand war. Lack, Leder und Interieur unrestauriert, Motor allerdings komplett neu gemacht. Ein Monument von Motor, sei an dieser Stelle kurz erwähnt, doch dazu später mehr.

Jaguar E-Type Heck

Jaguar E-Type Heck

Leider habe ich GAR keine Kenntnisse über den E-Type, seine Geschichte und seinen Werdegang. Soviel steht aber fest: Sein Design und seine Präsenz hat ganze Sportwagen-Generationen geprägt. Halb Deutschland und ganz Japan hat sich in den 60er und 70er Jahren am E-Type orientiert, so schön war der Wurf gelungen.

Jaguar E

Jaguar E

Das Rezept ist im Prinzip einfach: Grandezza! Eine mehr als großzügige Motorhaube, wohlgekonnte, filigrane Details und ein kurzes, rundes, sexy Heck.  Fertig ist der Traumwagen. Das auf diesen Bildern gezeigte Modell ist dabei noch nicht mal in der typischen ‚brit-Farbe‘ grün gekauft worden, sondern in ‚gun-metall‘ mit rotem Leder. Eigentlich fast schon eine deutsche Kombination. In dieser Zusammenstellung erinnert der Wagen auch ein wenig an frühe Aston Martin Modelle.

Jaguar E

Jaguar E

Dass einen die Instrumente und Kipphebel in eine Zeit kurz nach dem zweiten Weltkrieg zurückreisen lassen ist ein anderes, ganz besonderes Element. Smith-Instrumente und ein prominent platzierter Choke lassen keinen Zweifel an einer vergangenen Epoche aufkommen.

Jaguar E Motor

Jaguar E Motor

Los gehts: Zündung. Sofort ist klar, hier handelt es sich um ein ganz anderes Level des automobilen Daseins. Ein langsam drehender und mit Vehemenz bemühter Anlasser rumpelt den riesigen Reihensechszylinder wach. 4.2 Liter Hubraum mit 265PS sind ein Wort. Sonor meldet sich ein satt klingender Motor alter Schule.

Nach einer kleinen Warmfahrrunde mit dem Paten des Wagens durfte ich dann auch mal ‚ran‘. Öldruck stimmt, Temperaturen auch, also mal den Engländer wachgemacht! Ein wirklich fantatischer Sound entfleucht ab 3.000 Upm den Trompeten im Heck. Der klassische Spruch: „Sowas wird heute nicht mehr gebaut“ drängt sich auf.

Jaguar E-Type Serie 1 3 Scheibenwischer...

3 Scheibenwischer…

Gut, jetzt mal Schalten. Hei, das ist noch das alte 4-Gang-Getriebe. Die Gänge verstecken sich besser in der Kulisse  als Amy Winehouse vor der Therapie. Man muss schon rühren und ruckeln, ein Kratzen ist unvermeidlich. Schade, denn das Auto hat einen Wahnsinns-Antritt. Man glaubt dem Wagen die 265 PS auf’s Wort! Spätere Modelle haben wohl eine 5-Gang Box, diese muss sich besser schalten lassen.

Ein dünnes, feingliedriges Holzlenkrad will von kundiger Hand gedreht werden, Rückstellkräfte sind sehr gering. Es kann einem am Kurvenausgang passieren, dass das Auto noch nicht gemerkt hat wenn der Fahrer wieder geradeaus fahren will.

Ab 120 rammt sich einem dann von hinten die Persenning ins Genick und man ist bemüht sein Grinsen  nicht einfrieren zu lassen. Immerhin winken so ziemlich alle am Straßenrand, sei es junge Frauen oder alte Männer. Sogar eine Gruppe Dreikäsehochs will mit einem Fachsimpeln, solche Sympathien weckt das Auto.

Jaguar E-Type Serie 1

Das Vorurteil, nur dicke, alte Motor-Klassik-Leser würden sich so ein Auto zulegen ist natürlich historisch bedingt und hat sicher auch Gründe. Zum Einen sind die finanziellen Mittel im Normalfall für solche Späße erst im fortgeschrittenen Alter vorhanden, zum Anderen will man dann auch keinen DeTomaso mehr fahren: Zu anstregend!  Und ja, dieses Auto ist kein Rennwagen, auch wenn es ein traditionsreicher Sportwagen ist. Das Getriebe und Fahrwerk wollen bedient werden und vertragen keine hektischen Manöver. Das ganze Auto erzieht zur Gelassenheit und Ruhe. Wenn man von einem modernen Fahrzeug in solch ein Auto umsteigt, ist man stärker damit beschäftigt das Auto auf der Straße zu halten ohne etwas kaputt zu machen, als rennmäßig  schnell sein zu wollen.

Jaguar E-Type Serie 1

So verließ ich den Wagen also um eine schöne Erfahrung reicher und bin jetzt auch mal einen E-Type gefahren! Ich kann jedem nur empfehlen mal einen Schritt zurück zu gehen und ein wirklich ‚altes‘ Auto zu fahren. Es ist schier unfassbar, wie dieses Gebiet sich entwickelt hat. Die heutigen Autos sind um Welten einfacher zu fahren – aber leider oftmals ziemlich langweilig und öde…

D.C.

Weiterführende Literatur zum E-Type:




    12 Antworten zu “Jaguar E-Type Series I”

    1. D.C. sagt:

      Die Bilder lassen sich übrigens vergrößern!

    2. Vachtbitu sagt:

      Hallo D.C. mal wieder super schöne Bilder, mit nem Artikel der auch in ner Oldtimer hätte stehen können.
      Dieses Gefühl, daß man mehr damit beschäftigt ist das Auto auf der Straße zu halten kenne ich, es gibt sich aber nach einiger Zeit, wenn man gemerkt hat, daß das Auto doch einiges mitmacht. Mit der präzision, mit der man die heutigen Fahrzeuge um die Ecken bewegen kann ist es natürlich nicht zu vergleichen.
      Würde auch gern mal nen E-Type fahren, kenne ja nur meinen Engländer…
      Dieser E-Type ist außerdem in einem hammermäßig gutem Zustand… und deshalb wohl auch die ein oder andere „Krone“ wert.

    3. Vachtbitu sagt:

      …einfach traumhaft diese nach oben fast rahmenlose Frontscheibe!!!!

    4. Lord Hellmchen sagt:

      Wow! Wie immer ein äußerst feinsinnig formulierter, auf den Punkt treffender Bericht mit wunderschönen Fotos!
      Mein Kompliment.

      Der Wagen ist wirklich in einem unfassbar gutem Zustand. Der Motor eine echte Augenweide. Mir sind eben ungelogen die Tränen gekommen. Solche Bilder gehen mir mehr an die Nieren als irgendwelcher anderer Kitsch.

      Die Serie 1 Dinger sind einfach viel schöner als die jüngeren und auch viel agiler, 12Zylinder hat der Wagen nie gebraucht.

      Außerdem wurden Erinnerungen wach. In so nem Wagen hatte ich als Kind öfter gesessen.Der war allerdings komplett restauriert,sah aber auch nicht besser aus.Ok jetzt laber ich schon wien 60 jähriger Opi.
      Wenn ich mal etwas älter und gesetzter bin, werde ich mir bei finanzieller Möglichkeit sicher irgendwann auch was richtig altes hinstellen.

    5. Ayrton sagt:

      Sehr schön geschrieben DC, und die Fotos sind auch super. Ein e-type fahren zu durfen ist natürlich klasse, der Wagen hat eine sensualität die fast nicht zu überbieten ist.

      Da gabs mal eine Ausgabe von Michel Vaillant (gab es sowas in Deutschland?) die rund um den Nürburgring stattfand, und die Tochter der Deutsche Gastgeber der Piloten (ein Deutschen Graf mit Burg bei Adenau…) erzählte das sie ein e-type haben wollte, aber ihr Vater ein SL für sie gekauft hat, da der e-type zu maskulin wäre. Beide waren in den 60er zu haben und könnten nicht unterschiedlicher sein, der SL eine strenge, raffinierte Eleganz (die meine Meinung nach Mercedes nie wieder geschafft hat), der e-type einfach klassisch schön, rund und mit der Fallusartige Motorhaube 😉

      Übrigens ich habe über meine Spider immer gesagt es wäre der e-type für den kleinen Mann…Legendäre 4 Zylinder, ähnliche Fahrerlebnis.

    6. Dr.Dreh sagt:

      D.C. an dir ist echt ein Journalist verlorengegangen… Ein super Bericht mit ebenso guten Fotos!
      Der E-Type wird auf seine Art nie mehr übertroffen werden… Und gerade weil das so ist mit dem Zenit des Designs- die Industrie gesteht es sich selber ein- (siehe Hellmchens Theorie) muss dieser ganze Retrokram kommen…

      Mann, würd ich auch mal gerne fahren!

      p.s. wo seid ihr da überhaupt? In der Provence? 😉

    7. D.C. sagt:

      😆 An mir ist auch schon so einiges Andere verlorengegangen…
      Danke für die Blumen, Jungs.

      Noch kurz ein paar Eckdaten zum Auto. 1. Hand, für 20.000 Steine Motor komplett neu aufgebaut, erster Lack, erstes Leder. Was meint Ihr was sowas Wert ist? Der Besitzer schätzt ca. 70.000. Mein Freund Pepi überlegt sich den Wagen zu kaufen (will ihn aber erst schätzen lassen).

      Mir persönlich hat das Getriebe den ganzen Fahrspaß ruiniert. Wenn die Schaltbox leichtgängiger und präziser wäre, könnte man richtig viel Spaß mit dem Auto haben. So ist es eine Schande, denn der Motor und das Fahrwerk können (etwas) mehr als nur rumzuckeln. Angeblich kann man recht einfach das 5-Gang-Getriebe aus den Nachfolgeserien einbauen. Wäre es mein Auto, würde ich es auf Kosten der Originalität machen oder zumindest das Getriebe mal perfekt einstellen lassen.

      P.S.: Wir waren irgendwo zwischen Elsass und Schwarzwald unterwegs… An dem Wochenende auch in Strassbourg gewesen, echt schöne Stadt. Von dem Weinberg aus, auf dem wir da waren konnte man den Münster in der Ferne erkennen (Luftlinie ca. 25km).

    8. Lord Hellmchen sagt:

      Der ist vielleicht noch mehr wert.
      Kenn mich damit nich bis zum letzten aus aber hab einen 500 Seiten Wälzer zuhause nur über dieses Auto. Baujahr ist sicher ganz entscheidend. Aber dieser hier ist ja bestimmt frühe 60er Jahre, Roadster, 1. Hand (!) und in nem Superzustand.
      Ich glaub, die gehen auch für 90-100k.

      Schätzen lassen!

      Hat der noch den flachen Boden? Ich meine in o.g. Buch mal was über welche aus der ganz frühen Serie, in denen man nicht sitzen konnte, weil der Boden so flach war,gelesen zu haben. Die sind selten.
      Öhm, wegen Getriebe: War das vielleicht nur teilsynchronsiert?
      Werd mir am WE mal das Buch vornehmen, da steht ALLES über das Auto.

    9. D.C. sagt:

      Der Wagen hat auf jeden Fall eine für Zwischengas ungeeignete Pedalerie, weil das Gaspedal unten angeschlagen ist und nicht hängend, wie z.B. bei modernen Autos.

      Ansonsten weiss ich nicht Bescheid, aber der Gutachter wird sicher wissen, was er tut. Baujahr ist mir unbekannt…

    10. D.C. sagt:

      @Hellmchen: Übrigens! Hier ein Link zu Pistonheads mit Verweis auf schöne Hintergrundbilder zum Datsun 240Z in Gelb! Pistonheads-Link

    11. Lord Hellmchen sagt:

      Im Kontext zu Deinem E-Type wird mit dem Link mehr als deutlich, woran die Japsen sich beim Entwurf des 1. Z orientiert haben.
      (Aber die waren nicht die einzigen, die beim E-Type abgeguckt haben)

    12. Herr Wu sagt:

      Mensch, ich bin hier wieder mal der Letzte. Herrlich D.C., ich habs schon zweimal gelesen. Wenn wir hier regelmäßg derartig literaische Leckerbissen präsentiern, muss ich die Youngtimer Classic sofort abbestellen, da steht eh immer das Gleiche drin.

      Der E-Type ist schon eine elegante Erscheinung, obwohl ich immer das Gefühl hatte und auch noch habe, dass er sich irgendwie behäbig fahren muss. Bin mir nicht sicher woher das kommt. Ich bin leider auch noch nicht in den Genuß gekommen, am Volant zu kurbeln.

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