Home Forum Fuelbrothers Artikel Schlachter oder Gnadenbrot? Mein Saab 900… Beitrag zu: Schlachter oder Gnadenbrot? Mein Saab 900…

Lord Hellmchen
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Um Thema Kettenschelte, Schlachter und Gnadenbrot fällt mir dies hier ein, hatten wir glaube ich schoneinmal, konnte es aber über die Suche nicht finden:

> Auto fahren macht Spaß. Am meisten Spaß macht Essen im Auto. Deswegen
> besitze ich diese erhöhte Affinität zu Drive-In-Schaltern, speziell in
> meinem Lieblings-Fast-Food-Restaurant. Das Vergnügen an dieser
> Self-Service-Version des Essens auf Rädern wird allerdings erheblich
> durch die Qualität der Gegensprechanlage gemindert. Gegensprechanlage?
> Meine Überzeugung nach hat sie diesen Namen deshalb bekommen, weil sie
> völlig gegen das Sprechen ausgelegt ist.
>
> „Hiere Bechelun hippe!“ knarzt es mir aus dem Lautsprecher entgegen.
> Sounds like Schellackplatte. Aus Erfahrung allerdings weiß ich, daß die
> Stimme (männlich? weiblich? … wohl eher männlich?) am anderen Ende
> dieses Dosentelefons sich soeben nach meiner Bestellung erkundigt hat.
>
> Jetzt einfach zu bestellen, wäre mir zu langweilig. Demzufolge stelle
> ich zuerst eine Frage:
>
> „Haben sie etwas vom Huhn?“
>
> Aus dem Lautsprecher ertönt ein schwer verständliches Wort, das aber
> eindeutig mit „…icken“ endet. Ich antworte: „Später vielleicht,
> zunächst möchte ich etwas essen.“
>
> Etwas lauter tönt es zurück: „CHICKEN!“
>
> Ich kann es mir nicht verkneifen: „Nein, ich würde es gleich selbst
> abholen.“
>
> Eine kurze Pause entsteht, ich stelle mir belusticht die genervte Visage
> des McKnecht vor. Als die Sprechpause zu lang werden droht, sage ich:
> „Ach so, Sie meinen Chicken! Nö, lieber doch nicht. Haben sie vielleicht
> Preßkuh mit Tomatentunke in Röstbrötchen?“
>
> „Hamburger?“ fragt mein unsichtbares Gegenüber zurück. Der Wahrheit
> entsprechend erwidere ich: „Nein, ich bin von hier. Aber hat das denn
> Einfluß auf meine Bestellung?“
>
> „Wol-len Sie ei-nen H-a-m-b-u-r-g-e-r?“
>
> „Jetzt beruhigen Sie sich mal! Ja, ich nehme einen.“
>
> „Schieß?“
>
> „Stimmt, hatte ich nach der letzten Mahlzeit hier. Mittlerweile ist
> meine Darmflora allerdings wieder wohlauf, ich denke, ich kann es erneut
> riskieren.“
>
> Der Stimminhaber beginnt mir ein wenig leid zu tun. Er kann ja nichts
> für den Job. Aber ich ja auch nicht ……
>
> „Ob Sie KÄÄÄSE auf dem Hamburger möchten!?“
>
> „Ah ja, gern. Ich nehme einen mittelalten Pyrenäen-Bergkäse, nicht zu
> dick geschnitten, von einer Seite leicht angeschmolzen.“
> Ob die nächste Ansage aus dem Lautsprecher „Sicher doch“ oder
> „A…“ lautet, kann ich nicht exakt heraushören.
>
> Deutlicher jedoch erklingt nun: „Was dazu?“
>
> „Doch, ja. Ich hätte gerne diese gesalzenen frittierten
> Kartoffelstäbchen.“
>
> „Also Pommes?“
>
> „Von mir aus auch die“
>
> „Groß, mittel, klein?“
>
> „Gemischt. Und zwar jeweils genau zu einem Drittel große, mittlere und
> kleine.“
>
> „WOLLEN SIE MICH EIGENTLICH VERARSCHEN?“
>
> Diese, wiederum sehr laut formulierte Frage, verstehe ich klar und
> deutlich. Sie verlangt eine ehrliche Antwort: „Falls das die Bedingung
> ist, hier etwas zum Essen zu bekommen: Ja, also: Machen wir weiter?“
>
> Die Stimme schnauft kurz und fragt: „Gut, gut. Etwas zu den Pommes?“
>
> „Ein schönes Entrecôte, blutig und ein Glas 1996er Spätburgunder, bitte“
>
> „ICH KOMM DIR GLEICH RAUS UND GEB DIR BLUTIG!!!“
>
> „Machen Sie das, aber verschütten Sie dabei bitte nicht den Wein.“
>
> „Schluß jetzt, Schalter zwei, vier Euro fünfzehn!“
>
> Schon vorbei. Gerade, als es anfängt, lustich zu werden. Aber ich habe
> noch ein As im Ärmel. Ich zahle mit einem 200-Euroschein. „Tut mir leid,
> aber ich hab’s nicht größer.“
>
> PIEP!… Freundlich werde ich ausgekontert: „Kein Problem.“
>
> Mit kaltem Blick läßt ein bemützter Herr mein Wechselgeld auf den
> Stahltresen klappern.
>
> Nicht mit mir, Freundchen! Ich will den Triumph! Zeit also fürs Finale:
> „Kann ich eine Quittung bekommen?“ fragte ich überfreundlich. „Ist ein
> Geschäftsessen.“ …